Jens Stoltenberg zu RT: NATO will nicht darüber spekulieren, wer den Hilfskonvoi beschoss

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg lehnte voreilige Schlussfolgerungen hinsichtlich der Verantwortung für den Beschuss des Hilfskonvois bei Aleppo ab.
NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg lehnte voreilige Schlussfolgerungen hinsichtlich der Verantwortung für den Beschuss des Hilfskonvois bei Aleppo ab.
Jens Stoltenberg lehnte jedwede "Spekulation" über die Verantwortung für den Angriff auf den Hilfskonvoi bei Aleppo ab. Man wolle erst "die Fakten sammeln", so der NATO-Generalsekretär zu RT nach seinem Meeting mit dem russischen Außenminister Sergei Lawrow.

"Der Angriff auf den Hilfsgüter-Konvoi ist moralisch vollständig inakzeptabel und ein offener Bruch internationalen Rechts", sagte Stoltenberg in einem kurzen Interview mit dem RT-Reporter Ilja Petrenko. Der NATO-Generalsekretär äußerte sich, nachdem er sein Meeting mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow verlassen hatte, das am Rande der 71. UN-Generalversammlung am Mittwoch in New York stattfand.

US-Drohne vom Typ Predator - Russland meldet Sichtung über beschossenem Hilfskonvoi.

Stoltenberg vermied es dabei, Schuldzuweisungen hinsichtlich der Attacke vorzunehmen:

Ich werde hierüber nicht spekulieren. Es ist wichtig, die Fakten zu sammeln und herauszufinden, wie das passieren konnte, aber ich werde nicht spekulieren", sagte er, während er die Gespräche mit Lawrow als "ehrlich" und "sinnvoll" beschrieb.

Der Vorfall unterstreiche die Wichtigkeit eines effektiven Waffenstillstandes, des unbeschränkten Zugangs für humanitäre Helfer und "selbstverständlich einer bleibenden und nachhaltigen, politisch verhandelten Friedenslösung", so Stoltenberg. Er fügte hinzu, dass die Notwendigkeit bestehe, den festgefahrenen Versöhnungsprozess in Syrien wieder in Gang zu bringen.

Abgesehen von Syrien besprachen die zwei Amtsträger "eine Menge verschiedener Angelegenheiten", dabei auch die Situation in der Ukraine sowie die Sicherheit des Luftraumes über den baltischen Staaten und der Schwarzmeer-Region. Sie kamen überein, "den Dialog zur Risikoreduktion und militärischen Transparenz" fortzuführen.

Bereits am Donnerstagvormittag hatte Washington behauptet, Russland wäre für den Angriff verantwortlich. Russland sei "verantwortlich für Luftangriffe in diesem Raum, insbesondere da seine Zusage auf Begrenzung der kriegerischen Aktivitäten lautete; sowie die Luftoperationen einzustellen, wo humanitäre Hilfe durchgeführt wird", sagte Ben Rhodes, der US-amerikanische stellvertretende Berater zur nationalen Sicherheit.

Moskau wies indes jegliche Beteiligung an diesem Verbrechen scharf zurück und fügte hinzu, dass es sich um eine "erneute inakzeptable Provokation" handle.

Am Mittwoch hatte Lawrow bestätigt, dass Russland sämtliche ihm vorliegenden Daten zu dem Vorfall für eine Untersuchung bereitgestellt habe und hob hervor, dass der Angriff zeitgleich mit einer Rebellen-Offensive im Bezirk 1070 von Aleppo stattfand.

Es wird erwartet, dass sich Lawrow und sein amerikanischer Amtskollege John Kerry am Mittwochabend zum mittlerweile zweiten Mal seit Beginn der UN-Generalversammlung zu einem Vier-Augen-Gespräch treffen werden. Dies bestätigte auch eine Quelle aus der russischen Delegation gegenüber RIA Nowosti.

Am Montag waren 20 Zivilisten und ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation bei dem Angriff auf einen unter Schirmherrschaft der UNO operierenden Hilfskonvoi des Syrisch Arabischen Roten Halbmondes ums Leben gekommen. Während erste Meldungen davon sprachen, dass es sich um einen Luftangriff gehandelt habe, wurden noch keine Beweise vorgelegt, die diese Darstellung stützen.

Die UN zogen später auch ihre Mitteilung zurück, wonach die Lastwagen und ein Gebäude des Roten Kreuzes von Kampfflugzeugen getroffen worden wären. In einer Äußerungen jüngeren Datums hieß es, man sei "nicht in der Position, festzustellen, ob es sich um Luftangriffe gehandelt habe".