Neue Eskalation in Armenien: Extremisten nehmen Ärzte als Geiseln

Neue Eskalation in Armenien: Extremisten nehmen Ärzte als Geiseln
Seit dem 17. Juli halten bewaffnete Extremisten ein Polizeirevier in Jerewan in ihrer Gewalt. Am heutigen Mittwoch eskalierte die Situation erneut. Nach einem Schusswechsel nahmen die Besetzer vier Ärzte als Geiseln, die zuvor aus humanitären Motiven deren Schussverletzungen versorgt hatten.

In der Nacht zum Mittwoch kam es erneut zu einem Schusswechsel zwischen der Polizei und den Extremisten, die seit dem 17. Juli die Polizeistation im Bezirk Erebuni besetzen. Ein Offizier und zwei Angreifer, Pawel Manukjan und sein Sohn Aram, erlitten Schussverletzungen. Alle drei wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Nach Polizeiangaben ist Pawel Manukjan der Anführer der bewaffneten Gruppierung. Die Ärzte stufen seinen Zustand als schwer ein. Nach dem Vorfall beschlossen zwei weitere Besetzer, sich zu ergeben.   

Gleichzeitig verhaftete die Polizei ungefähr drei Dutzend Aktivisten, unter ihnen auch Frauen, die die Besetzer der Polizeistation in Jerewan unterstützten. Die Beamten beschlagnahmten Transparente mit regierungsfeindlichen Parolen und Fotos von Mitgliedern der bewaffneten Gruppierung.   

In der Nacht verhandelten die Ordnungshüter weiterhin mit den Extremisten. Es wurde bekannt, dass bei dem Schusswechsel in der Nacht zum Mittwoch zwei weitere Besetzer verletzt worden waren.  

„Die Verhandlungen dauern an. Die Mitarbeiter der Sicherheitsbehörden versuchen, die Verletzten davon zu überzeugen, sich ärztlich behandeln zu lassen. Aber ihre Kameraden lehnen das ab“, teilte der Polizeisprecher, Aschot Agaronjan, mit. 

Ein im Polizeirevier befindliches Mitglied der bewaffneten Gruppe war noch am 17. Juli verletzt worden.

„Die Mitarbeiter der Sicherheitsbehörden haben mehrmals vorgeschlagen, ihm ärztliche Hilfe zu erweisen, aber die Mitglieder der Gruppe haben dieses Angebot abgelehnt“, sagte Aschot Agaronjan weiter.  

Später forderten die Besetzer doch einen Arzt, da sich der Zustand der Verletzten verschlechtert habe. Als ein Ärzteteam das besetzte Polizeirevier betrat, wollten die Extremisten es nicht wieder freilassen und nahmen die vier Mediziner zu Geiseln.

„Als Geiseln wurden die Ärzte Norair Tewanjan und Salvador Chetschojan sowie die Krankenpfleger David Tonojan und Malina Markarjan genommen“, hieß es in einer Pressemitteilung des armenischen Gesundheitsministeriums.

Ein Mitgleid der Gruppe „Sasna Zrer“ vor dem besetzten Polizeigebäude in Jerewan

Nun fordern die bewaffneten Besetzer, dass Armeniens Gesundheitsminister, Armen Muradjan, und ein weiteres Ärzteteam zu ihnen ins Polizeirevier kommen, um die Verletzen zu operieren. Im Gegenzug versprechen die Extremisten, die Geiseln zu befreien.

Am 17. Juli war eine Gruppe von bewaffneten Menschen in die Polizeistation in der armenischen Hauptstadt Jerewan eingedrungen und hatte Geiseln genommen. Bei der Attacke war ein Polizist ums Leben gekommen. Sechs Menschen hatten Verletzungen erlitten. Bis zum 23. Juli konnten zwar alle Geiseln befreit werden, die Angreifer verschanzen sich aber weiterhin im Polizeirevier. Dabei fordern sie den Rücktritt des armenischen Staatschefs, Sersch Sargsjan, und die Befreiung des in Untersuchungshaft sitzenden Anführers der radikalen Oppositionsbewegung „Neues Armenien“, Schirair Sefiljan.