New York Times: „Putins Ziel ist es, Zweifel und Zwietracht zu säen“

New York Times: „Putins Ziel ist es, Zweifel und Zwietracht zu säen“
Die Verbreitung falscher Geschichten sei die mächtigste Waffe Russlands. Die renommierte US-Zeitung schreibt dem Kreml, Sputnik und RT negativen Einfluss auf europäische Gemüter zu.

Als Beispiel führt die Zeitung New York Times Schweden an, wo gerade über einen NATO-Beitritt diskutiert wird. Schwedische Behörden würden von „einer Flut verzerrter und komplett falscher Informationen in sozialen Netzwerken“ berichten, die „die öffentliche Wahrnehmung der Angelegenheit verwirren“. Unter anderem würden Bedenken darüber ausgesprochen, dass die NATO geheime Atomwaffen in Schweden stationieren würde oder Russland aus Schweden ohne Genehmigung der Regierung angreifen könnte. Genauso würden nun schwedische Frauen Angst davor haben, von den NATO-Männern vergewaltigt zu werden, die vor gerichtlicher Verfolgung geschützt sind. Und obwohl es Schweden misslungen sei, die Quelle der falschen Berichte sicherzustellen, würden zahlreiche Analytiker und Experten der EU- und US-Geheimdienste auf Moskau verweisen, schreibt die Zeitung.

Dabei sei der Algorithmus, den der Kreml für seine  Täuschungskampagne benutzt, immer derselbe, beteuert der schwedische Journalist und Rechtsanwalt, Anders Lindberg:

„Es stammt irgendwoher aus Russland, von den russischen staatlichen Medien, oder verschiedenen Webseiten, oder etwas solcher Art. Dann wird das Fake-Dokument zur Quelle eines Artikels, der auf links- und rechtsextremen Webseiten verbreitet wird. Diejenigen, die sich auf solche Nachrichtenseiten verlassen, verlinken den Artikel, und so wird er unter die Leute gebracht. Niemand kann sagen, woher sie stammen, aber schließlich werden sie Schwerpunkte der Sicherheitspolitik. Was die Russen machen, ist, Narrative zu schaffen, sie schaffen keine Fakten. Der eigentliche Narrativ ist: 'Vertrauen Sie niemandem.'“

Das Ziel von Moskau sei es, Zweifel und Zwietracht in der NATO zu säen, berichtet die New York Times weiter. Dafür würde es nicht nur geheime Netzwerke wie in Schweden benutzen, sondern auch konventionelle Medien – die Nachrichtenagentur Sputnik und den Fernsehsender RT. Diese Tätigkeit ist dazu berufen, die offizielle Version der Ereignisse zu vertuschen und eine Art politischen Kollaps auszulösen, zitiert die Zeitung unbenannte Experten.

Das Hauptziel des Kremls sei Europa, wo Rechtspopulisten immer mehr Zuwendung gewinnen und die Unterstützung der EU ständig sinkt. Der Standpunkt Russlands sei, dass die liberale Demokratie ineffizient sei, europäische Regierungen verschiedene Krisen, vor allem Migration und Terrorismus, nicht beilegen könnten, und ihre Amtsleute alles US-amerikanische Marionetten seien.

„Sie wollen Europa als solch einen Kontinent darstellen, der untergeht“, teilte der schwedische Verteidigungsminister, Peter Hultqvist, New York Times mit.

Außerdem hätten englischsprachige russische Medien die Entscheidung der Briten, aus der EU auszutreten, stark begünstigt, schreibt die Zeitung unter Berufung auf Analytiker, die wieder nicht bei ihren Namen genannt werden. Die negative Einstellung tschechischer Bürger zu den USA, die in einer Umfrage festgestellt wurde, wird auch dem Einfluss der Täuschungskampagne auf prorussischen Webseiten zugeschrieben.