Putsch in der Türkei - Regierung erlangt Kontrolle zurück [Updates]

Präsident Erdogan wendet sich am Istanbuler Flughafen an die Bevölkerung und erklärt den Putschversuch für gescheitert
Präsident Erdogan wendet sich am Istanbuler Flughafen an die Bevölkerung und erklärt den Putschversuch für gescheitert
Chaotische Zustände in der Türkei. In der Nacht zum Samstag ereignete sich ein Putschversuch von Teilen des Militärs gegen die Regierung von Präsident Recep Erdogan. Über Stunden ist die Lage unklar. Sowohl Regierung als auch Militär verkünden, die Kontrolle über das Land zu haben. Gegen Samstagmorgen gelingt es den Regierungskräften, den Putsch niederzuschlagen. Zahlreiche Militärs werden festgenommen. Die Entwicklungen im Live-Ticker.

Während Regierungsvertreter und staatsnahe Medien von einem Putschversuch im Land sprechen, der bereits vereitelt wird, heißt es am Freitagabend von Teilen der türkischen Armee, dass diese bereits die Macht im Land übernommen haben.

Klar ist in den ersten Stunden des Putsches nur, dass das Land praktisch lahm liegt. Zentrale Verkehrsknotenpunkte wurden besetzt, alle Flüge vom Atatürk-Flughafen in Istanbul wurden gestrichen. Die Armee hat das Kriegsrecht ausgerufen und landesweit eine Ausgangssperre verhängt. Auch soll es laut der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti eine starke Explosion in der türkischen Hauptstadt gegeben haben. Auf den Straßen fallen Schüsse:

Die Bosporus-Brücken, die den asiatischen mit dem europäischen Stadtteil verbinden, wurden von der Armee abgesperrt:

Einige Medien berichten von Schusswechseln vor dem Verteidigungsministerium der Türkei mitten in Ankara. Laut Berichten besetzen Militärs auch die Gebäude des türkischen Staatsfernsehens. Kurz darauf wurde der Sendebetrieb eingestellt. Auch seien Facebook und Twitter blockiert. Generalstabschef Hulusi Akar, wurde laut der Agentur Anadolu von den Putschisten als Geisel genommen.

Ein Video zeigt Kampfjets und Panzer:

Aus Kreisen des Militärs, das sich in der Türkei traditionell als Wahrer des kemalistischen Erbes sieht, heißt es:

Mit dem Putsch sollten unter anderem die verfassungsmäßige Ordnung, die Demokratie und die Menschenrechte wiederhergestellt werden.

Zuvor berichtete der türkischer Ministerpräsident, Binali Yıldırım gegenüber dem Fernsehsender NTV:

Eine Gruppe von Militärs hat die ihnen anvertrauten Befugnisse und Waffen missbraucht und versucht, verantwortungslose illegale Handlungen zu begehen. Es ist nicht ganz richtig, das als einen Umsturz zu bezeichnen. Auf jeden Fall müssen unsere Bürger Ruhe bewahren. Wir werden unser Bestes tun, um Frieden und Ordnung aufrechtzuerhalten. Die Schuldigen werden auf die schärfste Weise bestraft werden.

23:35 Uhr: Der türkische Präsident Recep Erdogan ruft die Bevölkerung auf, auf die Straße zu gehen und kündigt an, die Putschisten hart zu bestrafen. Auf CNN Türk Factime verkündet der Präsident weiter die Kontrolle im Land zu haben. Für den Umsturzversuch macht Erdogan die Gülen-Bewegung verantwortlich:

Zahlreiche Menschen kommen der Aufforderung nach und halten Demonstrationen ab:

0:15 Uhr: Laut Medienberichten haben die Putschisten Panzer vor dem Parlamentsgebäude in Stellung gebracht. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters haben diese das Feuer eröffnet.

US-Militärs werden im Notfall Maßnahmen ergreifen, um die Sicherheit des Luftwaffenstützpunktes Incirlik zu gewärhleisten. Dies erfuhr die Agentur RIA Nowosti im Pressedienst der US-Luftwaffe. In Incirlik sind überdies auch Tornado-Kampfflugzeuge der Bundeswehr stationiert.

0:30 Uhr: Der zentral gelegene Taksim-Platz in Istanbul füllt sich mit immer mehr Menschen, die gegen den Putschversuch protestieren. Auch die Moscheen rufen die Bevölkerung zum Widerstand auf. Ob die putschenden Teile der Armee einen Schießbefehl haben ist nicht bekannt.

0:40 Uhr: Laut neuen Augenzeugenberichten handelt es sich bei den Demonstranten auf dem Taksim-Platz um Unterstützer des Putsches, die unter anderem "Die größten Soldaten sind unsere Soldaten" rufen. Militär-Hubschrauber haben laut der Agentur Anadolu das Feuer auf die Geheimdienstzentrale eröffnet.

1:00 Uhr: Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim erneuert seine Aussage, dass der Putsch scheitert und verkündet: "Einige Rädelsführer des Putsches sind festgenommen worden. Die Demokratie wird gewinnen". Auch Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu verurteilt den Umsturzversuch. Entgenen anders lautender Gerüchte plant der türkische Präsident Recep Erdogan offenbar, sich in Istanbul oder Ankara öffentlich zu zeigen.

1:10 Uhr: Lufthansa gibt bekannt, dass bis Samstag 12 Uhr alle Flüge in die Türkei gestrichen wurden. Nach einer Neubeurteilung der Lage wird entschieden, wann der Betrieb wieder aufgenommen wird.

1:20 Uhr: Die Meldungen über Gewaltausbrüche und Todesopfer häufen sich: Verschiedene Nachrichtenagenturen melden, die putschenden Teile des Militärs feuern in Istanbul in die Menschenmenge. Kampfjets von Kräften, die Erdogan die Treue halten, sollen einen Hubschrauber der Putschisten abgeschossen haben. In Gölbasi wurden bei einem Angriff auf eine Polizeischule offenbar 17 Polizisten getötet.

01:40 Uhr: Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Behörden des Landes angewiesen, Maßnahmen zum Schutz russischer Bürger, die sich in der Türkei aufhalten, zu ergreifen. Ob eine Evakuierung nötig ist, sei derzeit noch nicht klar. Rund 4.000 Russen befinden sich in der Türkei.

Auch das Auswärtige Amt rät deutschen Staatsbürgern in der Türkei zu äußerster Vorsicht. Wohnungen und Hotels sollen nicht verlassen werden. Es wird empfohlen Kontakt zu Reiseveranstaltern und Fluglinien aufzunehmen.

Vor der türkischen Botschaft in Berlin demonstrieren zahlreiche Menschen gegen den Putschversuch:

01:55 Uhr: Sowohl aus Ankara wie auch aus Istanbul werden schwere Explosionen gemeldet. Im oder am Parlamentsgebäude soll eine Bombe detoniert sein. An der gesperrten Bosporus-Brücke kam gab es ebenfalls eine heftige Explosion. 

02:17 Uhr: Putschgegner versuchen Militärs aus Panzer zu ziehen

02:20 Uhr: Eingang des Parlaments in Ankara nach Explosion:

02.04 Uhr: Moment der Explosion am türkischen Parlament:

02.31 Uhr: Türkische Regierungsmaschine auf Flughafen in Istanbul gelandet

02.42 Uhr: Gruppe von Soldaten dringt in Dogan Media Center ein und ist ins Studio von CNNTurk gelangt. 

02.45 Uhr: Mindestens zwei weitere Explosionen in Ankara:

02.28 Uhr: Weitere schwere Explosionen am Atatürk-Flughafen und am Taksim-Platz

03.20 Uhr: Erdogan spricht am Flughafen in Istanbul: "Alle Putschisten werden bestraft."

03.30 Uhr: Erdogan sagt, sein Ferienhaus in Marmara wurde getroffen, nachdem er es verlassen hat.

08:00 Uhr: Offenbar hat die Regierung wieder die Kontrolle über das Land und hat 754 Mililtärangehörige festgenommen. Die Zahl der Todesopfer in Folge des Putschversuches schwankt unterschiedlichen Angaben zufolge zwischen 42 und 90. Die Zahl der Verletzten liegt bei über 1.000. Während sich die Lage in Istanbul beruhigt, wird in Ankara weiter gekämpft. Es kursieren Bilder die Putschisten zeigen sollen, die sich ergeben:

09:00 Uhr: Die Zahl der festgenommenen Armee-Angehörigen, die sich am Putsch beteiligten, erhöht sich auf rund 1.500, unter ihnen auch fünf Generäle. Erdogan kündigt weitere Säuberungen im Militär an. Generalstabschef Hulusi Akar, der von den Putschisten als Geisel genommen wurde, konnte türkischen Medien zufolge befreit werden.

Die Bosporus-Brücken befinden sich offenbar nicht mehr unter der Kontrolle der Putschisten. Präsident Erdogan ruft seine Anhänger auf, auf den Straßen zu bleiben, bis sich die Lage normalisiert hat. Der Putschversuch wird von weiten Teilen der türkischen Bevölkerung verurteilt. Auch die pro-kurdische Partei HDP, erklärt den gewaltsamen Umsturzversuch abzulehnen. Erdogan bezeichnet die Ereignisse als "Geschenk Gottes", die zu einer "Reinigung" der Armee führen werden.

10:00 Uhr: Als letzten Stützpunkt halten die Putschisten das Armee-Hauptquartier in Ankara. Aus dem Gebäude wird geschossen. Die Kämpfe halten an.

11:30 Uhr: Die Zahl der Todesopfer hat sich auf 194 erhöht, darunter 47 Zivilisten. Später ist von 265 Toten - 161 regierungstreue Kräfte und Zivilisten sowie 104 Putschisten - und 1.440 Verletzten die Rede. Die Zahl der festgenommen Putschisten erhöht sich auf 2.839. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat in Berlin den Krisenstab der Bundesregierung zu einer Sondersitzung zusammengerufen.

Der in Pennsylvania lebende Rivale Erdogans, Fethullah Gülen, weist jede Verantwortung für den Putsch von sich. Die türkische Regierung sieht in dem Prediger den Drahtzieher des versuchten Umsturzes.

EU-Ratspräsident Donald Tusk kommentiert: "Die Lage scheint unter Kontrolle, aber die Situation ist weit von einer Stabilisierung entfernt."

RT International fasst in einer Sondersendung die wichtigsten Ereignisse zusammen:

13:00 Uhr: Wir beenden an dieser Stelle unseren Live-Ticker. Mehr zum Thema auf RT Deutsch in der aktuellen Berichterstattung.

Trends: # Putschversuch in der Türkei