Geheimdienstliche Albernheiten: US-Dienste können Russenhacks nicht beweisen und poltern gegen RT

Geheimdienstliche Albernheiten: US-Dienste können Russenhacks nicht beweisen und poltern gegen RT
Wird hier die US-Wahl entschieden? RT-Mitarbeiter bei der Arbeit.
Bei dem Versuch, Abnehmer für ihre Geschichte zu finden, Russland habe aktiv die US-Wahlen manipuliert, haben US-Geheimdienste einen neuen Report veröffentlicht. Doch anstatt Belege für Hacks oder ähnliche Manipulationen zu liefern, dient der Bericht lediglich als Hetzvorlage gegen RT.

Glaubt man dem scheidenden Nationalen Geheimdienstdirektor der Vereinigten Staaten, James R. Clapper, so muss RT wohl das mächtigste Medium der Welt sein. Nachdem die bloßen Behauptungen US-amerikanischer Geheimdienste, Russland habe mit Hacks und verdeckten Operationen die US-Wahlen zu Gunsten Donald Trumps manipuliert, bei vielen Beobachtern eher Skepsis hervorriefen, versuchen die Dienste ihre Thesen nun mit allerlei „Analysen“ zu untermauern. Das neueste Glanzstück in dieser Kette geheimdienstlicher Veröffentlichungen stammt aus Clappers Haus, das als eine Art Dachverband über den 17 US-amerikanischen Geheimdiensten fungiert.

James Clapper, Koordinator der Geheimdienste, denkt scharf darüber nach, was er in der Zeitung über russische Hackerangriffe gelesen hat, Washington, 5. Januar 2017.

Das Problem an Clappers neuem Bericht erinnert an die Veröffentlichung vom 29. Dezember 2016 zum Thema Russenhacks und Kreml-Einfluss mit dem Titel "Russlands bösartige Cyberaktivitäten". Wieder fehlen jegliche Belege für die durchaus heftigen Anschuldigungen. Doch mehr noch: das neueste Stück mit dem eindrucksvollen Titel „Assessing Russian Activities and Intentions in Recent US Elections“ vom 6. Januar 2017 erinnert mit seinen 14 Seiten eher an eine Proseminar-Arbeit, zu der die Bewertung „Thema verfehlt“ lauten müsste. Hinzu kommt: Der Anhang A über RT, welcher jedoch einen Großteil des Dokumentes ausmacht, wurde bereits im Dezember 2012 verfasst.

Da für die altbekannten Vorwürfe, Russland sei für geleakte E-Mails aus dem Umfeld Hillary Clintons verantwortlich, erneut keine Belege angeführt werden können, beschränkt sich der Bericht lediglich auf die Aussage, man schätze das eben so ein. Um am Ende nicht lediglich einen zweiseitigen Bericht vorlegen zu können, hat sich Clappers Büro des Weiteren dazu entschieden, die Welt mit einer Medienanalyse zum Einfluss von RT zu beglücken. Rund 80 Prozent des Dokuments sind dem global tätigen Medienunternehmen mit Sitz in Moskau gewidmet, das praktisch im Alleingang die US-Wahl entschieden haben muss.

Mit eher lieblos gestalteten Grafiken wird der Social Media-Erfolg von RT mit den Zahlen von BBC, CNN und Al Jazeera verglichen und die journalistische Arbeit von RT-Chefredakteurin Margarita Simonjan unter die Lupe genommen. Die Begründung für die exzessive Beschäftigung mit dem Sender wird auch gleich mitgeliefert. So wird unter anderem darauf verwiesen, dass RT im Jahr 2011 über die Occupy Wallstreet-Proteste berichtet hatte – wofür der Kanal im Übrigen für den renommierten Emmy Award nominiert wurde – und in der politischen Berichterstattung umfangreiche Kritik am US-Establishment äußert. Aus Sicht der US-amerikanischen Geheimdienste gilt eine solche Arbeit wohl nicht als Journalismus sondern eher als verdächtig und vor allem störend.

IT-Legende John McAfee im RT-Gespräch.

Als konkretes Beispiel für die perfide Beeinflussungstaktik Russlands wird im Clapper-Report auch die Sendung „Breaking the Set“ angeführt. Das Format wurde vor zwei Jahren das letzte Mal ausgestrahlt, bevor die leitende Redakteurin und Reporterin der Sendung, Abby Martin, zum lateinamerikanischen TV-Sender teleSUR wechselte. Noch zwei Jahre später soll Martin eine Mitverantwortung an der Wahlniederlage Hillary Clintons haben, so die US-Dienste. Eine mediale Strahlkraft, die jeden Pulitzerpreisträger vor Neid erblassen lässt.

Dass jegliche Beweise im neuesten Werk der US-Dienste fehlen, hat auch Spiegel online bemerkt. Mit beeindruckender Kreativität versucht das Blatt allerdings seinen Lesern zu verkaufen, dass dies auch gar nicht nötig sei, weil Geheimdienste ja gar keinen Grund hätten, irgendetwas anderes als die Wahrheit zu verbreiten:

Angesichts der problematischen Geschichte von CIA, NSA und Co. kann man an der Darstellung seine Zweifel haben. Aber warum sollten die drei größten Geheimdienste die Geschichte eigentlich erfinden?

In bekannt unkritischer Manier griff die New York Times am 7. Januar den Bericht aus dem Büro Clappers auf, und beschäftigte sich dabei auch mit Abby Martin, bereicherte die Geschichte jedoch noch um die erfundenen „Fakten“, Martin habe während einer Sendung vor laufenden Kameras ihren Job hingeschmissen. Nach dem Widerspruch der Journalistin musste die Times den Artikel entsprechend korrigieren – Ein klassischer Fall von Fake News.

Auf das Thema Hacking wird bei all dem Wirbel um RT längst nicht mehr eingegangen. Kein Wort verliert Clappers Bericht zum konkreten Vorwurf, kein einziges technisches Detail findet sich auf den 14 Seiten. Die gesamte Geschichte wird zum reinen Bashing gegen russische Medien. Es stellt sich die Frage, ob dies nicht von Beginn an Zweck der Übung war. Denn eines lässt sich kaum leugnen: Natürlich verfügt RT über wachsenden Einfluss, auch in den USA. Wenn Geheimdienste aufstrebenden Medien vorwerfen wollen, dass diese erfolgreich ihr Publikum ausbauen und diese Dienste keinen Hehl daraus machen, dass sie eine solche Stimme gerne zum verstummen bringen würden, gefährden Clapper und Co. die Demokratie letztlich mehr, als jedwede feindlich gesinnte ausländische Operation dies tun könnte.