Umfrage: Die meisten Russen sind für unabhängige Ukraine - aber gute Nachbarschaft

Umfrage: Die meisten Russen sind für unabhängige Ukraine - aber gute Nachbarschaft
Entgegen der Darstellung westlicher Mainstreammedien wünscht die Mehrheit der Russen keine Fremdbestimmung der Ukraine durch Moskau. Andererseits gibt es aber auch wenig Verständnis für eine russlandfeindliche Konfrontationspolitik vonseiten Kiews.
Einer Umfrage von Lewada zufolge befürwortet die übergroße Mehrheit der Russen eine unabhängige Ukraine. Allerdings legen die Befragten auch Wert auf gutnachbarschaftliche Beziehungen. Mit einer Besserung der Situation rechnen derzeit aber nur wenige.

Das unabhängige Meinungsforschungsinstitut "Lewada-Zentrum" veröffentlichte jüngst die Ergebnisse seiner November-Umfrage vom November. Deren Ergebnissen zufolge waren 63 Prozent der Befragten der Meinung, dass die Ukraine eine unabhängige Nation bleiben muss, und dass die Beziehungen zu ihr sowohl freundschaftlich als auch für beide Seiten von Vorteil sein sollen. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete diese Einstellung ein Plus von acht Prozentpunkten.

Etwa 27 Prozent der Befragten – der gleiche Anteil wie im Jahr 2015 – äußerte, dass es besser wäre, würde Russland eine wirtschaftliche und politische Kontrolle über die Ukraine herstellt. Die verbliebenen zehn Prozent enthielten sich bzw. verweigerten eine direkte Antwort.

Screenshot aus dem Video vom Flashmob in Zaporozhje vom 13. November 2016.

In der russischen Öffentlichkeit sind der Umfrage zufolge zudem 64 Prozent der Meinung, dass die Wiedervereinigung mit der Autonomen Republik Krim ihrem Land mehr Gutes als Schlechtes gebracht hat, während 19 Prozent die entgegengesetzte Meinung vertreten. Achtzehn Prozent der Befragten konnten keine eindeutige Antwort auf die Frage abgeben.

Das Interesse der Russen an der Situation in der Ukraine insgesamt nimmt jedoch allmählich ab. Der aktuelle Anteil der Befragten, die in der Lewada-Umfrage angaben, dass sie die Ereignisse in der Ukraine verfolgen, betrug in diesem Jahr 73 Prozent. Im Oktober waren es noch 78 Prozent und im Januar gar 81 Prozent der Befragten gewesen. Die derzeitige Situation im Nachbarland bezeichneten ca. 66 Prozent der Russen als "angespannt" und etwa 16 Prozent als "kritisch". Etwa neun Prozent der Befragten behaupten hingegen, dass die Situation in der Ukraine ruhig und normal sei.

Im Juni dieses Jahres hatte Lewada eine ähnliche Umfrage durchgeführt. Dabei hatten 48 Prozent der Russen gesagt, dass sie die Ukraine als eine Russland gegenüber feindselig eingestellte Nationen betrachten. Die Vereinigten Staaten führten die Liste der als russlandfeindlich betrachteten Länder mit 72 Prozent an, die Türkei lag mit 29 Prozent auf Platz drei.

Dabei ist jedoch anzumerken, dass die Forscher den Befragten freistellten, bei ihrer Antwort mehrere Staaten zu nennen. Auf die Frage um die eigenen negativen Gefühle gegenüber fremden Nationen antworteten 70 Prozent, dass ihnen die USA am meisten missfallen, 62 Prozent ordneten diese Rolle der Europäischen Union zu und 63 Prozent gestanden negative Gefühle gegenüber der Ukraine ein.

Zu Beginn des Jahres 2015 schätzten 26 Prozent der Russen die Wahrscheinlichkeit eines verheerenden Krieges zwischen Russland und der Ukraine als sehr hoch ein. Dreiunddreißig Prozent der Befragten sagten, die Wahrscheinlichkeit einer solchen Entwicklungen sei sehr gering, während 21 Prozent angaben, dass ein solches Szenario völlig unmöglich wäre.

ForumVostok