Alexander Rahr: Trilaterale Gespräche zu Syrien nicht gefährdet

Alexander Rahr: Trilaterale Gespräche zu Syrien nicht gefährdet
Der russische Außenminister Sergej Lawrow und seine beiden iranischen und türkischen Amtskollegen Mohammed Dschawad Sarif und Mevlut Cavusoglu kommen heute in Moskau zusammen, um über den laufenden Konflikt in Syrien zu diskutieren.

Der gestrige Mordanschlag auf den russischen Botschafter in der Türkei könnte das sich normalisierende Verhältnis zwischen der Türkei und Russland belasten. Der Russland-Experte Alexander Rahr hält einen Bruch jedoch für unwahrscheinlich, da die bilateralen Beziehungen zwischen Russland und der Türkei stark auf eine Zusammenarbeit ausgerichtet sind. Wir haben mit Herrn Rahr über die aktuelle Situation gesprochen.

Was bedeuten trilaterale Gespräche zwischen Moskau Teheran und Ankara über Syrien für den diplomatischen und politischen Einfluss des Westens?

Zunächst einmal geht es darum, das auseinanderfallende Syrien zusammenzuhalten, eine neue Zukunft für dieses Land zu finden, eine Stabilität für Syrien und auch für die Nachbarländer Syriens abzusichern…

Syrien ist nicht in den Einfluss Saudi-Arabiens gefallen oder der persischen Golfstaaten, wie die USA das eigentlich geplant haben. Syrien ist weiterhin unter dem Einfluss des Irans, teilweise Russlands und der Türkei geblieben. Deshalb ist es folgerichtig, dass diese drei Länder, die sozusagen „on the ground“ sind, und über Einfluss auf dieses Land verfügen, auch jetzt sich um die Neugestaltung Syriens kümmern.

Natürlich muss mit den Amerikanern später die Frage nach einer globalen Stabilität und einer globaleren Neuordnung des Mittleren Ostens und Nahen Ostens gesprochen werden. Die Amerikaner sind weiterhin führend bei der Stabilisierung - oder bei dem Versuch der Stabilisierung - des Iraks und Afghanistans, dort sitzen die Amerikaner.

In Syrien sind die Amerikaner aber nicht federführend und haben dort keinen Einfluss. Deshalb kann man sagen, dass hier eine Zusammenarbeit zwischen diesen Mächten Russland, Syrien, Iran und Türkei auf der einen Seite und den Amerikanern auf der anderen Seite sehr notwendig sind. Das ist eine Aufgabe, die möglicherweise auch der neugewählte Präsident Trump optimistischer und konstruktiver angehen wird, als der scheidende Präsident Obama, der mit Russland im Nahen Osten nicht kooperieren wollte.

Wie wird sich der Mord am russischen Botschafter in der Türkei auf die Gespräche auswirken? Sehen Sie eine Verbindung?

Ich glaube, dass man hier sehr, sehr vorsichtig sein muss. Ich stimme eigentlich dem zu, was der russische Außenminister, Sergei Lawrow, gesagt hat: Ein solch schwerwiegender Fall, eine Ermordung eines Botschafters, sowas passiert selten. Und wenn sowas passiert, ist das natürlich ein unglaublicher Affront, aber er muss aufgeklärt werden. Er darf aber auch nicht als Provokation verstanden oder gesehen werden oder dass sich nachher Staaten wie die Türkei und Russland, die gerade dabei waren ihre Beziehungen neu zu justieren nach der Zeit der Feindschaft, die ein Jahr lang währte, nachdem das türkische Militär ein russisches Militärflugzeug abgeschossen hatte.

Jetzt arbeiten die Türkei und Russland Hand in Hand im Kampf gegen den Terrorismus und der Neuordnung des Nahen Ostens und da darf auch ein solcher schwerwiegender Fall, eine schwerwiegende Terrorattacke gegen den russischen Botschafter natürlich nicht als Vorwand genommen werden, um die Beziehungen einfach so abzubrechen. Ich glaube, dass die türkischen und russischen Beziehungen heute wieder so stark auf eine Zusammenarbeit gerichtet sind, dass dieser Vorfall, er wird aufgeklärt werden, aber nicht dazu führt, dass es zu einem Bruch kommt.