Friedenshoffnungen durch Finnland: "Wir müssen Russland verstehen“

Im Dickicht der internationalen Beziehungen: Finnlands Präsident Sauli Niinisto und Wladimir Putin bei der Ankunft zur Pressekonferenz in Kultaranta, 1. Juli 2016.
Im Dickicht der internationalen Beziehungen: Finnlands Präsident Sauli Niinisto und Wladimir Putin bei der Ankunft zur Pressekonferenz in Kultaranta, 1. Juli 2016.
Im Konflikt zwischen Russland und den NATO-Staaten ruhen viele Hoffnungen auf dem unscheinbaren Finnland. Beide Länder haben historisch enge Beziehungen. Doch was passiert, wenn sich Finnland der NATO anschließt?

von Olga Banach

Bei einem Spaziergang durch Helsinki wird dem Betrachter die Vergangenheit des Landes vor Augen geführt. Das auch als „kleines St. Petersburg“ bezeichnete Helsinki gibt Einblicke in die Historie des Landes. Da ist zum einen seine Nähe zu Schweden, welches durch Straßenschilder und die zweite Amtssprache präsent ist. Aber zum anderen geben die Zwiebeltürme und Bauten auch die russische Vergangenheit preis. Finnland teilt eine 1.300 Kilometer lange Grenze mit Russland.

„Trotz der Kriege und Konflikte zwischen Finnland und Russland gibt es einen gegenseitigen Respekt der Länder im Bezug auf das Verständnis beider Parteien. Verglichen mit allen anderen westlichen Ländern hat Finnland die Kenntnis und diplomatischen Kanäle, um die Nerven des Kremls über die NATO-Aktivitäten zu beruhigen,“ so der Politikwissenschaftler Thomas Haas.

Während die meisten westlichen Länder zu Zeiten des Kalten Krieges ihre akademische Forschung über Russland reduzierten, wurde Mitte der 1990er Jahre ein Institut zur Russlandforschung eröffnet, genannt „Aleksanteri Institut“, welches an die Universität von Helsinki angegliedert ist.

Der Name ist eine Anlehnung an vergangene Zeiten unter russischer Herrschaft, als die Universität noch „Königliche Universität Alexanders“ hieß. Heute sind es noch rund 70.000 Finnen, die Russisch ihre Muttersprache nennen.

Institutskanzler Thomas Wilhelmsson begann seine Rede anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Instituts mit den Worten:

„Russland ist der Schlüssel, um unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu verstehen. Bei jedem Thema, das in Finnland diskutiert wird, Wirtschaft, Sicherheit, Migration, Energie, Geschichte, Kultur, Sport, etc. - die Rolle Russlands kann nicht ausgelassen werden. Wir müssen Russland kennen und Russland verstehen.“

Russland ist Finnlands drittgrößtes Exportziel. Doch die Sanktionen haben den Handel erschwert. So ging dieser seit Beginn des Jahres um 35,2 Prozent zurück. 

Doch was passiert, wenn sich Finnland der NATO anschließt? Nach Ausdehnung der NATO-Aktivitäten Finnlands wurden bei dem diesjährigen NATO-Treffen in Warschau zum ersten Mal Finnland und Schweden in den inneren Kreis der NATO eingeladen. Sie hatten sich bisher durch ihre Neutralität ausgezeichnet.

Am 1. Juli stattete der russische Präsident Vladimir Putin den Finnen einen Besuch ab. Hier gab Putin bekannt, dass die Entscheidung eines NATO-Beitritts Finnlands respektiert werde, aber dennoch Konsequenzen mit sich brächte.

Russland hatte seine Truppen, aus Rücksicht auf den wichtigen Nachbarn Finnland, an der Grenze zwischen Finnland und Russland um 1.500 Kilometer zurückgezogen. Nach einem NATO-Beitritt werde Russland aber entsprechend reagieren müssen und diesen Schritt rückgängig machen.

Freudige Gesichter auf dem NATO-Gipfel in Warschau

Während des Treffens zwischen Putin und dem finnischen Präsidenten Sauli Niinistö wurden Sicherheitsmaßnahmen vereinbart. Dazu gehört, dass die Identifikationsinstrumente der Militärflugzeuge in der Region nicht mehr, wie bisher üblich, bei Manövern an der Grenze abgeschaltet werden.

Der schwedische Premierminister Stefan Löfven unterstützt den Dialog Finnlands mit seinem Nachbarn. Er zeigte sich verärgert über die kritischen Äußerungen Karin Enströms, der ehemaligen Verteidigungsministerin Schwedens, in Bezug auf das geplante Treffen zwischen Putin und Niinistö. 

Die Präsidentin des russischen Instituts Tarja Halonen beschrieb die Situation Finnlands im internationalen Kontext treffend:

„Der Schritt von Konfrontation zu Kooperation ist leichter für ein kleines Land wie Finnland, das nicht kämpft, um Grenzen zu verschieben und durch Konflikte nur verlieren kann. Im Moment entstehen durch Hetze gegen Russland politische Karrieren, Zeitungen lassen sich damit gut verkaufen. In diesen Zeiten ist es relevanter denn je, forschungsbasiertes Wissen zu schaffen.“

Weiterhin ermahnte sie ihre Zuhörer, es sei von Interesse, den engen Dialog zwischen Finnland und Russland zu bewahren und nicht in eine militärische Aggression abzudriften. Die finnische Investigativ-Journalistin, Jessikka Aro, die durch ihre Troll-Publikationen bekannt geworden ist, war leider nicht unter den Anwesenden.