Weil RT am schnellsten berichtete: Verschwörungstheorien um angebliche Konspiration mit WikiLeaks

Eifrige Recherche im Newsroom von RT International.
Eifrige Recherche im Newsroom von RT International.
Dass RT die Veröffentlichung neuer E-Mails des Hillary-Vertrauten John Podesta durch WikiLeaks am Donnerstag besonders schnell und sogar noch vor der Enthüllungsplattform selbst meldete, ließ einige Personen in Clintons Umfeld zum Aluhut greifen.

Die Clinton-Unterstützer sehen die frühe Veröffentlichung als Beleg für eine konspirative Zusammenarbeit zwischen dem Nachrichtensender und der Leakingplattform.

Mit einer Eilmeldung wies RT International am gestrigen Donnerstag auf einen neuen Satz E-Mails hin, die vom offenbar gehackten Server des Clinton-Vertrauten John Podesta stammen. Vergangenen Freitag hatte die Whistleblower-Plattform WikiLeaks damit begonnen, die erlangten Dokumente zu veröffentlichen und liefert seither immer neue Enthüllungen.

In den Redaktionsbüros von RT steht dieses Thema weit oben auf der Agenda, zumal sich auch dessen Publikum überdurchschnittlich stark dafür interessiert. Kein Wunder also, dass RT-Journalisten täglich die geleakten E-Mail-Archive durchforsten und nachrecherchieren. Bei einer dieser Recherchen stieß RT auf ein neues Leak und meldete den Dokumentenfund, noch bevor WikiLeaks selbst über Twitter die Enthüllungen bekannt gab.

Kurz darauf meldete auch WikiLeaks die Veröffentlichung über den Kurznachrichtendienst:

Obwohl das Leak auf der WikiLeaks-Webseite zu dem Zeitpunkt, als RT berichtete, bereits öffentlich zugänglich war, witterten einige Unterstützer Hillary Clintons eine Verschwörung zwischen WikiLeaks und Russland. Zuerst verbreitete Christopher Miller, Journalist des staatlich finanzierten US-Senders Radio Free Europe/Radio Liberty diese Anschuldigung. RT habe die Mails bereits vor Wikileaks veröffentlicht, so Miller. Der Tweet verbreitete sich tausendfach.

Hillary Clintons Pressesprecher Brian Fallon griff die Unterstellung freudig auf und fügte die Anschuldigung hinzu, WikiLeaks und Russland wollten gemeinsam Clintons Konkurrent im Präsidentschaftsrennen, Donald J. Trump, einen Dienst erweisen:

WikiLeaks musste anschließend selbst die Unterstellungen dementieren und klarstellen, dass die E-Mails für RT zum gleichen Zeitpunkt zugänglich waren wie für alle anderen Medien auch. Diese haben die Dokumente jedoch, wie es aussieht, schlicht nicht entdeckt oder waren nur mäßig an den Enthüllungen interessiert. RT hat daraufhin Brian Fallon gefragt, ob er sich zu den von ihm erhobenen Vorwürfen vor diesem Hintergrund noch einmal äußern will. Eine Antwort auf die Anfrage erreichte die Redaktion bis dato nicht.

Wie dem auch sei: Hinter der prompten Meldung über die Leaks vom Donnerstag steckte also mitnichten eine Verschwörung, sondern lediglich guter Journalismus.