Russisches Onlineportal deckt Unstimmigkeiten im Bellingcat-Bericht zum MH17-Absturz auf

Die Bellingcat-Veröffentlichungen zum MH-17-Absturz enthalten viel Meinung, aber wenig Substanz. Außerdem habe man Beweismittel "frisiert". Zu diesem Ergebnis kam jüngst ein Bericht, der auf dem Nachrichtenportal Segodnia.ru veröffentlicht wurde.
Die Bellingcat-Veröffentlichungen zum MH-17-Absturz enthalten viel Meinung, aber wenig Substanz. Außerdem habe man Beweismittel "frisiert". Zu diesem Ergebnis kam jüngst ein Bericht, der auf dem Nachrichtenportal Segodnia.ru veröffentlicht wurde.
Das Onlineportal Segodnia.ru hat einen eigenen Ermittlungsbericht veröffentlicht, der die Glaubwürdigkeit der Bellingcat-Analyse in Frage stellt, wonach es Beweise für eine Verwicklung Russlands in den Absturz des Malaysia-Airlines-Fluges MH17 gäbe.

Die Malaysia-Airlines-Passagiermaschine des Fluges MH17 stürzte am 17. Juli 2014 über Donezk ab. Ermittlung ergaben, dass das Flugzeug von einer BUK-Rakete abgeschossen wurde. Raketen dieses Typs werden in der Russischen Föderation hergestellt.

Dies führte zu einer Reihe von Spekulationen, wonach angeblich auch Russland für den Abschuss der Passagiermaschine verantwortlich wäre. Die Investigativplattform Bellingcat legte vermeintlich "hieb- und stichfeste Beweise" für die Schuld Russlands vor, darunter auch Fotos, Videos und Zeugenaussagen. 

Die Autoren des nun auf Segodnia.ru veröffentlichten Ermittlungsberichts behaupten hingegen, dass die von Bloggern sowie auf der Investigativplattform Bellingcat veröffentlichten Resonanzberichte auf frisierten Fakten basieren. Insbesondere sei der Nachweis gelungen, dass die von Bellingcat vorgebrachten Bilder und Videos mithilfe der Software Adobe Photoshop CS5 digital verändert wurden. Auch die Echtheit von Zeugen, deren Aussagen im Bellingcat-Bericht angeführt wurden, wird bezweifelt.

Gleich im Anschluss an die gegen Russland erhobenen Beschuldigungen sind die Zeugen seltsamerweise verschwunden", heißt es im Bericht von Segodnia.ru.

Der Ermittlungsbericht befasst sich zudem mit Behauptungen, wonach ukrainische Militäreinheiten das Szenario eines Absturzes sorgfältig durchgespielt hätten. Es gäbe deutliche Hinweise darauf, dass ukrainische Streitkräfte auch in den Absturz der malaysischen Passagiermaschine verwickelt sein könnten.

Bellingcat wirft Daten und Bezeichnungen durcheinander

Am 28. September sollen die ersten Ergebnisse der strafrechtlichen Ermittlungen im Fall MH17 durch das Gemeinsame Ermittlungsteam (JIT) vorgelegt werden. Nun erschien der Enthüllungsbericht auf der Internetseite Segodnia.ru. Eine andere russische Zeitung, "Nowaja Gazeta", hatte bereits zuvor noch einen Artikel veröffentlicht, der Informationen enthielt, die möglicherweise den Hintergrund der zurückhaltenden Reaktion Russlands auf die bisherigen Ermittlungsergebnisse illustrieren könnten.

Der Artikel in "Nowaja Gazeta" basiert auf Informationen, die Experten des Rüstungskonzerns Almas-Antei zur Verfügung gestellt hatten. Außerdem deutete der Artikel Zweifel an manchen bislang in der Öffentlichkeit gefallenen Äußerungen an, insbesondere an den Behauptungen der von der Organisation Bellingcat bemühten "Experten":

Die Bellingcat-Experten waren besonders aktiv. In ihrem Bericht, der geradezu als letztgültige Wahrheit vorgelegt wurde, werden dem Rüstungskonzern zwei Kapitel gewidmet: Eines über die Version von Almas-Antei und lügenhafte Behauptungen über die Raketenabschussstelle", heißt es in der "Nowaja Gazeta".

Bereits zu einem früheren Zeitpunkt war in den Medien die Vermutung aufgetaucht, das MH17-Flugzeug könnte von einer "neuen russischen BUK-Rakete" des Typs 9M317 abgeschossen worden sei, über die die ukrainischen Streitkräfte zum Zeitpunkt des Vorfalls nicht verfügt hätten.

Wie es so oft der Fall ist, hat man alles in einen Topf geworfen: die KUB-Rakete 3M9, eine Rakete 9M38M1 mit langen Stabilisatoren, eine neue russische 9M317-Rakete und die allerneuste 9M317ME. Sind wir damit fertig? Nein, es gibt noch etwas, was nicht erwähnt wurde. Und zwar, dass der Umriss der 9M38-Rakete jenem der 9M38M1 stark ähnelt. Kein Wunder: Die allerneuste Rakete 9M38M1, die angeblich den Absturz der Passagiermaschine verursacht hatte, ist die verbesserte Version der 9M38. Auf einem Foto lassen sich beide kaum auseinanderhalten. Sieht man die Beschriftung nicht, wird nicht einmal ein Experte den Unterschied merken. Sie unterscheiden sich nur bezüglich innerer Mechanismen und technischer Daten", steht in der Ermittlung.

Dem Kontext entrissen

Der Bellingcat-Bericht verweigert dem Leser auch die Möglichkeit, sich mit den vom Rüstungskonzern vorgebrachten Tatsachen auseinanderzusetzen. So verschwiegen Experten von Bellingcat, dass Almas-Antei zwei Experimente durchgeführt hatte, die helfen sollen, den Absturz von MH17 zu rekonstruieren.

Bellingcat zwingt dem Leser eine logische Kette auf: Wenn am MH17-Absturz die 'neue russische Rakete' schuld ist, dann hätten nur die Russen sie abschießen können", erklären die Autoren der Ermittlung.

Außerdem reiße man im Bellingcat-Bericht die Worte der Almas-Antei-Vertreter aus dem Zusammenhang:

Salopp und zwanglos vermengen Bellingcat-Experten zwei völlig unterschiedliche Tatsachen und erwecken beim Leser den Eindruck, dass der Generaldirektor von Almas-Antei und seine Experten milde gesagt 'Unwahrheiten verbreiten'."

Die Autoren meinen, dass die Organisation Bellingcat Leser absichtlich irreführen wolle, die sich zum größten Teil bezüglich technischer Feinheiten nicht auskennen würden. Erst nachdem man alle technischen Details und die Geschichte russischer Rüstungslieferungen im Laufe der letzten zehn Jahre gründlich studiert hat, sei man in der Lage, objektive Schlussfolgerungen zu ziehen.

Zu der Frage, wer tatsächlich in der Lage gewesen wäre, das Flugzeug abzuschießen, sprach RT mit Michail Malyschewski, dem Generalkonstrukteur des russischen Rüstungskonzerns Almas-Antei, und Alexander Tasechulachow, dem ehemaligen stellvertretenden Kommandanten der Luftstreitkräfte der Russischen Föderation.

Der Militärexperte Alexander Tasechulachow bemerkte in diesem Zusammenhang, dass die ukrainischen Streitkräfte nur über das System BUK M1 und seine Modifikationen verfügen. Das seien jedoch lediglich die Modifikationen, die in der Ukraine hergestellt wurden.

Die Ukrainer haben sich dazu entschieden, ihre Kampfgeräte selbstständig zu modernisieren und zu pflegen", teilte er mit.

Michail Malyschewski, der Chefkonstrukteur von Almas-Antei, wies darauf hin, dass nur professionelle Soldaten in der Lage wären, eine solche Rakete abzuschießen. Den Aufständischen in den "Volksrepubliken" Donezk und Lugansk fehle es an Ausbildung, um solche Technik überhaupt handhaben zu können.