Unter dem Dach von Google: Große Mainstreamkoalition kämpft gegen „Fake News“

Unter dem Dach von Google: Große Mainstreamkoalition kämpft gegen „Fake News“
Die Auswahl erscheint vielfältig, der Inhalt meist ähnlich - Gemeinsam wollen die Mainstreammedien gegen Fake News kämpfen.
Der Kampf gegen sogenannte Fake News wird zunehmend institutionalisiert: Der Google-Initiative First Draft Coalition treten weitere 40 große Medienunternehmen bei. Gemeinsam will das Mainstream-Bündnis gegen Falschmeldungen im Internet vorgehen.

Schon im Juni 2015 gründete das Google News Lab die Initiative First Draft Coalition. Ziel des Projektes ist das Überprüfen von Nachrichtenmeldungen. Auf diese Weise sollen Fakes, also Falschmeldungen, identifiziert und Quellen verifiziert – oder eben falsifiziert – werden. Unter dem Eindruck der Fake News-Debatte erhält das Google-Projekt nun neue Aufmerksamkeit. Ganze 40 renommierte Medien haben sich der First Draft Coalition angeschlossen. Die Anzahl der Mitglieder hat sich damit verdoppelt.

Unter der Lupe: Das Establishment sagt sozialen Netzwerken und alternativen Medien den Kampf an.

Zusammengeschlossen haben sich Größen wie Deutsche Presse-Agentur, Associated Press, Reuters, AFP und Bloomberg, ABC News, die BBC, die Washington Post, NBC und der Guardian. Aus Deutschland beteiligen sich Zeit online und die ARD. Neben Sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter gehört zudem Amnesty International dem Netzwerk an. Auch der aus Katar finanzierte Nachrichtensender Aljazeera ist der Anti-Fake-Koalition beigetreten.

Konkret sollen mit Hilfe eigens entwickelter Tools in einem virtuellen Newsroom die Ressourcen der Redaktionen und Medienkonzerne gebündelt werden. Augenzeugenberichte sowie sich viral verbreitende Fotos und Videos werden auf ihre Authentizität geprüft. Mutmaßliche Fakes sollen so schnell enttarnt werden. Die Ergebnisse werden allen Mitglieder der Organisation, aber auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Was zunächst lobenswert erscheint hat jedoch einen Haken: Gerade in politischen Fragen sind viele Themen äußerst strittig und die bisherigen Mitglieder der First Draft Coalition sind wenig bekannt dafür, selbst eine neutrale Agenda zu vertreten. Vielmehr sind in dem Bündnis nahezu alle großen Namen des Medienmainstreams vertreten. Das Risiko ist dabei sehr hoch, dass der Fake-News-Stempel der Koalition zum Kampfmittel im Meinungsstreit wird. An die Stelle der argumentativen Auseinandersetzung über unterschiedliche Sichtweisen könnte dann die wenig ruhmreiche Markierung „Fake“, vergeben durch einflussreiche Medieninsidern, treten.

Hinzu gesellt sich ein weiteres Problem: Mitglieder des Anti-Fake-Bündnisses verbreiten selbst immer wieder Falschmeldungen. Zuletzt blamierte sich die Washington Post – selbsternannter Vorkämpfer gegen Fakes in den Nachrichten – mit der Meldung, russische Hacker seien in das System eines Energieversorgers in Vermont eingedrungen. Als der angeblich betroffene Energieversorger Burlington Electric bekannt gab, es habe überhaupt keinen Hackerangriff gegeben, musste die Washington Post die Story kleinlaut zurückziehen. Doch mit Sicherheit hat die First Draft Koalition nicht solche Fakes im Sinne, wenn sie Falschmeldungen den Kampf ansagt.

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