Erdoğan: Umsetzung des Energieprojektes Turkish Stream mit Russland steht nichts mehr im Wege

Erdoğan: Umsetzung des Energieprojektes Turkish Stream mit Russland steht nichts mehr im Wege
Die Verhandlungen über das Pipeline-Projekt wurden nach der Abkühlung der Beziehungen zwischen Moskau und Ankara wegen des Abschusses des russischen Su-24-Kampfjets eingestellt. Nun kündigte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan an, die türkischen Behörden seien „bereit, unverzüglich Schritte zur Umsetzung von Turkish Stream zu unternehmen“. Die konkrete Umsetzung soll auf dem heutigen Treffen mit Wladimir Putin besprochen werden.

Dem türkischen Präsident zufolge gäbe es keine Hindernisse mehr zur Umsetzung des Pipelineprojekts Turkish Stream:

„Wir sind bereit, unverzüglich Schritte zur Umsetzung des Projekts zu unternehmen, es zu besprechen und eine Entscheidung zu treffen. Es gibt da keine Hindernisse.“

Das türkische Staatsoberhaupt hob hervor, dass „Russland der wichtigste Lieferant von Erdgas für die Türkei ist" und erläuterte weiter: 

„Nach dem Stand von Ende Juli 2016 lag das aus Russland importierte Erdgasvolumen bei 12,5 Milliarden Kubikmeter. Das zeigt, wie wichtig die Rolle der Türkei als wirtschaftlichen Partner auf diesem Gebiet ist.“

Zuvor hatte der bulgarische Ministerpräsident Bojko Borissow mitgeteilt, dass Bulgarien und Russland die zuvor auf Eis gelegten Energie-Projekte, einschließlich des South Stream, wiederbeleben werden.

Am 1. Dezember 2014 unterzeichneten Gazprom und das türkische Unternehmen Botaş eine Absichtserklärung über den Bau der Pipeline Turkish Stream mit einer Transportkapazität von jährlich 63 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Die vier Leitungen der Pipeline sollten aus Russland in Richtung Türkei durch das Schwarze Meer verlegt werden.

Man geht davon aus, dass eine der vier Rohrleitungen die Bedürfnisse des wachsenden türkischen Markts völlig abdecken sollte. Die Türkei ist nach Deutschland der zweitgrößte Absatzmarkt von Gazprom. Der wichtigste Abnehmer ist dabei das Staatsunternehmen Botaş.

Ursprünglich sollte Turkish Stream das vorangehende Projekt South Stream ersetzen, das von der EU auf Eis gelegt wurde. Es wurde bereits 2007 entworfen, um eine Alternative für den Transit russischen Erdgases in die Europäische Union über die Ukraine zu etablieren. In Bezug auf den möglichen Preisanstieg des Transits durch die Ukraine werde Turkish Stream sowohl für die Türkei als auch für Russland attraktiver, erklärte der russische Energieminister Alexander Nowak. Deswegen ist Ankara daran interessiert, Erdgas direkt aus Russland zu beziehen, ohne Umweg durch Transitländer.

Ferner kündigte der stellvertretende Vorstand von Gazprom an, Alexander Medwedew, die Geschäftstermine zur Umsetzung des Turkish Stream sollen auf dem heutigen Treffen zwischen Recep Tayyip Erdoğan und Wladimir Putin in Sankt-Petersburg im Detail geklärt werden.