WikiLeaks meldet „andauernden Angriff“ nach Ankündigung von Megaleak türkischer Regierungsdokumente

WikiLeaks meldet „andauernden Angriff“ nach Ankündigung von Megaleak türkischer Regierungsdokumente
WikiLeaks berichtet von einem „andauernden Angriff“ auf ihre Infrastruktur, nachdem sie die bevorstehende Veröffentlichung hunderttausender Dokumente im Zusammenhang mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und dessen Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung (AKP) nach dem gescheiterten Militärputsch angekündigt hatten. Ein ähnlich schwerer DDoS-Angriff erfolgte zu Beginn des Putschversuches auch auf die Server von RT.

„Unsere Infrastruktur wird anhaltend angegriffen“, twitterte WikiLeaks.

„Wir sind uns nicht über den wahren Ursprung des Angriffs sicher. Das Timing suggeriert, dass es sich um die eine Fraktion des türkischen Staats oder eines Verbündeten handeln könnte.“

Trotz des Angriffs, versprach die berühmte Whistleblowing-Website „sich durchzusetzen und zu veröffentlichen“. Der erste Teil der Dokumente soll am Dienstag veröffentlicht werden. Bereits vorher kündigte WikiLeaks an, dass die Veröffentlichung der 300.000 E-Mails und 500.000 Dokumente, die die türkische „politische Machtstruktur“ aufdecken könnte.

Zu Beginn des Putschversuchs erfolgte auch ein schwerer DDoS-Angriff auf die RT-Server, ein weiterer folgte kurz danach, als die RT-Berichterstattung dazu begonnen hatte. Zweck war durch eine beabsichtigte Überlastung des Netzwerks von außerhalb eine Dienstblockade herbeizuführen.

In ständigem Kontakt mit Julian Assange: WikiLeaks-Mitarbeiterin Sarah Harrison

Vor der geplanten Veröffentlichung, warnte WikiLeaks die Öffentlichkeit, dass die türkische Regierung wahrscheinlich ihr Bestes tun wird, um zu verhindern, dass die Informationen zugänglich gemacht werden bzw. dass sie die türkische Öffentlichkeit zu erreichen.

„Die Türken werden wahrscheinlich zensiert um zu verhindern, dass sie unsere bevorstehende Veröffentlichung von über 100.000 Dokumenten über die Politik, die zum Putsch geführt hat, lesen.“

Die gemeinnützige Organisation forderte auch die Öffentlichkeit dazu auf, ihre Bemühungen zum Austausch von Informationen zu unterstützen:

„Wir bitten die Türken bereit zu sein und sich mit zensurumgehenden Systemen wie TorBrowser und uTorrent auszurüsten. Alle anderen sollten auch bereit sein ihnen zu helfen um die Zensur zu umgehen und unsere Inhalte trotz der bevorstehenden Zensur zu erhalten.“

Nach dem erfolglosen Militärputsch-Versuch, bei dem mindestens 208 Menschen getötet und mehr als 1400 verletzt wurden, beschuldigte Erdogan den ehemaligen Verbündeten und jetzigen Erzfeind Fethullah Gülen, für den Versuch ihn zu stürzen verantwortlich zu sein. Die Türkei erwägt auch die Wiedereinführung der Todesstrafe, um die Verantwortlichen für den bewaffneten Putschversuch bestrafen. Die Regierung und das Militär werden derweil weiterhin von der herrschenden Elite gesäubert.
Erdogan bezeichnete den gescheiterten Militärputsch in einem Interview mit CNN als einen „klaren Fall des Verrats“:

„Die Menschen denken jetzt, nach so vielen terroristischen Vorfällen, dass diese Terroristen getötet werden sollten. Das ist ihr Standpunkt, sie sehen dazu keine Alternative.“

Mehr als 7.500 Verdächtige wurden im Zusammenhang mit dem Putschversuch verhaftet, gab Premierminister Binali Yildirim am Montag bekannt. Darüber hinaus sind nach Informationen, die Reuters von einem leitenden Sicherheitsbeamten erhielt, rund 8.000 Polizisten von ihren Posten abgezogen worden.
Die türkischen Behörden suspendierten auch unverzüglich rund 3.000 Richter und Staatsanwälte. Von ihnen wurden mindestens 775 verhaftet.

Johannes Hahn, der EU-Kommissar der mit dem EU-Beitrittsgesuch der Türkei betraut ist, behauptete, der Eifer mit dem Richter zusammengetrieben wurden, nachdem der Putsch scheiterte zeigt an, dass die Regierung tatsächlich im Voraus eine Liste vorbereitet hatte:

„Dass Listen direkt nach den Vorkommnissen vorhanden waren, deutet darauf hin, dass sie vorbereitet waren und zu einem bestimmtem Moment genutzt werden sollten. Das ist genau das, was wir befürchtet haben.“

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