Wie Großbritannien Propaganda für die syrische Opposition finanziert

Wie Großbritannien Propaganda für die syrische Opposition finanziert
Hohe Kaufkraft auch in Sachen Propaganda: das britische Pfund.
Eine E-Mail-Konversation zwischen einem Journalisten und dem Medienbüro der Revolutionary Forces of Syria enthüllt, dass es sich bei der beliebten Quelle westlicher Mainstreammedien um eine von Großbritannien gesponserte Propaganda-Operation handelt.

Erwischt: Das Medienbüro der Revolutionary Forces of Syria (RFS), eine große oppositionelle syrische Medienfirma und regelmäßige Informationsquelle für westliche Medien, wird von der britischen Regierung finanziert und von Westlern in der Türkei gemanagt. Das geht aus einer E-Mail-Korrespondenz hervor, die ein Nahost-Reporter an „AlterNet“ sandte, nachdem er vom Medienbüro der RFS ein Job-Angebot erhalten hatte.

Das Medienbüro der RFS sorgte im November für Kontroversen, als es auf dem Höhepunkt des „Mannequin Challenge“-Hypes ein Video veröffentlichte, das eine inszenierte Rettungsaktion der sogenannten Weißhelme zeigt. Das Video wurde schnell zu einem Renner. Allerdings zog der RFS das Video wieder zurück und veröffentlichte eine Entschuldigung.

Man war besorgt, dass die inszenierte Rettung Fragen über die Authentizität anderer Weißhelm-Videos aufkommen lassen könnte. Über den Sommer wurde ein Nahost-Reporter, der namentlich nicht genannt werden möchte, von einem amerikanischen Bekannten und früheren Kollegen angesprochen, ob er nicht für den RFS arbeiten wolle:

Ich bin zurzeit in Istanbul und arbeite an einem Medienprojekt für HMG (die britische Regierung),

schrieb der Bekannte in einer E-Mail mit Datum vom 23. Juni.

Wir arbeiten an Medien, die den syrischen Konflikt abdecken, wir sind einer von drei Partnern.

Die E-Mail enthält Links zur englischen Webseite von RFS Media und zu SMO Media, einer arabischen Webseite, die über die „Southern Front“ berichtet, eine vom Westen unterstützte Gruppe der FSA (Free Syrian Army).

Wir suchen einen Managing Editor/Production Manager für unser Team hier in Istanbul und ich denke, du würdest wunderbar dazu passen. Hättest du eventuell Interesse daran, oder kennst du jemanden, der für einen Job nach Istanbul kommen möchte?,

fragte der Bekannte. In der darauffolgenden Telefonunterhaltung erklärte der Bekannte dem Reporter, worin der Job besteht:

Ich hätte mit Oppositionellen vor Ort reden und neue Sachen schreiben sollen, die auf den Äußerungen von Medienaktivisten beruhen, die mit bewaffneten Gruppen an Orten wie Aleppo verbündet sind,

erklärte der Reporter später. Das angebotene Gehalt wären stolze 17.000 US-Dollar pro Monat gewesen. Der Reporter hat sich schließlich gegen das RFS-Angebot entschieden, denn er hielt es für journalistisch unmoralisch.

Nach den Kämpfen: Einwohner gehen auf die Straße, nachdem die Kämpfe in ihrem Stadtteil abgeflaut sind, 13. Dezember 2016.

Dass ich für die Regierung eines Landes arbeiten würde, die zutiefst in den syrischen Konflikt verstrickt ist, dieser Gedanke ist für mich als Journalist unfassbar,

sagte er zu AlterNet.

So etwas liegt meiner Meinung nach weit außerhalb der Arbeit für ein staatliches Medium. Man wäre dann im Grunde ein Sprachrohr für bestimmte bewaffnete Gruppen, die von westlichen Regimen unterstützt werden, die eine lange Geschichte katastrophaler Einmischung in die Region haben. Das soll nicht heißen, dass ich keine Sympathie für Leute habe, die gegen die syrische Regierung sind. Ich bin nicht für das Regime. Gleichzeitig bin ich ein Journalist und ich würde gerne meine Integrität aufrechterhalten.

Der Reporter hat es auch abgelehnt, andere für den Job vorzuschlagen und sagt:

Ich werde keine dubiosen Beziehungen zwischen einem Reporter und einer offensichtlichen Propaganda-Firma fördern.

RFS hat auf eine Anfrage von „Alternet“ für einen Kommentar nicht reagiert. Westliche Medien verlassen sich oft und gerne auf sogenannte „Medien-Aktivisten“ aus Gebieten, die von militanten Gruppen und vom Westen und den Golfmonarchien unterstützt werden, wie zum Beispiel Jabhat al-Nusra, bis vor kurzem eine al-Kaida Schwester in Syrien, Ahrar al-Sham, Jaish al-Islam und Harakat Nour al-Din al-Zenki.

Es gibt einen weithin unbekannten Bericht von Amnesty International, in dem aufgedeckt wird, dass Zivilisten im von der Opposition besetzten Ost-Aleppo und Idlib mit Entführung, Folter und standrechtlicher Erschießung bestraft wurden, nur weil sie in Sozialen Medien die bewaffneten Gruppen kritisiert hatten.

RFS Media ist nur eine von mehreren verschiedenen Propaganda-Niederlassungen, die vom britischen Außenministerium finanziert werden. Eine kürzlich durchgeführte Untersuchung durch den "Guardian" belegte, dass der Conflict and Stability Fund des britischen Außenministeriums insgeheim mindestens 3 Millionen in Rebellen-freundliche Propagandaklitschen gepumpt hat, die von Istanbul aus betrieben werden.

Das Geld wurde bereitgestellt, nachdem das Britische Parlament Ende 2013 gegen eine Bombardierung Syriens gestimmt hatte. Das Büro der RFS Media wurde im Dezember 2013 auf Englisch und Arabisch gestartet. Nach der politischen Niederlage verfolgte das Außenamt in Großbritannien eine verdeckte Propagandakampagne zur Unterdrückung der öffentlichen Anti-Kriegsstimmung.

Private Vertragspartner wurden für die „Produktion von Videos, Fotos, Militärberichten, Radiosendungen, Presseerzeugnissen und Posts in den Sozialen Medien“ angeheuert, „mit den Logos der kämpfenden Gruppen und im Grunde wurde ein Pressebüro für Oppositionskämpfer betrieben“, schreibt der Guardian.

Der Zweck der Propaganda, vom Außenamt euphemistisch als „strategische Kommunikation“ bezeichnet, lag darin, „den Kriegsverlauf durch die Formung der Wahrnehmung der Oppositionskämpfer zu beeinflussen“ und eine „strategische Kommunikation und Medienaktionen zur Unterstützung der moderaten bewaffneten Opposition Syriens“ anzubieten.

Trends: # Krieg in Syrien, # Medienkritik