Saudi-Arabien unter den Großabnehmern des IS-Handels mit Sexsklavinnen

In den vom IS kontrollierten Gebieten haben Frauen keinerlei Rechte.
In den vom IS kontrollierten Gebieten haben Frauen keinerlei Rechte.
Irakische Einheiten haben auf dem Mobiltelefon eines getöteten IS-Terroristen Belege dafür gefunden, dass die Dschihadisten hohe Einkünfte aus dem Handel von Sexsklavinnen in Richtung Saudi-Arabien generieren.

Im Vorfeld des am Montag begonnenen Sturms der Anti-IS-Koalitionstruppen auf die von der Terrormiliz gehaltene irakische Großstadt Mosul entdeckten Mitglieder der "Irakischen Volksmobilisierungseinheiten" verstörende Dokumente über den Menschenhandel aufseiten der Extremisten. Dies berichtet die britische Tageszeitung "The Sun".

Die unter dem Befehl des irakischen Innenministeriums stehenden Einheiten haben auf dem Mobiltelefon eines in der Stadt asch-Schirqat getöteten IS-Kämpfers "erschreckende Bilder" von einer Sexsklavinnen-Auktion entdeckt. Offenbar sind bei solchen Verkaufsaktionen auch Käufer aus Saudi-Arabien prominent vertreten.

Die Golfmonarchie zählt sich offiziell zu jenen Staaten, die Teil der US-geführten Koalition gegen den IS sind. Auf der anderen Seite verbreiten Medien zahlreicher Länder seit Jahren Berichte darüber, wie Saudi-Arabien auf internationaler Ebene aktiv den islamistischen Terrorismus fördert und zu dessen Akteuren ein auffälliges Naheverhältnis aufweist. Zudem prangern Menschenrechtsorganisation Zustände in der Golfmonarchie an, die an die Praktiken erinnern, welche auch in den von Terrorgruppen wie IS oder al-Nusra kontrollierten Territorien Syriens und des Irak vorherrschen. So seien Folter, Körperstrafen und brutale Hinrichtungen auch dort an der Tagesordnung.

Die jüngsten Entdeckungen der irakischen "Volksmobilisierungseinheiten" und die Aussagen betroffener Frauen, die aus den Fängen der Terroristen befreit werden konnten, deuten ebenfalls auf ein ambivalentes Verhältnis zwischen den Saudis und den bewaffneten Dschihadisten im Irak und in Syrien hin.

Ein Sprecher der irakischen Regierungseinheiten erklärte gegenüber Sun online:

Unser Untersuchungsbeamter war bestürzt über eine Reihe von Bildern, die eine offenbar jesidische Frau aus dem Irak zeigen, die als Sexsklavin verschleppt wurde.

Die Bilder zeigen eine Auktion, die offenbar auf saudischem Boden stattgefunden hat, sowie sexuell anzügliche Aufnahmen des getöteten Kämpfers und der Frau aus einem Hotel. Der Terrorist habe dem Fotomaterial zufolge "einen langen Zeitraum" mit der Frau verbracht.

Wir hoffen, wir können sie und alle irakischen Frauen befreien, die innerhalb und außerhalb des Irak als Sexsklavinnen genommen wurden und denen ihre elementarsten Menschenrechte verweigert werden", betonte der Sprecher weiter. "Wir können das als eine Einheit, die sich der Verteidigung der irakischen Bürger verschrieben hat, nicht dulden."

Eine 18-jährige frühere Sexsklavin des IS, die es geschafft hatte, aus ihrer Gefangenschaft zu entkommen, beschrieb jüngst, wie sie im Rahmen einer internationalen Auktion verkauft worden war. Die "India Times" und mehrere weitere internationale Medien berichteten über den Fall. Unter den Interessenten, die daran teilgenommen hatten, waren ihrer Aussage nach nicht nur Iraker und Syrer, sondern auch unbekannte "Bürger westlicher Staaten" beteiligt.

Die gefragtesten Mädchen seien an Kunden aus den Golfmonarchien verkauft worden. Die Zeugin habe, als sie ihren "Besitzer" belauschte, auch Informationen über die Organisation des grenzüberschreitenden Menschenhandels aufschnappen können.

Ein Mann kann nicht mehr als drei Frauen kaufen, es sei denn, er kommt aus Syrien, der Türkei oder einem Golfstaat.

Der Geschäftspartner des mutmaßlichen Menschenhändlers erklärte dies mit dem Kosten-/Nutzen-Kalkül:

Ein Käufer aus Saudi-Arabien hat Transport- und Verpflegungskosten, die bei einem Mitglied des Islamischen Staates nicht anfallen. Er muss eine höhere Quote herausschlagen, damit seine Käufe profitabel bleiben.

Der IS ist stets sehr offen mit seiner Praxis umgegangen, Mädchen als Sexsklavinnen zu verkaufen – zahlreiche von ihnen unter 18 Jahren. Hauptsächlich waren davon Angehörige anderer Glaubensrichtungen betroffen, schwerpunktmäßig Angehörige der jesidischen Volksgruppe, einer ethnischen und religiösen Minderheit im Irak. Der IS versklavte vor allem Frauen aus Territorien, die er im Zuge seines Vormarsches, der im Frühjahr 2014 begann, erobert hatte.

Im Jahr 2015 haben die "staatseigenen" Religionsexperten des IS ein detailliertes Regelwerk vorgestellt, in dem genaue Vorgaben enthalten sind, wann es den "Eigentümern" der versklavten Frauen erlaubt sei, mit diesen Geschlechtsverkehr zu haben. Es gibt sogar eine eigene Abteilung des IS, die zuständig ist für die "Verwaltung" der Sexsklaverei.

Im Juli sollen dschihadistische Extremisten offen Sexsklavinnen auf Facebook angepriesen haben. In arabischer Sprache hieß es:

Jungfrau, schön, 12 Jahre alt… Ihr derzeitiger Preis liegt bei 12.500 US-Dollar und bald wird der Zuschlag erteilt.

Ohne Unterstützung aus Saudi-Arabien und Katar wäre der terroristische Aufstand in Syrien längst beendet. WikiLeaks beweist nun, dass selbst US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton dieser Aspekt bewusst ist.

Sexsklavinnen wurden auch als Preis ausgelobt für die Sieger von Wettbewerben, in denen es um den auswendigen Vortrag des Koran ging. Angaben von Aktivisten und NGOs zufolge soll die Terrormiliz IS derzeit noch insgesamt 3.000 Frauen und Mädchen als Sexsklavinnen halten. Frauen, die sich dem Sklavenhandel verweigern, werden getötet.

Auch abseits des IS-Sklavenhandels sind Golfmonarchien wie Saudi-Arabien oder Katar bereits mehrfach in den Fokus medialer Berichterstattung über den willkürlichen Umgang mit der sexuellen Selbstbestimmung ausländischer Frauen geraten. So soll es in saudi-arabischen Haushalten seit Jahren zu systematischen Übergriffen gegen Hausangestellte aus ostasiatischen Ländern wie Indonesien oder Sri Lanka gekommen sein.

Aus diesem Grund hat die indonesische Regierung 2015 eine Gesetzesinitiative eingebracht, deren Ziel es ist, die Vermittlung indonesischer Frauen zur Gastarbeit in die Golfstaaten zu untersagen. Offenbar hat der IS hier bereits ein Marktlücke erblickt.