UN gibt zu, Rolle beim Cholera-Ausbruch auf Haiti gespielt zu haben

Haitianer, der Symptome von Cholera zeigt, wird in den Slums von Cite-Soleil in Port-au-Prince, in einer Schubkarre transportiert, Haiti, 19. November 2010
Haitianer, der Symptome von Cholera zeigt, wird in den Slums von Cite-Soleil in Port-au-Prince, in einer Schubkarre transportiert, Haiti, 19. November 2010
Nachdem immer wieder Vorwürfe gegen die Vereinten Nationen erhoben wurden, für den Ausbruch der Cholera-Epidemie in Haiti mit verantwortlich zu sein, gaben sie nun zu, dabei "eine Rolle" gespielt zu haben. Fünf Jahre lang hatten sie die Vorwürfe zurückgewiesen.

Die Vereinten Nationen haben in einer Stellungnahme erklärt, dass die für die Epidemie mitverantwortlich ist. In der Washington Post heißt es: 

„Die Organisation ist in den letzten Jahren zu der Überzeugung gelangt, dass mehr zu tun ist, in Bezug auf die eigene Beteiligung am Ursprung des Ausbruchs in Haiti und dem Leiden derer, die von der Krankheit betroffen waren, die Hunderttausende angesteckt und 10.000 Tote hinterlassen hat.“

Es ist das erste Mal, dass sich die U.N. zu diesem Thema in dieser Art positioniert. In den letzten Jahren hatte sie immer wieder abgestritten, in irgendeiner Form für den Ausbruch der Cholera-Epidemie Verantwortung zu tragen.

Seit Ende Oktober 2010 breitete sich die Krankheit in Haiti aus. Dem Ausbruch vorausgegangen war ein Erdbeben der Stärke 7 nahe der Hauptstadt des Landes. Bis zu 200.000 Menschen starben bei der Naturkatastrophe. Nach dem Beben entsandte die U.N. zusätzliche Hilfstruppen nach Haiti. Darunter befanden sich auch nepalesische Blauhelm-Soldaten.

Fünf Jahre une eine halbe Milliarde US-Dollar später im Armenviertel Campeche - Quelle: ProPublica

Die Quelle der Epidemie war der Artibonitefluss, der für viele Menschen als Trinkwasserversorgung dient. Ein U.N.-Team ging der Vermutung nach, dass durch das Lager der nepalesischen Soldaten Cholera-Bakterien in das Wasser gelangt sein könnten und die Krankheit dadurch Ausbrach.

In Nepal kam es zu einer Cholera-Epedemie, bevor das dortige Erdbeben ausbrach. Die Abwasserleitungen der Latrinen im U.N.-Camp führten direkt in den haitianischen Fluss. In den Abwasserleitungen des Lagers konnten Cholerabakterien festgestellt werden. Der Stamm, den das Team entdeckte, ließ sich durch Probenentnahmen bei haitianischen Patienten dem Serotyp Ogawa zuordnen. Dieser ist im süd-ostasiatischen Raum vorzufinden.

Ein Jahr später machten sich 5.000 haitianische Familien dafür stark, eine Wiedergutmachung von den Vereinten Nationen zu verlangen. Diese lehnten die Forderung jedoch ab. Die Familien versuchten es weiter und verklagten die Vereinten Nationen. Doch deren Mitarbeiter genießen diplomatische Immunität. Die Klage wurde abgelehnt.

Als die Krankheit seinerzeit ausbrach verbreitete sie sich sehr schnell auf der Insel. Die Lebensumstände in den Not-Camps sind bis heute sehr schlecht, genauso wie im ganzen Land. Der Zugang zu sauberem Trinkwasser und Nahrung ist ein Privileg, dass nur wenige haben.

Ein Bericht von Ärzte ohne Grenzen geht davon aus, dass die Opferzahl, der Cholera-Epidemie, höher ist, als bisher angenommen. Es gibt Berichte, dass die Zahl der Infizierten seit dem Beginn des Jahres in Haiti wieder zugenommen hat.

Dass sich die U.N. nun doch in dieser Art positioniert, hat mit einem aktuellen Bericht zu tun, der Generalsekretär Ban Ki-Moon zugesendet wurde. Der Universitätsprofessor Philip Alston verfasste den Bericht. Alston ist Berichterstatter für die U.N. bei Menschenrechtsfragen. Der Bericht mache deutlich, dass die Vereinten Nationen eine Verantwortung für den Cholera-Ausbruch haben, so die New York Times.

Alston bezeichnete die U.N. in Bezug auf ihre Handlungen bei der Cholera-Epidemie als „unmoralisch“ und „gewissenlos“. Seinen Schätzungen zufolge würden sich eventuelle Wiedergutmachungen für die über 800.000 Erkrankten auf eine Summe von 40 Milliarden US-Dollar belaufen.

Bis zum Ende der Woche hat die U.N. Zeit, zu dem Bericht Stellung zu nehmen. Offiziell präsentiert werden soll die Untersuchung im September, wenn die Generalversammlung eröffnet wird.