Terrorförderung als Wohltätigkeit - Das doppelte Spiel der Saudis in Afghanistan

Terrorförderung als Wohltätigkeit - Das doppelte Spiel der Saudis in Afghanistan
Afghanistans Zukunft ist ungewiss: Mit den Taliban zurück in die Steinzeit oder weiter auf dem Pfad einer einigermaßen funktionsfähigen Demokratie? Diese Entscheidung werden weniger die USA beeinflussen als Saudi-Arabien, das ein doppeltes Spiel spielt.

von Olga Banach

Seit 15 Jahren versucht eine von den USA geführte Koalition, nach der Vertreibung der radikal-islamischen Taliban-Milizen von der Macht in Afghanistan Frieden zu stiften. Der kommende amerikanische Präsident wird damit den längsten noch andauernden Konflikt der US-Militärgeschichte erben. Die afghanische Regierung kontrolliert derzeit etwa 63 Prozent des Territoriums des Landes. Die Saudis spielen unterdessen ein doppeltes Spiel und unterstützen die Spieler auf beiden Seiten.

Symbolbild -

Der Direktor des afghanischen nationalen Sicherheitsrates, Mohammad Hanif Atmar, erklärte jüngstgegenüber der New York Times bezüglich saudischer Unterstützung für die Taliban:

Wir wissen, es hat diese Finanzierung über Jahre gegeben.

In den letzten Monaten hatten die Dschihadisten bei ihren stetig intensiver werdenden Angriffen bis zu 40.000 Mann aufbieten können. Agha Jan Motasim, ein ehemaliger Finanzminister der Taliban, machte nun öffentlich, dass er mehrere Male im Jahr - offiziell, um eine Pilgerreise zu machen - nach Saudi-Arabien reiste, um Gelder für den Gotteskrieg zu beschaffen. Sein Weg führte ihn zunächst nach Pakistan, um sich mit Mitgliedern zu treffen und von dort aus weiter nach Saudi-Arabien zu reisen. Die Geldgeber kamen nicht nur aus der Golfmonarchie, aber das Land bot ihm für sein Vorhaben eine sichere Plattform.

Die Aussage des ehemaligen Finanzministers der Taliban steht jener des designierten saudischen Botschafters in den USA und Nachrichtendienstoffiziers Prinz Turki al-Faisal entgegen. Dieser erklärte gegenüber der New York Times:

Als ich in der Regierung war, wurde kein einziger Cent an die Taliban gezahlt.

Auch wenn das möglicherweise sogar stimmen sollte und sich die saudische Regierung hier die Hände reinwaschen könnte, so gibt es zahlreiche gewichtige Anhaltspunkte dahingehend, dass nicht wenige seiner Mitbürger aktiv an der Terrorfinanzierung teilhaben, ohne hierfür von der Regierung belangt zu werden. 

Am Donnerstag sah sich die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen den Saudis in Riad gegenüber. Ziel der Reise war es, ein Abkommen über die Ausbildung saudischer Soldaten durch die Hand der Bundeswehr zu erzielen. Der Besuch wurde in der Presse und vonseiten der Opposition mit Argwohn betrachtet.

Das saudische Geld fließt aber auch in die Madrasas, die Religionsschulen. Hier werden die Dschihadisten von morgen ausgebildet. Für wirtschaftlich schwache Familien stellt diese Art von Schulen oftmals die einzige Möglichkeit einer Ausbildung dar, über deren Inhalte die afghanische Regierung jedoch keinerlei Kontrolle ausübt. Hier gibt die radikalste Erscheinungsform des Islam, der Wahhabismus, den Ton an. Nicht weniger als 90 Prozent der Terrorkämpfer sollen diesen Schulen entstammen. Ein Problem, das auch aus Pakistan bekannt ist.

Der afghanische Präsident Ashraf Ghani hatte gerade das Angebot einer finanziellen Unterstützung durch Pakistan in Höhe von 500 Millionen Dollar ausgeschlagen, weil er kein Bittsteller sein will und Pakistan das Geld besser gegen die Terrorfinanzierung einsetzen solle. Die Taliban, so Ghani, würden nicht einen Monat ohne Unterstützung aus Pakistan überleben. Folglich haben bereits mehr eine halbe Million Menschen Afghanistan auf der Flucht vor den Taliban den Rücken gekehrt.

Doch es sind nicht allein die Terroristen aus Pakistan und Afghanistan, die sich in üppiger Weise von saudischem Geld nähren. Auch der IS in Syrien und dem Irak kann sich nicht über mangelnde Zuwendung aus der Golfmonarchie beklagen. Offiziell bezeichnet Riad den IS als Terrorgruppe. Doch sollen laufend private Spendengelder über Kuwait nach Syrien geschleust werden.

Sollte es zu dem angestrebten Abkommen zwischen Saudi-Arabien und der Bundeswehr kommen, würden saudische Soldaten bald auch in Deutschland ausgebildet werden.

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