MH17: Russland gibt im Vorfeld des Abschlussberichtes geheime Informationen zu BUK-Raketen frei

MH17: Russland gibt im Vorfeld des Abschlussberichtes geheime Informationen zu BUK-Raketen frei
Der Hersteller des Flugabwehrraketen-Systems BUK, Almaz-Antei, hat den Ermittlern zum Abschuss der malaysischen MH-17-Passagiermaschine im Juli 2014 über der Ostukraine erstmals geheime Herstellerdaten zur Verfügung gestellt.

Almaz-Antei, Hersteller von Flugabwehrraketen-System des Typs BUK, hat einen neuen Bericht angefertigt, der bis dato geheime Herstellerinformationen enthält und möglicherweise Aufschluss darüber geben könnte, wer für den Abschuss der malaysischen Passagiermaschine auf dem Flug MH-17 über der Ostukraine am 17. Juli 2014 verantwortlich ist.

Der Bericht liegt russischen Medien vor. Almaz-Antei hat die bis dato geheim gehaltenen Herstellerinformationen an das internationale Ermittlerteam zu dem Vorfall übergeben. Im Gegenzug erwartet sich die Russische Föderation mehr Objektivität vonseiten der Ermittler.

Das Unternehmen Almaz-Antei ist seit 2003 mit der Herstellung und Wartung von BUK-Boden-Luft-Raketen betraut. Dadurch ist man beim größten Rüstungskonzern der Russischen Föderation über alle physischen oder technischen Eigenschaften und Daten von Rüstungsgütern dieses Typs am besten informiert. Im Streit um die Schuldfrage bezüglich des Abschusses des malaysischen Flugzeuges Boeing A-777 (Flug MH17) am Himmel über die Ostukraine am 17.07.2014 bedient sich die Regierung der Russischen Föderation der Expertise vonseiten der Konstrukteure aus dem Unternehmen.

Der erste Bericht der Ermittler, der im Oktober 2015 veröffentlicht wurde, wies nach, dass das Flugzeug von einer Boden-Luft-Rakete des Typs BUK abgeschossen war. Seither dreht sich die Diskussion vor allem um die Frage, ob die Russische Föderation oder die Aufständischen aus den selbst ernannten "Volksrepubliken" im ostukrainischen Donbass im Besitz des verantwortlichen Raketensystems sein könnten und aus welchem Gebiet die todbringende Rakete tatsächlich abgefeuert wurde.

Am 28. September wollen die Ermittler den zweiten Teil des Berichtes vorlegen. Darin soll geklärt werden, in welchem Gebiet die BUK-Batterie gestanden haben könnte, aus welcher gefeuert wurde.

Da sich das Ermittler-Team selbst gegenüber den Medien zurückhält, hat sich bereits 2014 ein so genanntes "Recherchenetzwerk" unter dem Namen "Bellingcat" zusammengefunden und sich zur Aufgabe gemacht, den westlichen Narrativ bezüglich dieses Ereignisses zu verkaufen. Dieser läuft im Wesentlichen darauf hinaus, dass das BUK-System kurzfristig aus Russland über die Grenze in das Rebellengebiet der Ostukraine verfrachtet und direkt nach dem Abschuss wieder zurückgebracht worden wäre. Die Bedienung der komplizierten Boden-Luft-Systeme, die den militärisch unerfahrenen Rebellen kaum zugetraut werden konnte, sei demnach von russischen Spezialisten durchgeführt worden.

Die westliche Presse übernahm diese Darstellung bereitwillig. Der Raketenhersteller wollte ihr jedoch auf den Grund gehen und entschied sich, zwei Abschussexperimente durchzuführen und dazu einen begleitenden Bericht auszuarbeiten. Die Ergebnisse sollten nicht zuletzt die Gegendarstellung untermauern, wonach Raketen jenes Typs, die am 17. Juli abgeschossen wurden, in Russland schon lange ausgemustert sind und in modernen Buk-Systeme nicht mehr zum Einsatz kommen.

Des Weiteren wurden mit der Berechnung der mutmaßlichen Flugbahn des Geschosses Argumente für die Richtigkeit der These geliefert, dass der Standort der Systeme im Moment des Abschusses nicht im Rebellengebiet in der Nähe des Orts Sneschnoje, sondern in der Nähe der Ortschaft Saroschtschenskoje gelegen hatte, die von ukrainischen Truppen kontrolliert wurde.

Steckt Putin auch unter dieser Sturmhaube?

Die computererfahrenen Social-Media-Spezialisten von Bellingcat meinten wenige Monate nach der Vorlage einer ersten Darstellung, diese Argumente widerlegt zu haben, die immerhin von Militärspezialisten eines eng gefassten Fachgebiets vorgebracht wurden und sich auf technische Dokumentationen und Feldexperiment stützten. Um die Argumente der Laien glaubwürdiger erscheinen zu lassen, gaben westliche Medien jene der russischen Militärspezialisten nicht selten entstellt wieder oder verschwiegen diese vollständig.

Der nunmehr vorgelegte neue Bericht des technischen Beraters von Almaz-Antei, Michail Malyschewski, reagierte auf diese Darstellungen. Der BUK-Hersteller will sich damit zudem auch gegen mögliche neue Anschuldigungen wappnen.

Im Bericht wird nun anhand Fotos und Grafiken akribisch gezeigt, dass die von der russischen Seite vorgebrachten Argumente von Bellingcat entweder nicht verstanden oder absichtlich manipuliert wurden. Um weitere Zweideutigkeiten oder Missdeutungen zu vermeiden, wird nun auch – was ein in Militärkreisen einmaliger Akt ist - die technische Dokumentation der eigenen Untersuchungen gegenüber den Ermittlern offengelegt.

Es bleibt abzuwarten, ob diese Maßnahme zu mehr an Seriosität hinsichtlich der Ermittlungen führen wird, deren Ergebnisse eine geradezu welthistorische Relevanz aufweisen.