Geiseldrama in Armenien mündet in schweren Zusammenstößen mit Sicherheitskräften

Geiseldrama in Armenien mündet in schweren Zusammenstößen mit Sicherheitskräften
Während bewaffnete Extremisten nach wie vor ein Polizeirevier in Jerewan in ihrer Gewalt halten, kommt es immer öfter zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten. In der Nacht zum Donnerstag wurden 51 Menschen verletzt. Mehr als die Hälfte von ihnen waren Polizeibeamte. 136 Demonstranten wurden in Gewahrsam genommen.

Am Mittwochabend gingen Polizisten und Demonstranten, die sich vor dem seit dem 17. Juli eingenommenen Polizeirevier versammelt hatten, aufeinander los. Die Aktivisten forderten die Behörden auf, die Geiselnehmer mit Lebensmitteln zu versorgen. Als Unterhändler wurde der oppositionelle Parlamentsabgeordnete, Nikol Paschinjan, vorgeschlagen. Als die Forderung abgelehnt wurde, versuchte die Menschenmenge die Umzingelung zu durchbrechen. Die Polizei gab ein paar Warnschüsse in die Luft ab und setzte Tränengas und Blendgranaten ein.            

Nach einer kurzen Ruhepause begannen die Protestler die Ordnungshüter mit Steinen zu bewerfen. Sie Situation spitzte sich weiter zu, nachdem ein Demonstrant verhaftet worden war.

„Innerhalb von wenigen Minuten haben einige Hundert Polizeibeamten das Gelände vor dem besetzten Polizeirevier in Jerewan von den Demonstranten geräumt. Die Operation begann nach zwei Verwarnungen. Alle Demonstranten, die in der Nacht auf der Kreuzung verharrten, wurden festgenommen“, hieß es in einer Stellungnahme des Innenministeriums.

Die Polizei nahm 136 Menschen in Gewahrsam. Unter ihnen seien auch Mitglieder der Oppositionspartei „Zivilvertrag“ gewesen, teilte der Parteivorsitzende, Nikol Paschinjan, mit. Der Politiker fungiert als Hauptunterhändler zwischen der Polizei und den Demonstranten. Darüber hinaus telefoniert Paschinjan regelmäßig mit den Geiselnehmern, die das Polizeirevier im Bezirk Erebuni weiterhin in ihrer Gewalt haben.

Bei den Zusammenstößen mit Sicherheitsbeamten in der Nacht zum Donnertag wurden 51 Menschen, unter ihnen 28 Polizisten, verletzt. 34 Verletzte bleiben bisher in Krankenhäusern.  

Armeniens Premierminister, Howik Abrahamjan, versicherte während der heutigen Kabinettssitzung, dass die Behörden ihr Bestes tun würden, damit sich die Situation normalisiert:

„Das, was passiert ist, ist unzulässig und muss verurteilt werden, weil man mit Gewalt keinen echten Wandel erzielen kann. Das ist ein gefährlicher und aussichtsloser Prozess. Die Situation ist besorgniserregend. Die Behörden tun alles, um die Situation friedlich zu lösen.“

Am 17. Juli hatten mehrere bewaffnete Extremisten ein Polizeirevier in Jerewan eingenommen und dabei einen Polizisten getötet. Weitere vier Menschen waren verletzt worden.

Die Geiselnehmer fordern die armenische Regierung auf, den Koordinator der oppositionellen Bewegung „Gründungsparlament“, Schirair Sefiljan, auf freien Fuß zu setzen. Der Mann sitzt seit dem 22. Juni wegen illegalen Waffenbesitzes in Untersuchungshaft.

Der oppositionelle Politiker war erstmals im Jahr 2006 verhaftet worden. Damals hatten die Behörden ihm zur Last gelegt, öffentlich zum gewaltsamen Sturz der Verfassungsordnung aufgewiegelt zu haben. Der Held des Bergkarabach-Krieges musste wegen illegalen Waffenbesitzes für anderthalb Jahre ins Gefängnis. Im Jahr 2015 wurde er verdächtigt, Massenunruhen vorbereitet zu haben. Nach einem Monat in U-Haft wurde Sefiljan freigelassen.