Säuberungen nach Putschversuch werden ausgedehnt: Ausreiseverbot für alle türkischen Akademiker

Säuberungen nach Putschversuch werden ausgedehnt: Ausreiseverbot für alle türkischen Akademiker
Das türkische Bildungsministerium hat allen Akademikern untersagt ins Ausland zu reisen. Das Verbot ist eine vorübergehende Maßnahme, um mutmaßliche Putschisten an Universitäten an der Flucht zu hindern. Dies teilte ein türkischer Regierungsbeamter der Agentur Reuters mit. Nach Darstellung aus Regierungskreisen sollen zahlreiche Personen an den Universitäten mit Zellen des Militärs in Verbindung stehen.

Dem Sender NTV zufolge wurden auch vier Hochschulrektoren im Rahmen der Razzia suspendiert.

Kurz zuvor hatte die Regierung den Rücktritt aller 1.577 Universitätsdekane verfügt. Die Regierung hat ebenso 21.000 Privatschullehrern die Lizenzen entzogen. Die Gesamtzahl der entlassenen Fachleute beläuft sich mittlerweile laut Schätzungen von Bloomberg auf fast 60.000.

Wissenschaftler auf der ganzen Welt haben ihre Empörung über die Situation zum Ausdruck gebracht. Fiona de Londras, Professorin für globale Rechtswissenschaften (Global Legal Studies) an der Universität Birmingham, hat eine Onlinepetition ins Leben gerufen, um die akademische Freiheit in der Türkei zu unterstützen.

Die Hacktivisten-Gruppe Anonymous verurteilte ebenfalls das harte Vorgehen gegen Bildung und Medien. Sie fordern die Menschen dazu auf, ihre Aufmerksamkeit auf die Whistleblowing-Website WikiLeaks und deren anstehende Veröffentlichungen bezüglich der Türkei zu richten. Am Mittwoch wurde der Zugang zu WikiLeaks in der Türkei gesperrt, nachdem ein Leak von rund 300.000 Regierung E-Mails online veröffentlicht worden war.

Hintergrund für die Säuberung ist, dass die Regierung Verbindungen der Akademiker mit dem in den USA lebenden Kleriker Fethullah Gülen vermutet. Der wiederum bestreitet die Vorwürfe der türkischen Regierung, der Drahtzieher des jüngsten Putschversuch gewesen zu sein.

Premierminister Binali Yildirim behauptete der Prediger würde eine „terroristische Organisation“ anführen und versprach in einer Rede vor dem Parlament „deren Wurzeln zu kappen“.

Gülen deutete seinerseits an, dass Erdogan den Putsch selbst inszeniert hätte. Der türkische Präsident bezeichnete die Anschuldigung als „unsinnig“.

US-Außenminister John Kerry beharrte darauf, dass die Türkei „Beweise und nicht nur Vorwürfe" gegen die Kleriker vorlegen müsste, um den derzeit in Pennsylvania lebenden Gülen in die Türkei auszuliefern zu lassen.

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