Live-Updates: Internationale Ermittlungsgruppe präsentiert Ergebnisse zum MH17-Absturz

Die internationale Ermittlungsgruppe zur MH17-Katastrophe (JIT) geht auf Grund des bislang ausgewerteten Materials davon aus, dass das BUK-Geschoss, das am 14. Juli 2014 das Flugzeug traf, von Rebellengebiet aus abgeschossen wurde.
Die internationale Ermittlungsgruppe zur MH17-Katastrophe (JIT) geht auf Grund des bislang ausgewerteten Materials davon aus, dass das BUK-Geschoss, das am 14. Juli 2014 das Flugzeug traf, von Rebellengebiet aus abgeschossen wurde.
Die internationale Ermittlungsgruppe JIT präsentiert die Ergebnisse ihrer Untersuchung zum Abschuss von MH17. Aus ihrer Sicht sind ostukrainische Rebellen und ein aus Russland stammendes BUK-System für den Abschuss der Maschine verantwortlich.

Über 102 Ermittler haben im Zuge der Untersuchung aktiv die Daten aus den sozialen Netzwerken verwendet, etwa eine halbe Million Videos analysiert, ungefähr 150.000 Telefongespräche bearbeitet und über 200 Aufenzeugen befragt, so der niederländische Staatsanwalt, Fred Westerbeke.

Der gesamten Ergebnisse der Ermittlungen werden zunächst nicht veröffentlicht, um eine Einflussnahme auf den Untersuchungsvorgang zu vermeiden, betonte Westerbeke weiter. Über den Hergang des Sachverhalts und die Schuldfrage wird endgültig ein Gericht entscheiden. Die Ermittler hätten die vorliegenden Beweismittel jedoch sehr sorgfältig behandelt.

Radar-Rohdaten aus der Almas-Antei-Gruppe sollen nun Aufschluss über die Ereignisse vom 17. Juli 2014 geben. Bild: Radaranlage Utjos-T.

Zwei Szenarien des Unfalls wurden ausgeschlossen: eine mögliche Panne und ein Terroranschlag. Die Untersuchung analysierte zwei weitere mögliche Szenarien: einen Angriff vom Boden aus oder aus der Luft.

Eine Attacke aus der Luft konnte auf Grund der Radardaten der Ukraine und Russlands ausgeschlossen werden. Auch die russischen Rohradardaten bestätigten, dass sich keine Flugzeuge neben der Boeing befunden hatten.

Abschusswaffe

Man analysierte zudem abgefangene Telefongespräche vom 16. und 17. Juli, in denen gesagt wird, dass ein BUK-System auf das von den Milizen kontrollierte Territorium transportiert worden wäre. Nach dem Abschuss sei das System zurück nach Russland gebracht worden, so JIT.

Die Ermittler untersuchten alle Überreste der Opfer und Wrackteile und fanden dabei zersplitterte Teile einer BUK-Rakete vom Typ 9M38. Sie führten ein Material-Experiment durch, um zu erfahren, wie derartige Raketen zerspringen. 

Es gibt laut JIT zahlreiche Beweise dafür, dass die Rakete aus dem Gebiet um Snizhne abgeschossen wurde. Zusätzliche Beweise haben die USA und die Internationale Weltraumorganisation (ESA) bereitgestellt.

Die JIT kam außerdem zu dem Schluss, dass die Rakete nicht von Zaroshchenske aus gestartet werden konnte. Dabei stützte man sich auf abgefangene Telefongespräche und Zeugenaussagen. Die Kommission prüfte zusätzlich die Gegend und fand keine Abschussspuren. Die Ermittler merkten an, dass auch dieses Territorium von Volksmilizen kontrolliert worden war.

Das Flugabewehrraketensystem BUK wurde aus Russland an den Ort gebracht, hieß es weiter. Der Konvoi sei in Donezk und auf den Straßen unweit der Stadt bemerkt worden.

Das BUK-System wurde mit einem weißen LKW der Marke Volvo transportiert, was die JIT mit Fotos belegt. In Snizhne wurde es abgeladen. Auf einem Video lasse sich erkennen, wie das BUK sich ohne Volvo bewegt. Nach dem Raketenstart wurde es wieder auf den Volvo-Transporter gestellt, der in weiterer Folge nach Krasnij Lutsch, Debalzewe und Lugansk fuhr. Nachdem das BUK in Luhansk angekommen war, kehrte es wieder nach Russland zurück und überquerte erfolgreich die Staatsgrenze, was auch mittels abgehörter Telefonate nachgewiesen werden könne.

Der Abschussort wurde durch Aussagen von Zeugen, die den Raketenstart gehört und die Auspuffschleife gesehen hatten, und durch Fotoaufnahmen bestimmt, auf denen die Folgen des Starts zu sehen sind. Drei authentische Fotos weisen übereinstimmend auf den genauen Abschussort bei Snizhne hin.

Das Telefon eines der Rebellen, dessen Gespräche abgefangen und analysiert wurden, befand sich unweit des Telefonfunkturms in der Siedlung Perwomaiskoje.

Die Behauptungen des russischen Verteidigungsministeriums, dass die Boeing von einer anderen Seite aus abgeschossen wurde, seien unkorrekt.

Ob die Beweise triftig sind, werde ein Gericht entscheiden, betonte Westerbeke nochmals.

Täter

In den Flugzeugabsturz waren etwa 100 Personen involviert, sagte der niederländische Staatsanwalt. Genauer wurden sie nicht beschrieben, um den Ermittlungsprozess nicht zu stören. Zurzeit geht es um Verdächtige und nicht um Beschuldigte, denn es ist bislang unklar, ob die BUK-Besatzung selbstständig oder auf Befehl gehandelt habe.

Die JIT wisse nicht genau, ob die Boeing absichtlich oder zufällig abgeschossen wurde. Aber in den analysierten Telefonaten nach der Katastrophe war jedoch nach Darstellung der Ermittler Erstaunen zu bemerken.

Obwohl die Ermittlungen bereits weit vorangeschritten sind, werden sie bis 2018 verlängert.

Auf die Frage, warum die Ermittlung so viel Zeit in Anspruch nimmt, antwortete Westerbeke, dass die JIT "ausschließlich die Informationen veröffentlicht hat, mit denen alle einverstanden sind, und nur diese allein". Es gäbe noch mehr Material, das weiter analysiert werden müsse. Die JIT verfüge über die nötigen Informationen, um die Ereignisse zu rekonstruieren.

Westerbeke zufolge behaupte man keine Schuld Russlands als Staat oder konkreter Menschen. Es sei auch noch zu früh, um von dem Gericht zu sprechen, das die Sache verhandeln wird, denn es bleibt bislang unklar, gegen wen der Vorwurf erhoben wird.

Die Angaben, die das russische Verteidigungsministerium Anfang der Woche präsentiert hat, liegen der JIT noch nicht vor. Die Daten von dem BUK-Hersteller Almas-Antej wurden ebenso nicht erwähnt, weil die JIT sie erst vor kurzem bekommen hat und sie erst aufmerksam analysieren muss. Die Qualität von anderen Beweisen lasse jedoch die Aussage zu, dass die Schlüsse der JIT überzeugend sind.

Die JIT hatte zudem, hieß es vonseiten der Ermittler, an Russland einige Anfragen geschickt, nicht alle davon wurden beantwortet. Z. B. wurden demnach die Rohradardaten der JIT immer noch nicht übergeben.

Auch die USA hatten den Ermittlern einige Dokumente bereitgestellt, die man vor Gericht benutzen könne. Das waren auch Angaben von der US-Luftabwehr.

Warum die Ukraine den Luftraum über Donezk nicht gesperrt hat, kommentierte die JIT nicht, weil es kein Gegenstand ihrer Ermittlung war.

Die Ermittlungsergebnisse auf der Webseite der niederländischen Staatsanwaltschaft lesen