China: Neue Quanten-Radare machen US-Tarnkappen-Technologie nutzlos

Das US-Tarnkappen-Mehrzweckkampfflugzeug F-35.
Das US-Tarnkappen-Mehrzweckkampfflugzeug F-35.
Neue Entwicklungen in der Anti-Stealth-Forschung des für Rüstungsagenden zuständigen Instituts der China Electronics Technology Group Corporation könnten auf dem Wege der Photonen-Spaltung aufwendige US-amerikanische Tarntechnologien nutzlos machen.

Wie ein klassisches Radar funktioniert, ist allgemein verständlich: Es sendet seine Wellen auf bestimmten Frequenzen aus. Treffen diese auf ein Hindernis, werden sie reflektiert und zurückgeworfen. Das Radargerät misst sodann die Reflexionen dieser eigenen Wellen.

Die Funktionsweise der so genannten Quanten-Radare lässt hingegen an Science-Fiction-Filme denken. Hier führt man eine Spaltung von Photonen herbei. Die aufgespaltenen Photon-Teilchen stehen untereinander in einer Beziehung, sodass man anhand eines Teilchens selbst bei räumlicher Trennung die Zustände des zweiten Teilchens ablesen kann. Der Raum zwischen beiden Teilchen wird damit überwunden.

In der Praxis wird ein Teilchen in den Raum geschossen, das Zwillings-Teilchen verbleibt in dem Gerät. An diesem können die Zustände des frei gelassenen gleichen Teilchens abgemessen werden. Dabei bemerkt das "gefangene" Teilchen auch die Begegnung mit einem Objekt, wie etwa einem für herkömmliche Radare unsichtbaren Militärjet.

Die Global Times gibt nun an, ein Institut der China Electronics Technology Group Corporation (CETC) habe ein solches Gerät entwickelt. Es ist natürlich denkbar, dass die chinesischen Staatsmedien diesbezüglich etwas voreilig Erfolge feiern. Falls die Meldung zutrifft, handelt es sich jedoch um einen Prototypen eines bereits einsatzfähigen Systems. Die Reichweite wird zunächst mit 100 Kilometern angegeben. Dies würde aber schon all jene Skeptiker überraschen, die meinen, der chinesischen Rüstungsindustrie fehle es an der Grundlageforschung.

Barack Obama bei einem Treffen mit der Young Southeast Asian Leaders Initiative in Ho Chi Minh Stadt, Vietnam, Mai 2016.
In den letzten Jahren gelang es dem Weißen Haus, zahlreiche Militärverträge im pazifischen Raum abzuschließen, die einen klaren Gegner erkennen lassen.

Diese Entwicklung kann vor allem für die US-Rüstungsindustrie weitreichende Folgen haben. Vor allem wären die gesamte Stealth- und Tarntechnik für herkömmliche Radargeräte obsolet. Gegen Photonen sind die Schutz- und Tarnkappen nutzlos.

Hat dieser technologische Ansatz Erfolg, könnten China und Russland, das ebenso in der Anti-Stealth-Technik federführend ist, mittels darauf aufbauender Entwicklungen auf diesem Wege eine Reihe von US-Investitionen im Rüstungsbereich nutzlos machen.

Die Entwicklung der Quanten-Radare spiegelt die strategischen Grundzüge chinesischer Rüstungsvorhaben wider: Ihr Ziel ist es, mit vergleichsweise billigen Techniken die extrem teuren Rüstungsprojekte der USA zu neutralisieren. Damit ist der Krieg der Kassen von neuem ausgebrochen.