China und Russland: Politisches Komplott gegen Washington in Zentralasien?

Nach dem Tod des Präsidenten Islom Karimov, der Usbekistan seit 1991 mit eiserner Faust regierte, werden Russland und China eng zusammenarbeiten, um Instabilität in der Region zu unterbinden, berichtet ein US-Fachmagazin.
Nach dem Tod des Präsidenten Islom Karimov, der Usbekistan seit 1991 mit eiserner Faust regierte, werden Russland und China eng zusammenarbeiten, um Instabilität in der Region zu unterbinden, berichtet ein US-Fachmagazin.
Der Tod des usbekischen Staatschefs Islom Karimow hinterlässt ein Machtvakuum im Land, schreibt das Fachmagazin The National Interest. Der kommende Kampf um die Führung im Land soll nun die "unklare Verbindung" zwischen Russland und China erhellen.

US-amerikanische Sicherheitkreise mutmaßen, dass Moskau und Peking mit ihrer stetig erweiterten Zusammenarbeit das Ziel anstreben, hegemoniale Ambitionen der USA und ihrer Verbündeten zu unterbinden. Die Meldungen russischer Medien über eine künftige militärische Annäherung zwischen den beiden Staaten gaben einen neuen Anlass, von einem "antidemokratischen Bündnis" zwischen Russland und China zu sprechen, das sich abzeichne.

Wladimir Putin im Gespräch mit John Micklethwait. Im Interview mit Bloomberg spricht der Präsident der Russischen Föderation unter anderem über das Verhältnis zu China, den Ölpreis und über weltweite Hackerangriffe.

Moskau verfügt über ein enormes militärisches Potenzial, hingegen ist mit Blick auf Peking vor allem dessen wirtschaftliches Gewicht bedeutsam. The National Interest geht davon aus, dass nach dem Tod Karimows ungeachtet russischer Interessen vor allem China in der Region an Einfluss gewinnen wird.

Derzeit sind Moskau und Peking imstande, untereinander bestehende Differenzen zu bewältigen. Es sei das übergeordnete Ziel beider Staaten, den USA einen Strich durch die Rechnung zu machen und "ihren Einfluss als Großmächte" gemeinsam in die Waagschale zu werfen, um in Usbekistan eine Machtübergabe zum eigenen Vorteil zu sichern.

Die Übergangszeit in Usbekistan könnte als Lackmustest dafür dienen, ob sich die vermeintliche russisch-chinesische Kabale bewährt", schreibt das außenpolitische Fachmagazin The National Interest.

Russland übt seit mittlerweile fast 150 Jahren eine dominante Rolle in Zentralasien aus. Was auch immer ihre Motive dafür sind - eine Pufferzone einzurichten, aus Prestigegründen den eigenen Einflussbereich abzusichern oder aber der Bedrohung durch islamistischen Terror zu begegnen - die Russische Föderation wird der Hauptakteur in der Region bleiben.

Obwohl die USA im Laufe der letzten drei Jahrzehnte einige insgesamt eher zaghafte Versuche unternommen haben, in Zentralasien Beziehungen zu knüpfen, bleibt China die einzige ernstzunehmende Alternative zur Vormachtstellung Russlands. Angesichts der außenpolitischen Strategie Pekings, die unter dem programmatischen Motto "Ein Gürtel, eine Straße" steht, rechnet The National Interest mit einer Vervielfachung des Einflusses der Volksrepublik in diesen postsowjetischen Staaten.

Aus wirtschaftlicher Sicht ist dieser Prozess schon längst im Gange. Turkmenistan liefert durch Kasachstan und Usbekistan in großen Mengen Erdöl und Erdgas nach China. Nun hat die Volksrepublik auch politisch ein waches Auge auf die Entwicklung im Zentralasien. Da ein wesentlicher Teil seines Energiebedarfs von zentralasiatischen Ländern gedeckt wird, ist Peking über eine mögliche Entstehung regionaler Instabilität besorgt.

Offensichtlich setzen Russland und China mehr auf dieses Spiel als Washington", schlussfolgert The National Interest.

Obwohl die bilateralen Beziehungen zwischen China und Russland nicht in allen Bereichen harmonisch sind, werden beide Länder voraussichtlich eng zusammenarbeiten, um die Stabilität Usbekistans zu erhalten. Vor allem wollen Moskau und Peking verhindern, dass Islamisten nach Zentralasien durchdringen, heißt es in dem Bericht. Möglicherweise werde diese Aufgabe die beiden Länder einander noch näherbringen.