Achtung beim Weihnachtseinkauf: Spielzeug hört mit!

Achtung beim Weihnachtseinkauf: Spielzeug hört mit!
Wer hört hier mit? Ein Kind mit der Puppe "My Friend Cayla".
Die Puppe "My Friend Cayla" kann sprechen und Fragen beantworten. Der US-amerikanische Hersteller Genesis Toys arbeitet dafür mit der US-amerikanischen Softwarefirma Nuance Communications zusammen. Diese ist auch Zulieferer der US-amerikanischen Geheimdienste.

Der Cyberwar macht auch vor Kinderzimmern nicht halt. Vier Verbraucherschutzorganisationen in den USA haben eine Beschwerde bei der Bundesstaatlichen Handelskommission der USA eingereicht. Es geht dabei um zwei Spielzeuge des Herstellers Genesis Toys, nämlich die Puppe "My Friend Cayla" und den Spielzeug-Roboter "i-Que Intelligent Robot".

Beide Spielzeuge können sowohl hören als auch sprechen. Sie sind über Bluetooth mit einer Mobiltelefon-Applikation verbunden und stellen über diese App eine Verbindung mit dem Internet her. Wenn "Cayla" online ist, können Kinder zum Beispiel der Puppe Fragen stellen. Eine spezielle App wandelt die Sprache in Text um, sucht eine Antwort im Internet und lässt die Puppe antworten. 

Schon bei der Einrichtung der App werden die Kinder jedoch nach persönlichen Informationen gefragt. So unter anderem nach dem eigenen Namen, dem Namen der Eltern, dem Namen der Schule oder der Geburtsstadt. Auch die geografische Position und die IP-Adresse werden von der App ermittelt. Der Hersteller der Spielzeuge gibt als Begründung für den Wissensdurst der Spielzeuge an, dass man die Serviceleistungen optimieren und die Funktionalität der Spielzeuge erhöhen möchte.

Doch wie jetzt herauskam, werden die Daten auch noch an eine dritte Partei gesendet: Nuance Communications. Die gesammelten Daten landen auf den Servern des Hauptsitzes der Firma in Massachusetts. Die US-amerikanische Firma ist vor allem für ihre Spracherkennungssoftware "Dragon" bekannt. Doch sie verkauft auch "Voice Biometric Solutions" an das US-amerikanische Militär, an die Geheimdienste und private Sicherheitsunternehmen.

Hirnstrommessungen gehen zurück bis auf das Jahr 1924, als der Neurologe Hans Berger an der Universität Jena erste Messungen vornahm.

In den Datenschutzbestimmungen von Nuance Communications wird man zwar darauf hingewiesen, dass Daten von Kunden für Produktverbesserungen und Marketing gesammelt werden können, doch gleichzeitig kann man dort auch lesen:

Wenn sie unter 18 sind, brauchen sie die Einwilligung der Erziehungsberechtigten, um Daten mit Nuance zu teilen zu dürfen. Sie sollten uns keine Daten über sich senden, wenn sie unter 18 sind.

Hinzu kommt, dass die Datenschutzbestimmungen für die Spielzeuge offenbar nicht auf der Webseite von Nuance zu finden sind. Sie poppen nur einmal bei der Installation der Applikation auf und können danach nicht mehr wieder eingesehen werden. Und das, obwohl die Datenschutzbestimmungen von Nuance Communications nachträglich geändert werden können.

In den USA gibt es seit 1998 ein Gesetz unter dem Namen "Children's Online Privacy Protection Act" (COPPA). Dieses verlangt unter anderem, dass Unternehmen, die Daten von Kindern sammeln, dafür die Zustimmung der Eltern brauchen. Und sieht vor, dass Daten nicht an eine dritte Partei versendet werden dürfen.

Auch europäische Verbraucherschützer warnen nun vor den beiden Spielzeugen. Denn neben den unklaren Datenschutzbestimmungen kommt als noch gravierenderer Mangel dazu, dass sich via "Cayla" im Prinzip jedweder fremde Dritte mit den Kindern unterhalten kann. Ohne größeren technischen Aufwand.