"Schweden, bist du bereit?" – Rekrutierungsvideo des IS wird zum Internethit

Quelle: Screenshot Aftonbladet
Quelle: Screenshot Aftonbladet
Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat ein Rekrutierungsvideo auf Schwedisch veröffentlicht, welches in dem skandinavischen Land reichlich Zuspruch findet. Schweden ist im europäischen Vergleich das Land mit den drittmeisten Dschihad-Touristen.

von Olga Banach

Das Video zeigt schwedische Männer im syrischen Kriegsgebiet, die sich auf den Kampf vorbereiten. Unter ihnen befinden sich Omar Shahade und Taha Shade aus der Region Göteborg, die mittlerweile bereits bei Gefechten ums Leben gekommen sind. Familie und Freunden in Schweden feiern sie hierfür bereits als Märtyrer.

Einer der Macher des Videos ist Michael Skråmo, der sich selbst in Abu Ibrahim Al-Swedi umbenannt und nun in Rakka ein neues Zuhause gefunden hat. Er kam ursprünglich aus einem norwegischen Elternhaus und wuchs in Göteborg auf. Im Video beschreibt er seinen Weg in den "Dschihad". Er bezeichnet diesen als die schnellste Möglichkeit, in den Himmel zu kommen und ruft andere Menschen dazu auf, ihm zu folgen. Nachdem Skråmo zum Islam konvertiert war, lernte er Arabisch und lehrte als radikaler Prediger im so genannten "Multikulturellen Jugendzentrum" der Bellevue-Moschee in Göteborg. Frau und Kinder hat er mit nach Syrien genommen. Der Bartwuchs blieb bei dem blonden Mann aber bisher aus.

Die Umgebung Göteborgs mit ihren ärmlichen Vororten ist ein Hort der Radikalisierung. Immer wieder taucht in diesem Zusammenhang der Name der Bellevue-Moschee auf. Zahlreiche spätere Terroristen besuchten zuvor diese Einrichtung. Kritische Hinweise auf die offensichtliche Brutstätte des Terrors stießen im liberalen Schweden jedoch wiederholt auf eine Mauer aus Political Correctness. Wer ein Vorgehen der Sicherheitsbehörden gegen die Verantwortlichen für das dubiose Gotteshaus forderte, sah sich schnell als Islamophober oder Faschist angeprangert.

Dabei waren die Predigten, die islamische Gelehrte dort hielten, überaus monothematisch. Ihr Inhalt war regelmäßig der gleiche: Der Ungläubige führt einen Kampf gegen den Islam, den es zu gewinnen gilt. Wie dies genau vonstattenzugehen habe, bleibt dem Zuhörer selbst überlassen.

In einer im April veröffentlichten Studie untersuchte der niederländische Soziologe Ruud Koopmans verbreitete Denkweisen unter Muslimen in der Türkei, Marokko, Deutschland, Frankreich, Belgien, Österreich und Schweden. Im Bezug auf schwedische Muslime ergab folgendes Bild: 43 Prozent der schwedischen Muslime wollen keine Homosexuellen als Freunde; 37 Prozent glauben, dass sie Juden nicht trauen können; 52 Prozent sind der Meinung, dass der Westen den Islam zerstören will.

Außerdem halten 52 Prozent der Muslime Schwedens die religiösen Gesetze des Islam für wichtiger als die geltenden staatlichen Gesetze des Landes. Während Links- und Rechtsradikalismus in Schweden eher Jugendphänomene sind, lässt sich dies über die Radikalisierung der Muslime nicht sagen.

Explosion einer Sprengfalle in Baghdad, April 2014.

Bis dato sollen dem schwedischen Geheimdienst zufolge bereits 229 aus dem Land stammende Terroristen in Syrien ums Leben gekommen sein. Die Autoren einer Studie der Lund-Universität, die unter dem Titel "Schwedische Exportkrieger in Syrien" veröffentlicht wurde, versuchte auf der Basis mehrerer Theorien die Ursachen der Radikalisierung zu untersuchen. Im Ergebnis kommen die Autoren in ihrer Studie zu dem Schluss, dass der Einfluss der sozialen Medien eine tragende Rolle spielt. Dort stellen islamistische Radikale unter anderem Frauen und Kinder als Opfer eines westlichen Kreuzzugs gegen den islamischen Glauben dar.

Im Trailer zum weit verbreiteten IS-Video heißt es: "Schweden, bist Du bereit?"

Die Politik wirkt gegen die Anstrengungen der Extremisten weitgehend hilflos. Im letzten Monat führte das schwedische Militär immerhin ein groß angelegtes, internationales Manöver zur Terrorbekämpfung durch. Geprobt wurde dabei die Entschärfung von Sprengsätzen in einem asymmetrischen Krieg, in dem der Bedrohung nur schwer Herr zu werden ist.