75 Jahre nach Pearl Harbor: Historischer Besuch des japanischen Premierministers in den USA

75 Jahre nach Pearl Harbor: Historischer Besuch des japanischen Premierministers in den USA
Mit Pearl Harbor begann der amerikanische Einzug in den Zweiten Weltkrieg. Laut Verschwörungstheorien wussten die Amerikaner von dem Angriff und nutzten sie um beim Volk für den Krieg zu werben. Nach Obamas Besuch in Hiroshima plant der japanische Premierminister nun zum Gedenken an Pearl Harbor einen Besuch in den USA.

von Olga Banach

Am 7. Dezember jährt sich der Angriff auf Pearl Harbor. 75 Jahre sind vergangen, seit 353 japanische Kampfflugzeuge im Jahr 1941 die US-Kriegsflotte auf der hawaiianischen Insel Oahu attackierten, dem 2.300 US-Soldaten zum Opfer fielen. Pearl Harbor läutete den Einzug der Amerikaner in den Zweiten Weltkrieg ein. Im Dezember wird der japanische Premierminister Shinzo Abe Pearl Harbor einen historischen Besuch abstatten.

Japan will nicht mehr für US-Militärs zahlen

Diesem ging mit Barack Obama erstmals die Anwesenheit eines amerikanischen Präsidenten beim Gedenken an die Opfer des amerikanischen Atombombenabwurfs auf Hiroshima und Nagasaki voraus. In seiner Rede sprach sich Obama erneut für eine Welt ohne Nuklearwaffen aus. Eine Entschuldigung der Amerikaner gegenüber Japan blieb jedoch aus.

Möchte man den Verschwörungstheorien Glauben schenken, so wussten die Amerikaner damals von den Angriffsplänen der Japaner. Anstatt einzuschreiten nutzten sie den Angriff gezielt, um die Bevölkerung auf einen Kriegseintritt einzustimmen. Die Amerikaner hatten mit Argwohn den Größenwahn der Japaner beobachtet. Anfang der 1930er Jahre waren die Japaner bis in die Mandschurei und in das chinesische Reich eingedrungen. Das Kaiserreich Japan war auf dem Weg, eine Weltmacht zu werden und Südostasien zu beherrschen.

Dies hätte dazu geführt, dass Japan an die Ölreserven der Region gelangt wäre. Die Amerikaner reagierten 1940 mit einem Handelsembargo und versuchten Japan wirtschaftlich zu isolieren. Von dieser wirtschaftspolitischen Technik wird bis heute Gebrauch gemacht. Damals waren es Flugzeuge, Flugzeugteile und Öl, die nun nicht mehr nach Japan geliefert wurden. Die Japaner versuchten mit den Amerikanern zu verhandeln. Doch die Diplomatie erschöpfte sich. Alle Zeichen standen auf Krieg.

Die Möglichkeit eines Krieges zwischen den Amerikanern und Japan bestand schon lange.  Der damals amtierende amerikanische Präsident Roosvelt nannte den Tag des Pearl-Harbor-Angriffes einen „Tag, der in Infamie leben wird“. Die Japaner hatten eine Nachricht über den Angriff an die japanische Botschaft in den USA verschickt. Diese soll aber zu spät eingetroffen sein. Der Angriff hatte da bereits stattgefunden. Die ursprünglich in San Diego stationierte Flotte wurde nach Hawaii verlegt, um dem japanischen Aggressor besser zu begegnen können. 

Die amerikanische Antwort gab es am 6. und 9. August 1945 mit zwei Atombomben auf Nagasaki und Hiroshima. Wieviele Todesopfer die Bomben gefordert haben, darüber gibt es keine genauen Angaben, da viele an den Folgen der Strahlungen verstorben sind. „Hibakusha“ werden diejenigen genannt, die das große Feuer überlebten. Ein Stigmata in der japanischen Gesellschaft. Sachiko eine Überlebende aus Hiroshima, die zu einer „Hibakusha“ wurde, träumt noch heute von einer Welt ohne Nuklearwaffen.

Als die Bombe auf ihre Heimatstadt fiel, spielte ihr kleiner Bruder vor dem elterlichen Haus. Es war ein warmer Sommertag im August und er freute sich, am Himmel ein Flugzeug zu sehen. Er wusste nicht, dass das Flugzeug eine todbringende Bombe namens „Little Boy“ an Bord hatte.

Ein Loch in seiner Brust führte zu seinem schnellen Tod und auch Sachikos hochschwangere Schwester musste sie mit bloßen Händen begraben. Die amerikanische Presse vermeldete zunächst, es gäbe keine Strahlung in Hiroshima und Nagasaki. Da Sachiko es als weibliche „Hibakusha“ schwer gehabt hätte, einen Mann zu finden - man fürchtete missgebildete Kinder und Krebserkrankungen - wurde sie katholische Nonne, um anderen zu helfen. Die letzten Hibakusha sind heute 80 Jahre alt.

Die Veteranen des amerikanischen Militärs und die Hibakusha sehen dem Besuch Abes mit gemischten Gefühlen entgegen. Es sei zu spät und selbst heute gibt es auf keinen Seiten der Parteien das Bedürfnis einer Entschuldigung. Einige sehen den geplanten Besuch Abes als eine symbolische Geste, da nach der Wahl Trumps eine Distanzierung zwischen Japan und den USA befürchtet wird. Kuniyoshi Takimoto, der damals den Angriff auf Pearl Harbor flog, meint, Abe versuche nur Popularitätspunkte in den USA zu holen:

„Japan gleicht einem Land unter amerikanischer Führung. Und der Premierminister hofft, die Beziehungen eng zu halten.“ 

Japan steht unangefochten an der Spitze in Bezug auf die Zahl der Stationierung amerikanischer Soldaten außerhalb des Heimatlandes. 65.000 sind es heute davon rund 30.000 auf Okinawa. Auf Okinawa kommt es immer wieder zu Protesten gegen die US-Stützpunkte und die fehlende Moral der US-Soldaten. 

Trump hatte angekündigt, dass alliierte Länder, die US-Stützpunkte beherbergen, mehr für die amerikanische Unterstützung zahlen müssten. Japan gab an, dass es nicht bereit ist, weitere Ausgaben für die amerikanische Militärpräsenz hinzunehmen.

Shinzo Abe wird gemeinsam mit Barack Obama die Kriegsstätte besuchen. Abe sagte zu seinem geplanten Besuch:

„Es ist ein Besuch im Gedenken an die Opfer. Wir sollten den Horror des Krieges nicht wiederholen.“ 

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