Ukraine plant Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland

Ukraine plant Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland
Die ukrainischen Behörden und die Fußballföderation des Landes besprechen derzeit, ob sie dem Aufruf des Präsidenten Petro Poroschenko folgen und die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland boykottieren.

Im Rahmen der bevorstehenden Weltmeisterschaft soll es von 14. Juni bis 15. Juli 2018 auf zwölf Feldern in elf Städten gespielt werden, darunter Moskau, Sankt-Petersburg, Sotschi, Kasan, Nischni Nowgorod, Saransk, Samara, Rostow am Don, Wolgograd, Kaliningrad und Jekaterinburg.

Erstmalig in der Geschichte werden an den Qualifikationsspielen alle 209 FIFA-Assoziationen teilnehmen. Jede Nationalmannschaft, auch die ukrainische, wird um einen der 31 Plätze bei der WM kämpfen. Russland ist als Gastgeber automatisch qualifiziert.

Wie die russische Zeitung Iswestija berichtet, kann die Ukraine die Meisterschaft aus politischen Gründen boykottieren, wenn sie sich in der Qualifikation durchsetzt und den Weg in die WM bahnt. Die Frage wird momentan in der Fußballföderation der Ukraine diskutiert.

„Die ukrainische Seite hat Bedenken, ob sich die Spannung in den Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine zu der Zeit auflöst“, so eine Quelle in der ukrainischen Fußballföderation.

Dem Vizepräsidenten der Organisation, Igor Kotschetow, zufolge habe die ukrainische Nationalmannschaft die Qualifikation für die WM 2018 mit dem Spiel gegen Island gestartet. Er hoffe, dass die ukrainische Mannschaft bei den Qualifikationsspielen erfolgreich auftritt.

„Heute möchten wir auf das Thema Politik nicht eingehen. Wollen wir lieber über Fußball sprechen. Die Qualifikation wird für die Ukraine anderthalb Jahre dauern, es macht also keinen Sinn, darüber vorzeitig zu reden. Wollen wir diese Frage gerade vor der Veranstaltung besprechen? Die Aufgabe, die uns der Couch der Nationalmannschaft, Andrei Schewtschenko, gesetzt hat, lautet, Erster in der Gruppe zu werden und sich zur WM zu qualifizieren. Was aber weiter auf uns zukommt, besprechen wir dann später.“

Allerdings kann es auch zu überhaupt keinem WM-Boykott seitens der Ukraine kommen. Die ukrainische Nationalmannschaft steht momentan in der Gruppe I gemeinsam mit Finnland, Island, Kosovo, Kroatien und der Türkei. Zur WM selbst wird nur die Mannschaft zugelassen, die zum Sieger in ihrer Gruppe wird. Also wenn die Ukraine es nicht schafft, dann ist die Boykott-Frage nicht mehr relevant.

Der erste Vizepräsident des russischen Fußballverbandes, Nikita Simonjan, behauptet, dass die Ukraine während der WM-2018 in Russland auf keine Probleme stoßen wird.

„Ich kann mit absoluter Sicherheit sagen, dass die ukrainische Mannschaft hierzulande überhaupt keine Probleme haben wird, wenn sie nach Russland kommt. Dabei bin ich aber überzeugt, dass die Situation sich für unsere Mannschaft ganz umgekehrt entwickeln könnte: Wenn die WM beispielsweise in der Ukraine stattfinden würde, hätte die russische Nationalmannschaft ganz sicher Probleme dort. Mit Rücksicht auf die heutigen politischen Beziehungen zweifle ich nicht daran. Die ukrainische Seite muss sich aber keine Sorgen machen“, so Simonjan.

Im März 2015 rief der ukrainische Präsident Petro Poroschenko in einem Bild-Interview alle Nationalmannschaften der Welt auf, ihre Teilnahme an der Weltmeisterschaft-2018 abzulehnen.

„Ich denke, es muss über einen Boykott dieser WM gesprochen werden. Solange russische Truppen in der Ukraine sind, halte ich eine WM in diesem Land für undenkbar“, so Poroschenko.