Potentielle US-Vizepräsidenten: Hillarys Kriegs-Admiral versus Trumps russlandfreundlichem General

Generalleutnant Michael Flynn gilt als möglicher Running Mate des designierten republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten Donald J. Trump. Flynn gilt als Verfechter eines realistischen Ansatzes in der Außenpolitik.
Generalleutnant Michael Flynn gilt als möglicher Running Mate des designierten republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten Donald J. Trump. Flynn gilt als Verfechter eines realistischen Ansatzes in der Außenpolitik.
Wird das republikanische Ticket für die Präsidentenwahl 2016 Trump/Flynn heißen? Immer mehr Indizien deuten darauf hin, dass der hemdsärmelige Immobilienmogul Donald J. Trump mit dem Generalleutnant der US-Army, Michael Flynn, einen "Realisten" gegen den neokonservativen möglichen Clinton-Vize Stavridis ins Rennen schicken könnte. Das Duell militärpolitischer Vernunft gegen blutrünstige Falken könnte über den Weltfrieden entscheiden.

von Rainer Rupp

Die Präsidentschaftskandidatin der Demokratischen Partei, Hillary Clinton, hat sich den Vier-Sterne-Admiral James G. Stavridis als Favoriten für das Amt des US-Vizepräsidenten ausgesucht und lässt ihn derzeit von den entsprechenden Diensten auf seine Eignung für das zweithöchste Amt der USA überprüfen.

Außenministerin Hillary Clinton bei einer Pressekonferenz der

Damit will "Crooked Hillary" ("Ganoven-Hillary"), wie sie von ihrem Widersacher Donald J. Trump nur noch genannt wird, dem nationalistisch-militaristischen US-Establishment ein Präsidentschaftsteam mit militärischem und strategischem Sachverstand präsentieren. Denn angesichts der Tatsache, dass dem US-Reich der Guten durch die ständigen militärischen Prokationen des Diktators des neuen Reichs des Bösen, des "neuen Hitlers Putin" (O-Ton Hillary) schwere Zeiten bevorstehen, muss Washington gerüstet sein. Und dafür ist Admiral Stavridis unzweifelhaft der richtige Mann an Hillarys Seite.

Der 61 Jahre alte Stavridis, der sich derzeit mit akademischen Würden als Dekan der Tufts University Fletcher School schmückt, hatte nicht nur von 2009 bis 2013 als Oberster Alliierter Befehlshaber der NATO-Europa (SACEUR) gedient, sondern sich auch bei vielen unilateralen oder multilateralen US-Schweinereien hervorgetan. Lobend hob daher am Anfang der Woche die New York Times hervor, dass er während seiner vier Jahre als SACEUR für Operationen im Nahen Osten, etwa in Ländern wie Libyen, Afghanistan und Syrien, aber auch für die Bekämpfung der Piraterie vor der Küste von Afrika zuständig war, ebenso wie für nicht näher spezifizierte "Angelegenheiten" auf dem Balkan. In Hillarys Augen aber dürfte Stavridis sich deshalb besonders für den Job an ihrer Seite eignen, weil er in der Ukraine-Krise keine Sekunde gezögert hatte, mit flammenden Erklärungen und Parolen zur Unterstützung der faschistischen "ukrainischen Freiheitskämpfer" Öl ins Feuer zu schütten.

Zuletzt hatte Stavridis durch seine Co-Autorenschaft bei dem unsäglichen Pamphlet "Preserving Ukraine’s Independence, Resisting Russian Aggression: What the United States and NATO Must Do" (Die Erhaltung der ukrainischen Unabhängigkeit, Widerstand gegen die russische Aggression, Was USA und NATO tun müssen) auf sich aufmerksam gemacht. Das Papier, das sieben weitere, bekannte republikanische und demokratische Kriegstreiber gemeinsam mit Stavridis unterzeichnet hatten, war im Februar 2015 vom "Chicago Council for Global Affairs" unter riesiger Medienaufmerksamkeit und mit Unterstützung weiterer führender US-Denkfabriken veröffentlicht worden. Quintessenz des Papiers war der Aufruf, die ukrainischen "Freiheitskämpfer" mit mehr und mit modernen Waffen zu unterstützen und auf diese Weise den Faschisten bei der "Befreiung der Ostukraine" zu helfen.

Das von Stavridis mitverfasste Papier war damit nichts anderes als ein Wegweiser in einen heißen Krieg der Ukraine mit Russland, in den unweigerlich auch NATO- und EU-Länder mit hineingezogen worden wären. Und genau das ist es, was Hillary so sehr an dem entschlossenen und wagemutigen Admiral mag, der ihre Meinung über Russland und über US-Militärinterventionen rund um die Welt vollkommen zu teilen scheint. Aber "Crooked" Hillary hat noch mehr mit ihrem Admiral gemeinsam, denn auch der kann offensichtlich die richtigen Strippen ziehen, um für begangene Vergehen nicht bestraft zu werden.

Laut einem Bericht der New York Times vom Dienstag hatte Stavridis während seiner Zeit in Belgien als SACEUR ein US-Militärflugzeug genutzt, um mit seiner Frau auf eine private Party ins französische Burgund zu fliegen. Das Disziplinarverfahren wurde später fallengelassen und die Akte gelöscht. Offensichtlich war Stavridis schon damals "too big to jail", zu wichtig, um bestraft zu werden, wie das heute in den USA gang und gäbe zu sein scheint. Exemplarisch gilt das für "Crooked Hillary", die nur dank einer allzu offensichtlichen Rechtsbeugung durch den FBI-Direktor und in Kollusion mit der US-Justizministerin aktuell nicht wegen sechs schwerer krimineller Vergehen im Zusammenhang mit ihrer Missachtung der Sicherheitsvorschriften vor einem US-Strafgericht steht.

Im Vergleich zu Hillarys zahllosen anderen Vergehen, für die sie u.a. als Präsidentengattin nie zur Verantwortung gezogen wurde, erscheint immer mehr US-Amerikanern der als Symbolfigur für den Kapitalismus made in USA stehende Immobilienmogul und republikanische Präsidentschaftskandidat in spe, Donald Trump, als ehrlicher Geschäftsmann. Entsprechend ist Hillarys Vorsprung bei den Wahlumfragen von noch über zehn Prozent vor wenigen Monaten auf eine minimale Differenz geschrumpft, einige Umfragen sehen Trump sogar in wichtigen Swing States voran. Das gibt Grund zur Hoffnung auf eine weniger aggressive Außenpolitik als unter einer Präsidentin Clinton, vor der sogar der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, gewarnt hat. In einem Gespräch mit der ausländischen Presse in Berlin betonte der ehemalige deutsche Top-Diplomat Ischinger, dass Frau Clinton eine kraftvollere Außenpolitik verfolgen und dabei eher zu militärischen Interventionen neigen werde.

Auch Trump hat einen hohen Offizier in die engere Wahl für das Amt des Vizepräsidenten gezogen. Laut US-Nachrichtensender CBS gilt Generalleutnant Michael Flynn, der zugleich Mitglied von Clintons und Obamas Demokratischer Partei ist, sogar als Favorit. Dies wäre ein geschickter Schachzug Trumps gegenüber den bisherigen Anhänger der Demokraten, die ihre Stimme zwar Sanders geben wollten aber auf keinen Fall Hillary. Zugleich würde er den Zugang zu der wachsenden Zahl der parteilosen Wähler noch weiter öffnen, die in den ewigen und teuren militärischen US-Interventionen im Ausland mit einen Grund für den ökonomischen Niedergang der Vereinigten Staaten sehen. Trump steht für eine Außenpolitik, die diesem Trend entschieden ein Ende setzen will. Und Generalleutnant Flynn, der auch als Chef der Militäraufklärung der US-Streitkräfte (Defence Intelligence Agency, DIA) seine Erfahrungen gesammelt hat, scheint dafür genau der richtige Mann zu sein. 

Laut einem Bericht der "Washington Post" ist Flynn ein scharfer Kritiker von Präsident Obamas Außenpolitik und ein lautstarker Verfechter guter Beziehungen mit Russland. Auch soll Flynn den Immobilienmogul in Sachen Außenpolitik von Anfang an informell beraten haben. Das würde auch erklären, weshalb Trump immer wieder mit genauer Kenntnis der Verbrechen und Manipulationen der Washingtoner Kriegstreiber verblüffte. Dabei hat Trump in seiner derben Art keine Hand vor den Mund genommen, so z. B., als er Ex-Präsident Bush und die sich um ihn scharenden Neocons bei vielen Wahlveranstaltungen beschuldigte, Informationen manipuliert und das amerikanische Volk wider besseres Wissen in den Krieg gegen Irak "hineingelogen" zu haben.

General Flynn steht diametral den neokonservativen Republikanern und den so genannten "liberalen Falken" der Demokraten gegenüber, die sich derzeit alle ins Lager von Hillary drängen. Für die Wähler, die sich ein Ende des sicherheitspolitischen Klüngels in Washington wünschen, wäre Trumps Wahl für den Vize-Präsidenten genau die richtige.

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