Eis in der Arktis auf absolutem Rekordminimum

Eis in der Arktis auf absolutem Rekordminimum
Wo bleibt das Eis? Eisbären an der Beaufort Sea im Arctic National Wildlife Refuge, Alaska, März 2007.
Seit 38 Jahren wird per Satellit die Eisfläche in der Arktis gemessen. Die neuesten Resultate sind alarmierend: Noch nie war die Eisdecke so gering. Sowohl in der Arktis als auch der Antarktis erreicht die Meereisausbildung die geringste Ausdehnung seit Messungsbeginn.

Die aktuellen Messresultate in der Arktis zeigen, dass die Ausdehnung der Eisfläche 9,08 Millionen Quadratkilometer beträgt. Das klingt nach viel, ist es aber nicht. Die Eisfläche ist rund zwei Millionen Quadratkilometer kleiner als im November-Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010.

Die Ursache für den Tiefstwert liegen laut dem Nationalen Schnee- und Eisdatenzentrum (NSIDC) der USA in den hohen Temperaturen über dem arktischen Ozean, den hohen Wassertemperaturen und anhaltendem Südwind.

Mit Beginn der Polarnacht, in der die Sonne nie über den Horizont steigt, beginnt in der Regel ein rasches Eiswachstum, da die durchgängige Kälte das wärmere Wasser abkühlt. Doch in den letzten beiden Monaten war es in der hohen Arktis konstant zu warm. Die Temperaturen stiegen letzte Woche auf beachtliche 20 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel.

Die Animation des Klimaforschers Ed Hawkins zeigt den Anstieg der globalen Mittelwerte seit dem vorindustriellen Zeitalter (1850) bis zum Jahr 2016. Erschreckend ist besonders der schnelle Temperaturanstieg seit Juni 2015, der der 1,5-Grad-Grenze sehr nah kommt.

Die geringe Neubildung von Meereis im arktischen Ozean könnte im Winter nach Forscheransicht zu arktischen Kälteeinbrüchen in Mitteleuropa führen. „Immer mehr Studien zeigen, dass ein Mangel an Meereis auch den Wirbel in der Stratosphäre schwächt“, sagte die Mathematikerin Marlene Kretschmer vom Potsdam-Institut für Klimaforschung der Wochenzeitung „Die Zeit.“ Der Wirbel wiederum beeinflusse das Wetter.

Doch nicht nur die Ausdehnung der Eisoberfläche beunruhigt die Wissenschaftler, auch die abnehmende Dicke und das sinkende Alter des Eises macht Sorgen. Laut der NASA zeigt ein Vergleich zwischen September 1984 und September 2014 eine Abnahme des alten Eises, damit Eis, das vier Jahre und älter ist, gemeint, um 94 Prozent. De facto ist das gesamte ältere und dickere Eis geschmolzen oder zumindest dünner geworden. Das macht die Region anfälliger für zusätzliches Abschmelzen während des relativ warmen Wetters.

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Eine Analyse des Goddard Institutes der NASA zeigte vor Kurzem, dass zum Beispiel ein Sturm und eine Warmfront Ende 2015 zum Abschmelzen einer Eisfläche von der Größe Floridas führte. Zu einer Jahreszeit, in der die Eisbedeckung eigentlich wachsen sollte. Damals betrugen die hohen Temperaturen zehn Grad Celsius über den Normalwerten – also halb so warm wie in der jetzigen Warmfront.

Die abnorm hohen Temperaturabweichungen in der Arktis stehen im Verhältnis zu der extremen Kälte, die sich zurzeit über Sibirien ausbreitet. Von der finnischen Grenze bis zum Japanischen Meer in Russland wurden rund 140 Kälterekorde aufgestellt. In Zentralrussland erreichten die Temperaturen minus 36 Grad, die Schulen mussten geschlossen werden.

Die Klimatologin Jennifer Francis von der Rutgers-Universität sagte der Washington Post:

Die arktische Wärme ist das Resultat aus der für diese Jahreszeit extrem reduzierten Eisdecke, dem wahrscheinlich auch sehr dünnen Eis und viel warmer und feuchter Luft aus niederen Breiten, die durch den ungewöhnlich instabilen Jetstream nach Norden getrieben wird.

Sotschi kämpf gegen Schnee

Der winterliche arktische Polarwirbel, eine zirkulierende Zone niedrigen Luftdrucks, die mehrere Kilometer weit in die Atmosphäre hinaufreicht, ist in den letzten Jahrzehnten analog zum Abschmelzen des Eises schwächer geworden. Dies macht es möglich, dass kältere Luftströme, die normalerweise auf die Polarregion beschränkt sind, weiter nach Süden ziehen.

Doch nicht nur beim Klima geht es drunter und drüber. Auch in der Politik ziehen Turbulenzen auf. Nach dem Wahlsieg von Donald Trump herrscht an Universitäten und Forschungseinrichtungen Unsicherheit, um nicht zu sagen, Panik. Klimaforscher haben begonnen ihre Daten auf andere Server zu kopieren, um sie so in Sicherheit zu bringen. Auf Twitter und Facebook riefen sie Kollegen dazu auf, das Gleiche zu tun.

Die Motivation für die ungewöhnliche Aktion liegt in der ausgeprägten Skepsis von Donald Trump in Sachen Klimawandel. Ein Berater von Donald Trump hatte sogar im Guardian vorgeschlagen, der NASA die Klimaforschung zu untersagen. Mit Rick Perry hat Donald Trump zudem einen ausdrücklichen Gegner von Klimaschutzmaßnahmen zum Energieminister berufen.

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