Obamas Besuch in Athen – wirklich nur der Schulden wegen?

Obamas Besuch in Athen – wirklich nur der Schulden wegen?
US-Präsident Barak Obama hält am 16. November eine Rede in Athen.
Der scheidende Barack Obama hat als vierter US-Präsident Griechenland besucht. Anlass der Reise waren angeblich Gespräche über die Schulden des Landes. Warum jedoch gerade zu diesem Zeitpunkt – eine Woche nach der Wahl Donald Trumps zum zukünftigen Präsidenten?

Der Besuch Barack Obamas in letzter Minute hat eine besondere Bedeutung, da der US-amerikanische Präsident dadurch seine Unterstützung für den NATO-Partner beweisen wollte. Er könnte gar als einer der wichtigen Momente in der politischen Geschichte Griechenlands eingehen. Die Staatsbesuche von Obamas Vorgängern erfolgten ebenfalls zu besonderen Anlässen.

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras, Brüssel, Belgien, 11. Juni 2015.

So besuchte Dwight Eisenhower Griechenland im Jahre 1959 – auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, als auch Indien und Pakistan vor einem nuklearen Krieg standen und weltweit Konflikte ausgetragen wurden.

George W. Bush reiste 1991 nach Athen, bevor er in die Türkei flog, um im Konflikt zwischen den Nachbarländern zu vermitteln. Dabei verärgerte er die Griechen, als er sagte, die Invasion der Türken auf Zypern sei nicht mit der Saddam Husseins in Kuwait vergleichbar.

Im Jahr 1999 kam Bill Clinton in ein relativ antiamerikanisches Griechenland, in dem die Menschen gegen den NATO-Partner USA demonstrierten. Es war weder ein friedlicher noch ein einfacher Besuch Clintons, der den Partnerstaat Griechenland beschwichtigen musste, weil die NATO kurz zuvor das Nachbarland Jugoslawien bzw. Serbien bombardiert hatte.

Auch bei dem jüngsten Besuch Obamas scheint es aus amerikanischer Sicht primär um NATO- und Energiefragen zu gehen. Auf der einen Seite versuchen die USA, die Abhängigkeit Griechenlands von russischem Gas zu reduzieren und den Transfer von US-Erdgas nach in die Hellenische Republik zu gewährleisten. Auf der anderen Seite werden die NATO-Streitkräfte in der Ägäis, die zur Festigung der Seegrenzen zwischen der Türkei und Griechenland beitragen, wahrscheinlich dauerhaft bleiben, so dass sie als Abschreckung für die russischen Truppen im östlichen Mittelmeerraum dienen.

So erklärte Obama:

Wir erörterten die Notwendigkeit des Austauschs von nachrichtendienstlichen Informationen, die helfen, Terroranschläge zu verhindern, sowie die Bedeutung der Erhaltung von Sanktionen, einschließlich der EU-Sanktionen gegen Russland, solange es die Minsker Abkommen nicht vollständig erfüllt.

Rumen Radew, Präsidentschaftskandidat der Sozialistischen Partei Bulgariens, bei der Stimmabgabe in Sofia.

Offensichtlich will der US-Präsident die Region vor einem möglichen russischen Einfluss schützen. Spätestens nach der Wahl der „pro-russischen“ Präsidenten in Bulgarien und Moldawien klingeln bei den Amerikanern offenbar die Alarmglocken.

Nicht vergessen werden sollte: die mittlerweile besser gewordenen Beziehungen zwischen Griechenland und Bulgarien sind das Werk der USA. Washington übte Druck auf die bulgarische Seite aus, damit diese sich auf Griechenland zubewegt. Barack Obama besuchte die Griechen unter dem Vorwand der Schulden. Der wahre Grund dürfte jedoch die Angst davor gewesen sein, den Einfluss auf eine Region zu verlieren, die sich mittlerweile auch um Kooperationen in der Region umsieht. Das hoch verschuldete Griechenland findet sich so in einer geopolitischen Schlüsselrolle wieder.

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