Französischer Abgeordneter Thierry Mariani: Kiew verschleiert den wahren Sachverhalt auf der Krim

Die ukrainische Staatsanwalt will Ermittlungsverfahren gegen die Mitglieder einer französischen Parlamentsdelegation einleiten, die Ende Juli die von Kiew beanspruchte Halbinsel Krim besucht hatten. Die Franzosen zeigen sich von den Drohungen indes nur mäßig beeindruckt.
Die ukrainische Staatsanwalt will Ermittlungsverfahren gegen die Mitglieder einer französischen Parlamentsdelegation einleiten, die Ende Juli die von Kiew beanspruchte Halbinsel Krim besucht hatten. Die Franzosen zeigen sich von den Drohungen indes nur mäßig beeindruckt.
Der Abgeordnete der Obersten Rada, Georgi Logwinsky, hat angekündigt, dass die ukrainische Staatsanwaltschaft Strafverfahren gegen französische Parlamentarier einleitet, die Ende Juli die Krim besucht hatten. Der französische Abgeordnete Thierry Mariani reagierte auf seine Weise.

War doch im Vorjahr schon dasselbe. Damals hat man schon Strafverfahren eingeleitet, jetzt kommt eben noch eines. Was will man denn ermitteln? Es liegt doch auf der Hand: Zehn französische Parlamentarier haben im vorigen Jahr die Krim besucht, in diesem Jahr elf weitere. Wir wollten uns selbst einen Überblick über die Lage auf der Krim verschaffen", teilte Thierry Mariani in einem Interview mit RT mit. Im Juli hatte er an der Spitze einer französischen Delegation die Krim besucht.

Sein Eindruck war, dass die Menschen auf der Krim glücklich darüber seien, dass sie wieder unter der Obhut Russlands stehen. Auf der Halbinsel führen die Menschen ein ganz normales Leben, erklärten die Parlamentarier, die sich vor Ort auf der Halbinsel umsahen.

Unmittelbar nach der Entmachtung des gewählten ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch durch einen Staatsstreich in Kiew hatte sich die Bevölkerung der Krim in einer vom Westen nicht anerkannten Volksabstimmung im März 2014 für eine Abspaltung von der Ukraine ausgesprochen. Gleichzeitig erklärte man den Wunsch nach Aufnahme in die Russische Föderation. Moskau entsprach diesem Ansinnen gegen den Willen der ukrainischen Übergangsregierung und der westlichen Staaten, die den nicht auf dem verfassungsmäßig vorgesehenen Weg erfolgten Machtwechsel in Kiew gebilligt hatten.

Wenn man französische Presse liest, gewinnt man den Eindruck, die Halbinsel sei 'besetzt', 'übervoll mit russischen Soldaten', die Bevölkerung sei 'frustriert'. Da macht es viel aus, wenn man mit eigenen Augen die tatsächliche Haltung der Bewohner zu der Lage auf der Krim sieht. Das, was wir erlebt haben, war ein gewöhnliches Leben gewöhnlicher Menschen", fügte Mariani hinzu.

Der französische Abgeordnete betonte, dass er nun verstehe, warum Kiew jedes Mal Strafverfahren gegen ausländische Delegationen einleitet, die die Halbinsel besucht haben.

In Wirklichkeit will Kiew derartige Besuche vermeiden. Wäre die Lage auf der Krim tatsächlich so schlimm, würde Kiew sich dann jedes Mal so aufregen, wenn jemand zu Besuch kommt und die tatsächliche Lage auf der Krim mitbekommt? Dann würde man doch nach dem Besuch zurückkehren und selbst von all den Schrecken auf der Halbinsel berichten. Ich wiederhole aber noch einmal, dass wir in diesem Sommer nichts Ungewöhnliches erlebt haben – ein normales Land, normale Menschen, eine friedliche Atmosphäre."

Der ukrainische Abgeordnete hatte bereits im Vorfeld des Besuchs der französischen Delegation mit Konsequenzen gedroht. Kiew lasse den Vorfall nicht ungestraft, erklärte der Abgeordnete Logwinski. Manche sollten dann ihre Mandate niederlegen, meint der Politiker.

Die französischen Abgeordneten haben wahrscheinlich nicht miteinberechnet, dass unsere Reaktion auf diesen Besuch hart sein wird", postete Georgi Logwinski auf seiner Facebook-Seite. Seiner Meinung nach werden die Delegierten ihrer "warmen, gemütlichen Plätze im Parlament" verlustig gehen, sobald man von ihren Vorstrafen in der Ukraine erfährt.

Therry Mariani zeigt sich von Logwinskis Drohungen indessen nur bedingt beeindruckt. "Wenn jemand mir seine Adresse gibt, schicke ich ihm gerne unser Wahlgesetz zu, wahrscheinlich hat er es nie gelesen", scherzte er.

Der französische Abgeordnete kündigte vielmehr an, dass im nächsten Jahr neue Delegierte die Halbinsel besuchen würden.

Ich kenne mehr als 20 Parlamentarier, die sich uns anschließen möchten. Im nächsten Jahr werden also meine anderen Kollegen auf die Krim delegiert. Ich glaube, dass sich die Einstellung der Franzosen zu den letzten Ereignissen dadurch schrittweise ändern wird", sagte Mariani zum Schluss.