Putin über Territorialstreit mit Japan: "Wir verhandeln über keine Gebiete"

Die Russische Föderation sei stark an einem offiziellen Friedensvertrag mit Japan interessiert, erklärte Präsident Wladimir Putin. Eine Rückgabe der von Japan beanspruchten Kurilen-Inselgruppe stehe derzeit jedoch nicht zur Debatte.
Die Russische Föderation sei stark an einem offiziellen Friedensvertrag mit Japan interessiert, erklärte Präsident Wladimir Putin. Eine Rückgabe der von Japan beanspruchten Kurilen-Inselgruppe stehe derzeit jedoch nicht zur Debatte.
Obwohl die Unterzeichnung eines Friedensabkommens mit Japan ein zentrales Thema ist, steht laut Wladimir Putin eine Rückgabe der Kurilen-Inseln, die sich unter russischer Hoheitsgewalt befinden, nicht zur Diskussion. Er warnte davor, die "Büchse der Pandora" zu öffnen.

"Wir verhandeln über keine Gebiete", sagte Putin in einem Interview mit dem Nachrichtenportal Bloomberg auf die Frage, ob Russland bereit sei, die Kurilen-Inseln "aufzugeben". Im Gegenzug zu einem solchen Schritt könnte Moskau eine politische Beilegung des Konflikts und eine stärkere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Japan erreichen.

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Putin fügte allerdings hinzu, dass die Erreichung eines Friedensvertrags mit Japan für die Russische Föderation "selbstverständlich ein zentrales Thema" ist und betonte, man wolle "eine Lösung zu diesem Problem mit unseren japanischen Freunden finden".

Wir unterzeichneten 1956 einen Vertrag und überraschenderweise wurde dieser von beiden, der Sowjetunion und Japan, ratifiziert", erklärte das russische Staatsoberhaupt. "Doch dann lehnte es die japanische Seite ab, das Abkommen umzusetzen. Die Sowjetunion tat es ihr daraufhin gleich. Alle Einigungen im Rahmen des Vertrags wurden aufgehoben."

Putin wies jedoch auch die Darstellung zurück, wonach es Parallelen zwischen Tokios Ansprüchen und dem Territorialdisput zwischen Russland und China gäbe. Der Konflikt mit Peking wurde nach 40 Jahre andauernden Verhandlungen gelöst, gab der russische Präsident zu bedenken. Das sei nur aufgrund eines hohen "Vertrauensniveaus" zwischen beiden Staaten möglich gewesen.

"Wenn wir das gleichen Vertrauensniveau mit Japan erreicht haben, könnten wir gewisse Kompromisse ansteuern", versprach der russische Präsident.

"Allerdings gibt es einen grundlegenden Unterschied zwischen dem Problem im Zusammenhang mit der Geschichte Japans und unseren Verhandlungen mit China. Die japanische Frage resultierte aus dem Zweiten Weltkrieg und wurde mithilfe der internationalen Instrumentarien geregelt. Unsere Diskussionen über die Grenzfrage mit unseren chinesischen Kollegen haben nichts mit dem Zweiten Weltkrieg oder anderen militärischen Konflikten zu tun.“

Als ein Reporter scherzhaft fragte, ob Russland bereit sei, die Souveränität der Kaliningrad-Region, ehemals Ostpreußen, zu verhandeln, warnte Putin davor, die "Büchse der Pandora" zu öffnen.

Wenn jemand gewillt sein sollte, die Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs zu hinterfragen, lassen Sie uns darüber reden. Aber dann werden wir nicht nur über Kaliningrad reden dürfen, sondern auch über den östlichen Teil der Bundesrepublik Deutschland, über die Stadt Lemberg, ehemals Teil Polens, und so weiter. Auf der Liste würden auch Ungarn und Rumänien stehen", erklärte der russische Präsident.

"Wenn jemand die Büchse der Pandora öffnen möchte und den Folgen klarkommen kann, gerne, dann soll er es tun", sagte Putin.