Russlands Botschafter in USA: "Sie verstärken den Druck, aber diese Strategie klappt nicht mit uns"

Sergej Kisljak, Russlands Botschafter in den USA.
Sergej Kisljak, Russlands Botschafter in den USA.
Der Botschafter der Russischen Föderation in den USA, Sergei Kisljak, hält die Gefahr einer kriegerischen Eskalation zwischen den beiden Großmächten für gering. Das bilaterale Verhältnis sei jedoch so schlecht wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr.

Russlands Botschafter in den USA, Sergej Kisljak, findet, dass das aktuelle Niveau der russisch-amerikanischen Beziehungen so schlecht ist wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr. Obwohl momentan kein Risiko eines Atomkrieges bestehe, setze die antirussische Rhetorik in den USA den bilateralen Beziehungen stark zu. Moskau sei zu einem Dialog mit Washington bereit, wenn dieser auf gleicher Augenhöhe stattfinde.

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Bei seinem Auftritt an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore erklärte der russische Botschafter in den USA, Sergei Kisljak, dass politische und wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland kein wirksames Mittel seien, um strittige Probleme zu lösen.      

Die USA und Russland führen keinen ideologischen Kampf. Dennoch entwickeln sich die Beziehungen im Vergleich zu den vergangenen fünf Jahren in eine falsche Richtung. Wir haben viele Bereiche wie zum Beispiel Wissenschaft und Kosmos, in denen wir zusammenarbeiten müssen. Doch diese Kooperation wird allmählich Vergangenheit. Der Druck auf Russland nimmt zu, aber bei den Russen schlägt das nicht an. Und die Sanktionen erst recht nicht", erklärte der Diplomat.

Wahlkampf in den USA

Sergei Kisljak zufolge verfolge Russland den Wahlkampf in den USA sehr genau, jedoch ohne sich einzumischen. Der Botschafter wollte seine Meinung über die beiden Präsidentschaftskandidaten deshalb auch nicht äußern, um nicht in die Wahlkampagne einzugreifen. Gleichzeitig stellte Sergej Kisljak fest, dass die antirussische Rhetorik, auf die man während des Wahlkampfes zurückgreift, dem bilateralen Verhältnis einen "Kollateralschaden" zufüge. Dabei betonte der Diplomat, dass der Kreml immer bereit sei, mit dem Weißen Haus auf gleicher Augenhöhe zu sprechen.

Atomwaffenkrieg

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Der russische Diplomat schloss die Gefahr eines Atomwaffenkrieges zwischen der Russischen Föderation und den Vereinigten Staaten aus. Man werde keine solche Zuspitzung der bilateralen Beziehungen zulassen.

Ich teile nicht die Ansichten, wonach das Risiko eines Atomwaffenkrieges heute hoch wäre. Trotz aller Differenzen gibt es meines Erachtens genug vernünftige Menschen in unseren Ländern, die das nicht zulassen werden", meinte Sergei Kisljak.      

Ihm zufolge suche Russland zwar keine Konfrontation mit den USA, behalte sich dennoch das Recht vor, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, sollte es seine Interessen verletzt sehen. Obwohl das russisch-amerikanische Verhältnis wohl nie absolut rosig gewesen sei, gebe es heutzutage so viele Reibungen wie seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr. Schuld daran seien nach der Meinung von Sergei Kisljak nicht zuletzt die NATO-Staaten, die mit ihren Handlungen die Sicherheit in Europa unterminieren.      

Momentan befinden sich die bilateralen Beziehungen nicht im besten Zustand, um nicht zu sagen auf dem tiefsten Punkt seit dem Ende des Kalten Krieges", stellte der Diplomat fest.

Syrien

Der Mythos lebt: Auch Englands Außenminister Boris Johnson wiederholte jüngst die durch keinerlei Evidenz gestützte Darstellung, Russland sei für den Angriff auf einen Un-Hilfskonvoi nahe Aleppo im September verantwortlich gewesen.

Der Kampf gegen die Terrormilizen und der politische Friedensprozess in Syrien müssen unter allen Umständen und ohne unnötigen Aufschub fortgesetzt werden, betonte Kisljak. Auf diese Weise kommentierte der russische Botschafter in den USA die Worte des UN-Sondergesandten für Syrien, Staffan de Mistura, wonach sich das "Zeitfenster" für den politischen Wandel im Bürgerkriegsland allmählich schließe. Sergej Kisljak betonte, dass Russland bereit sei, mit der syrischen Opposition zu verhandeln, obwohl dieser Prozess alles andere als leicht und schnell sei. Zugleich schloss der Diplomat die Einführung einer Flugverbotszone über Syrien aus.    

Das ist eine hypothetische Frage, die ich nicht erörtern will. Denn es gibt viele Ideen, die absolut realitätsfremd sind", erklärte der Botschafter.