Geopolitisches Chaos: Türkei führt anlässlich Mossul-Offensive einen Krieg im Irak

Geopolitisches Chaos: Türkei führt anlässlich Mossul-Offensive einen Krieg im Irak
Ein Peschmerga-Kämpfer während eines Gefechts mit dem IS in der Nähe von Mossul, Irak; 24. Oktober 2016.
Die irakische Regierung verbittet sich ausdrücklich jede Intervention. Die Türkei marschiert trotzdem in kurdisch bewohntes Gebiet im Irak ein. Angeblich auf Wunsch der Peschmerga, wie es aus Ankara heißt.

Man kann dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan viel vorwerfen, aber eines sicher nicht: Dass bei ihm auf Worte keine Taten folgen würden. Anfang letzter Woche äußerte sich Erdoğan verärgert darüber, dass der Irak türkische Streitkräfte zur Unterstützung der Offensive auf Mossul abgelehnt hat. Erdoğan begründete seinen Unmut mit markigen Worten:

Sie sagen, wir sollten uns aus Mossul heraushalten. Warum sollten wir? Wir haben eine 350 Kilometer lange Grenze mit dem Irak. Da tummeln sich Leute, die nichts mit der Region zu tun haben, nur weil Bagdad sie angeblich gebeten hat, zu kommen. Hat Saddam Hussein sie vor 14 Jahren auch eingeladen? Sie kamen trotzdem.

Es dauerte anschließend nur wenige Tage, bis die ersten Meldungen über türkische Angriffe auf Stellungen des Islamischen Staates (IS) publik wurden. "Wir liefern Unterstützung mit Artillerie, Panzern und Haubitzen", ließ der türkische Ministerpräsident Binali Yıldırım verlauten. Die türkischen Truppen in Baschika seien von kurdischen Peschmerga-Kämpfern um Unterstützung gebeten worden, erklärte der Ministerpräsident weiter.

Seit 1992 sind nach türkischen Angaben bis zu 700 Soldaten im Norden des Iraks stationiert. Die Präsenz diente zuallererst dem Kampf gegen die PKK. Schon die Anwesenheit türkischer Truppen auf irakischem Boden als solche hat wiederholt für Verstimmungen zwischen Bagdad und Ankara gesorgt. Die irakische Regierung sieht darin eine Besetzung. Die Beteiligung der Türkei an der Offensive auf Mossul belastet die Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern nun zusätzlich.

Schon vor dem Eingreifen der Türkei hatte der irakische Premierminister Haider al-Abadi deutliche Worte an die Adresse der Türkei gerichtet, indem er einen "regionalen Krieg" für den Fall androhte, dass die Türkei ihre Truppen nicht sofort abziehen. Ankara schien diese Drohung indes nur bedingt zu beeindrucken.

Kurdische Volksverteidigungseinheiten:

Das große Interesse der Türkei hinsichtlich einer Beteiligung an der Offensive auf Mossul hat seine Gründe. Es geht ihr vor allem um die PKK und die schiitische Volkswehr. Yıldırım ließ in einem Statement für den TV-Sender NTV keine Zweifel an der Bereitschaft der Türkei aufkommen, beim Sturm auf die Großstadt aktiv einzugreifen:

Im Notfall werden wir Maßnahmen ergreifen. Wir sind dazu bereit, da die Versprechungen der USA und des Irak, dass die schiitische Volkswehr und die Arbeiterpartei Kurdistans nicht an der Militäroperation in Mossul teilnehmen werden, uns nicht genügen", sagte er.

Es mag auf den ersten Blick verwirren, dass die Türkei, die in Syrien kurdische Stellungen bombardiert, im Irak wiederum mit kurdischen Verbänden zusammenarbeitet. Doch es ist kein Geheimnis, dass die Regierung der Kurdischen Autonomieregion im Nordirak und die türkische Regierungspartei AKP gut miteinander können. Hinzu kommen zeitweilige Rivalitäten zwischen den Peschmerga und der PKK.

Unklar bleibt bis jetzt die Position der USA. Die amerikanische Regierung begrüßt zwar grundsätzlich eine Beteiligung der Türkei am Kampf gegen den IS, aber nicht gegen den Willen des Iraks.

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