Dicke Luft: Chinesen kaufen Frischluft in Flaschen aus Kanada

Dicke Luft: Chinesen kaufen Frischluft in Flaschen aus Kanada
Nicht nur Donald Trump sorgt im Moment für dicke Luft in China. Die Metropolen leiden unter extrem hohen Schadstoffwerten in der Luft.
Chinas Metropolen versinken unter dicken Feinstaub-Wolken. Jedes Jahr sterben 1,6 Millionen Chinesen an den direkten Folgen der Luftverschmutzung. Ein Start-up aus Edmonton verkauft den Chinesen nun frische Bergluft aus Nordamerika – abgefüllt in Spraydosen.

Sie gehören mittlerweile flächendeckend zum Straßenbild in Chinas Metropolen: Menschen mit weißen Atemschutzmasken. Doch so schlimm wie im Augenblick war es noch nie. Die jüngst gemessenen Schadstoff-Werte an einigen urbanen Messstellen überschreiten die Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) um mehr als das 17-fache.

An den politisch Verantwortlichen geht diese Entwicklung nicht spurlos vorbei: Ab Mitte Februar 2017 wird Peking fast eine halbe Million älterer Autos an Werktagen von den Straßen der Innenstadt verbannen, um der Luftverschmutzung Herr zu werden. Auf den Straßen der chinesischen Hauptstadt sind täglich über 5,7 Millionen Autos unterwegs. Der Straßenverkehr trägt bis zu 31 Prozent zur Belastung mit gesundheitsgefährlichem Feinstaub bei.

Laut Meteorologen wird das Jahr 2016 das heißeste Jahr auf der Erde. Ein Büffel badet in einer ausgetrockneten Pfütze, Ajmer, Indien, Mai 2015.

Ein Unternehmen versucht unterdessen, auf seine Weise das Problem anzugehen. So verkauft ein Start-up namens Vitality Air aus dem kanadischen Edmonton den Chinesen nun nordamerikanische Frischluft aus Sprühdosen - und machte nach eigenen Angaben in den letzten Wochen damit ordentlich Umsatz. Die Firma bietet ihre Frischluft schon seit sechs Monaten an. Doch in China ist das Produkt erst seit zwei Monaten über das eBay-Pendant Taobao erhältlich.

Unsere erste Lieferung von 500 Flaschen frischer Luft verkauften wir bereits innerhalb von vier Tagen,

erklärte der Gründer von Vitality Air, Moses Lam, jüngst gegenüber der englischen Zeitung "The Telegraph". Mittlerweile sind 4.000 weitere Flaschen auf dem Weg nach Asien. Davon sind 1.000 bereits bezahlt und reserviert. Ein Behälter mit sieben Litern kostet um die 23 Euro und reicht für rund 150 Atemzüge klarer Bergluft aus dem kanadischen Banff National Park. Der Park liegt am Lake Louise in den Rocky Mountains.

Der Preis von 23 Euro pro Flasche entspricht ungefähr dem 50-fachen des Preises einer Flasche Mineralwasser in China. Dabei fing die ganze Geschichte mit der frischen Luft eigentlich als Scherz an. Der Gründer Lam und sein Partner Troy Paquette verkauften über eBay in Kanada eine Tüte frischer Luft für 30 Cent. Für eine zweite Tüte wurden schon über 100 Euro bezahlt.

Aus einer luftigen Schnapsidee wurde ein Start-up-Unternehmen. Mittlerweile liefert dieses die abgefüllte Luft und Sauerstoff in mehrere Länder, unter anderem nach in die USA, nach Indien und in den Nahen Osten. Aber China bleibt nach wie vor der größte Abnehmer.

Die Geschäftsidee mit der Luft ist übrigens nicht neu. Zur Fußball-WM 2006 in Deutschland konnte man beispielsweise "Stadionluft aus Dortmund" kaufen. Und „Original Berliner Luft“ gibt es an zahlreichen Souvenirgeschäften der Stadt und sogar auf Amazon. Dass man mit dem Thema Luft und Smog auch originell umgehen kann, bewies zudem der Pekinger Künstler Nut Brother. Während 100 Tagen lief er mit einem 1000-Watt-Industriestaubsauger durch die Stadt und saugte die Luft ein. Der 34-jährige Künstler verwendete die eingesammelte Luft anschließend, um daraus einen Ziegel zu pressen.

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