MH17: Russischer Rüstungskonzern Almas-Antei übergibt Ermittlern Radardaten vom Juli 2014

Radar-Rohdaten aus der Almas-Antei-Gruppe sollen nun Aufschluss über die Ereignisse vom 17. Juli 2014 geben. Bild: Radaranlage Utjos-T.
Radar-Rohdaten aus der Almas-Antei-Gruppe sollen nun Aufschluss über die Ereignisse vom 17. Juli 2014 geben. Bild: Radaranlage Utjos-T.
Am Donnerstag teilte der Rüstungskonzern Almas-Antei mit, man habe auf Anfrage der Ermittler Rohdaten der Radarkontrolle übergeben, die Aufschluss über die Ereignisse vom 17. Juli 2014 geben könnten. Dies bestätigte Sprecher Igor Andreew.

Im Vorfeld der geplanten Veröffentlichung des Abschlussberichtes der niederländischen Untersuchungskommission in Sachen MH17 am 28. September verdichtet sich die Nachrichtenlage. Neben den Berichten des Militärspezialisten Michail Malyschewski und des Bloggerteams AntiBellingcat, die in den Tagen zuvor veröffentlich wurden, sollen dem russischen Ermittlungskomitee nun auch objektive Daten von Radarsystemen zur Verfügung gestellt werden. Die Bezug habenden Datenträger befanden sich bisher in einem Werk des Konzerns Almas-Antei, wo das Unternehmen sie aufbewahrt hatte.

Almas-Antei stellt Radaranlagen des Typs Utjos-T in seinem elektromechanischen Werk Lianosowo her. Die Anlage, aus der die Daten stammen, ist in Ust-Donezki unweit der ukrainischen Grenze stationiert. Auf Grund ihrer Reichweite von bis zu 360 Kilometern kann sie auch über die Geschehnisse auf dem Himmel über Donezk am 17. Juli 2014 Aufschluss geben.

Im Zuge einer planmäßigen Wartung wurden Ende Juli 2014 die Datenträger ausgewechselt, auf denen sich die aufgezeichneten Luftraumdaten befinden. Bis jetzt hat die Firmenleitung die Datenträger mit den Informationen vom Juli 2014 gemeinsam mit allen anderen zu Betriebszwecken im Werk Lianosowo aufbewahrt. In der Pressemitteilung des Konzerns vom 22. September heißt es:

Bis zum heutigen Moment wurden die sichergestellten Datenträger der Hauptprozessoren ausschließlich auf dem Werksgelände aufbewahrt, um die Kontrolle der Arbeit des Systems zu ermöglichen. Es sollten mögliche Störungen identifiziert und analysiert werden, um denkbaren Fehlern in der Arbeit des Komplexes vorbeugen zu können.

Die Werksspezialisten haben die auf dem Werksgelände aufbewahrten Archivinformationen zur Kontrolle der Radarsysteme geprüft. Dabei haben sie festgestellt, dass die Bestände Datenmaterial enthalten, das für die Ermittlungen zu den Ereignissen vom 17. Juli 2014 möglicherweise von Bedeutung sein könnte. Die Rede ist von so genannten primären Radardarstellungen des Luftraumes in unbearbeitetem Zustand."

Die Herausgabe solcher objektiver technischer Informationen kurz vor dem Schlussbericht des Ermittlungsteams kann neue Fragen aufwerfen. Diese werden sich vor allem den niederländischen Ermittlern stellen, die in Kürze ihren Abschlussbericht präsentieren wollten. Der Vertreter des Konzerns Almas-Antei, Igor Andreew, erklärte in einem Kurzinterview mit der russischen Zeitung "KP", dass man erst nach einem Ersuchen vonseiten des Russischen Ermittlungskommitees im Juli 2016 begonnen habe, die Suche nach gesammelten Daten aufzunehmen. Dieses Komitee richtete das Ersuchen auf Grund einer Anfrage vonseiten der Nationalen Staatsanwaltschaft der Niederlande vom Juni 2016 an den Konzern.

Der Sprecher des Russischen Ermilttlungskommitees, Wladimir Markin, klagte jedoch bereits mehrfach über fehlende Transparenz aufseiten der niederländischen Ermittler. Es sei nicht zum ersten Mal, dass die russische Seite Informationen an die offiziellen Ermittler übergeben hätte.

Die Niederländer halten uns jedoch darüber im Unklaren, wie sie mit diesen Informationen umgehen."

Das Mitglied der Gesellschaftlichen Kammer der Russischen Föderation, der Politologe Sergej Markow, formuliert seine Kritik noch deutlicher:

Es ist durchaus denkbar, dass die Niederlande die Sache einfach in die Länge ziehen, weil sie eben über die realen Gründe der Katastrophe schon lange im Bilde sind. Und nur wenn es den politischen Zielen der jetzigen Machthaber in Kiew dienlich ist, werden die Daten über den Absturz auch veröffentlicht."

Es erscheint in der Tat als schwer vorstellbar, dass die neuen Daten den Schlussbericht ändern werden. Doch je mehr an objektiven Kontrolldaten an die Öffentlichkeit gelangen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Manipulationen rund um die Katastrophe irgendwann ein Ende gesetzt werden kann. Zunächst will am 28. September dieses Jahres die niederländische Ermittlungskommission in einem neuen Bericht den Ausgangsort der Rakete nennen, die das Passagierflugzeug am 14. Juli 2014 getroffen hatte.