Putin und Lawrow zu Anschlag in Ankara: Den Kampf mit Terror werden wir verstärken

Putin und Lawrow zu Anschlag in Ankara: Den Kampf mit Terror werden wir verstärken
Russischer Außenminister Sergej Lawrow und sein türkischer Kollege Mevlüt Çavuşoğlu heute während der gemeinsamen Konferenz in Moskau.
Das politische Russland ist empört, erschüttert und tief bewegt. Die meisten stimmen darin überein, dass der Anschlag eine Provokation gegen die türkisch-russische Annäherung darstellt. Wie die Reaktion aus Ankara zeigt, könnte das Attentat das Gegenteil bewirken.

Heute findet in Moskau das trilaterale Treffen zwischen den russischen, türkischen und iranischen Außenministern zur Lage in Syrien statt. Als der türkische Außenminister Mevlüt Cavusgolu gestern abend bereits unterwegs nach Moskau war, ereignete sich das Attentat auf den russischen Botschafter in der Türkei, Andrej Karlow.  

Der Täter begründete seine Tat mit der russischen Teilnahme an der Befreiung von Aleppo. Er wurde von der Polizei erschossen. Präsident Erdogan telefonierte sofort mit dem russischen Präsidenten. Ebenso rief Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu sofort seinen russischen Kollegen an.

Die türkische Seite bemühte sich sichtlich die Lage zu entspannen. So versprach Mevlüt Çavuşoğlu während des morgendlichen Treffens mit Sergej Lawrow, dass die Straße an der russische Botschaft in Ankara zu Ehren des Botschafters nach ihm benannt wird.

Heute argumentieren russische und türkische Politiker zur Lage in Syrien sehr ähnlich. Ohne eine Abmachung mit der Türkei wäre die schnelle Einnahme von Aleppo durch Pro-Assad-Truppen nicht möglich gewesen. Russische Reaktionen auf das Attentat lassen heute keine Zweifel daran, dass Russland die türkische Seite nicht für den Anschlag verantwortlich macht.

So nannte der russische Präsident den Mord an dem Botschafter eine Provokation, die darauf gerichtet ist, die Normalisierung der russisch-türkischen Beziehungen und den Friedensprozess in Syrien zum Scheitern zu bringen. Das sagte er heute Morgen während des Treffens mit den Leitern des Inlandgeheimdienstes FSB, Alexander Bortnikow, und Sergej Naryschkin, dem Chef des Außengeheimdienstes SWR.

„Die Antwort kann nur eine sein: die Verstärkung des Kampfes gegen die Terroristen. Und die Banditen werden das zu spüren bekommen“, kündigte Putin an.

Die Tötung des Diplomaten ist eine Niedertracht, betonte der russische Präsident. Andrej Karlow sei ein glänzender Diplomat gewesen und genoss hohes Ansehen unter den Kollegen. Wladimir Putin äußerte auch sein Beileid für die Angehörigen und wies an, dass der Diplomat posthum ausgezeichnet wird.

Einen ähnlichen Ton schlägt auch der russische Außenminister an. Während des heutigen Treffens mit der Presse saß er seinem türkischen Amtskollegen direkt gegenüber. Lawrow versuchte nicht mal seine Betroffenheit zu verschleiern. Er äußerte sich anerkennend in Bezug auf seine türkischen Kollegen und lobte ihre "blitzschnelle Reaktion" auf den Anschlag.

„Wir sind überzeugt, dass das wichtigste Ziel derjenigen, die diesen barbarischen Akt planten und ausführten, darin besteht, den Prozess der Normalisierung der Beziehungen zwischen Russland und Türkei zu untergraben. Im Wesentlichen geht es darum, den effektiven Kampf gegen den Terrorismus in Syrien nicht zuzulassen. Das ist ein schlechtes Ziel mit schlechten Mitteln. Es wird nicht klappen“, so Lawrow.

Damit deutet auch der russische Außenminister an, dass er in Person von Mevlüt Mert Altıntaş keinen Einzeltäter sieht, sondern eine professionell agierende Gruppe mit politischen Zielen hinter ihm vermutet. Diese Meinung teilen auch die meisten russische Nahost-Experten.

In wessen Interesse es liegt, eine Syrien-Regelung im Sinne der trilateralen Konferenz zu kippen, könne man daran ablesen, welche regionalen Akteure mit einem ausgeprägten Anti-Assad-Profil von dem Treffen ausgeschlossen sind, so der Tenor unter russischen Experten für Außenpolitik.

Heute Vormittag traf ein 18-köpfiges russisches Ermittlerteam in Ankara ein. Das trilaterale Gespräch zwischen Russland, der Türkei und dem Iran findet heute um 17 Uhr Berliner Zeit trotz des Attentats wie geplant statt. Das russische Außenministerium richtete auf Facebook ein virtuelles Kondolenzbuch ein. Der Link befindet sich hier.