WADA-Chef zur Sperrung von Scharapowa: Bin zufrieden, weil ihr Einkommen höher als unser Budget ist

WADA-Chef zur Sperrung von Scharapowa: Bin zufrieden, weil ihr Einkommen höher als unser Budget ist
Der Präsident der Internationalen Anti-Doping-Agentur WADA, Craig Reedie, hat sich zufrieden über die Sperrung der russischen Star-Tennisspielerin, Maria Scharapowa gezeigt, und dafür eine recht eigenwillige Begründung geliefert: "Die WADA hat weniger Geld als Scharapowa, ist aber effizient". Scharapowas Anwalt bezeichnete die Äußerungen als "unprofessionell" und "tendenziös". Ihre bisherigen Sponsoren verteidigen Scharapowa, "da sie nicht absichtlich gegen die Regeln verstoßen hat".

In einer Konferenz der Internationalen Anti-Doping-Agentur (WADA) forderte deren Präsident, Craig Reedie, mehr Finanzförderung für die Organisation und verwies auf den Fall von der russischen Star-Tennisspielerin, Maria Scharapowa, die jetzt ihre zweijährige Sperre durch die Internationale Tennis-Föderation (ITF) wegen Meldonium-Konsums abbüßt:

„Ich vermute, dass wir wahrscheinlich ziemlich stark aufgetreten sind, wenn es um den erzielten Arbeitsaufwand und die Erfolge geht, die mit einem Jahresbudget von weniger als 30 Millionen US-Dollar erreicht  wurden. Das, was mich im Fall von Scharapowa zufrieden stellt, ist, dass sie jährlich mehr Geld als der gesamte WADA-Haushalt verdient“, wird Reedie von The Telegraph zitiert.

Der Anwalt von Scharapowa, John Haggerty, erwiderte, dass das Einkommen eines jeweiligen Sportlers in Dopingangelegenheiten irrelevant sein sollte:

„Die Erklärung des WADA-Präsidenten ist unprofessionell. Die Gerechtigkeit – in den Augen der WADA oder eines Gerichts – muss blind sein, einschließlich hinsichtlich des Einkommens von einem Spieler. Herr Reedie muss sich vor Maria und allen erfolgreichen Tennisspielern entschuldigen, sofern er die Fans nicht denken lassen will, dass die WADA unterschiedliche Standards für die Spieler je nach ihrem Ranking oder Einkommen hat“.

Die Internationale Tennis-Föderation (ITF) hatte Anfang Juni beschlossen, die russische Starsportlerin Maria Scharapowa wegen Meldonium-Konsums für zwei Jahre zu sperren. Für Scharapowa bedeutete das, dass sie sich an internationalen Wettkämpfen erst ab Januar 2018 beteiligen und bei den Olympischen Spielen 2016 nicht auftreten darf. Ihre Ergebnisse bei den Australian Open im Januar 2016, bei denen sie bis ins Viertelfinale vorrückte und an Serena Williams scheiterte, sowie die dafür zugezählten Points sollten annulliert werden. Scharapowa sollte auch das im Wettbewerb gewonnene Preisgeld zurückzahlen.

Ursprünglich hatte die ITF die Sportlerin für vier Jahre aus dem Wettbewerb verbannen wollen, doch selbst die zweijährige Strafe erschien der Russin zu hart, weil sie gegen die Regeln nur aus Versehen verstoßen und es sofort öffentlich gestanden hatte. Der Einspruch, in dem sie die Aufhebung der Sperre oder die Reduzierung ihrer Frist ersucht, ist im Internationalen Sportgerichtshof (CAS) bereits eingelegt worden, und die Entscheidung muss spätestens am 18. Juli fallen – also noch vor dem Olympia in Rio.

Sponsoring nach der Disqualifizierung – Just do it!

Der Sportausrüstungsriese Nike kündigte trotz der zweijährigen Aussperrung von Scharapowa an, die Zusammenarbeit mit der Tennis-Prima wiederaufzunehmen. Nike wolle die Russin unterstützen, weil sie gegen die Regeln „nicht absichtlich“ verstoßen habe.

„Das ITF-Tribunal hat befunden, dass Maria die Regeln nicht absichtlich verletzt hatte. Maria hat ihre Haltung immer klar gemacht, sich für ihren Fehler entschuldigt und ficht jetzt die Dauer der Sperre an. Anhand der ITF-Entscheidung und des festgestellten Sachverhalts hoffen wir, Maria wieder auf dem Tennisplatz zu sehen, und werden die Zusammenarbeit mit ihr fortsetzen“, zitiert Wall Street Journal die Mitteilung des Sportartikelanbieters.

Ihren ersten Vertrag mit Nike unterzeichnete Scharapowa 1998 im Alter von elf Jahren. 2010 unterschrieb sie einen neuen Kontrakt, dem zufolge sie innerhalb von acht Jahren 70 Millionen US-Dollar und einen gewissen Prozentsatz vom Erlös der mit ihrem Namen gebrandmarkten Kleidungsartikel bekommen soll.

Nike stellte die Zusammenarbeit mit der Russin vorübergehend ein, nachdem im März ihre Meldonium-Probe positiv ausgefallen war.        

Nike hatte auch früher die Zusammenarbeit mit disqualifizierten Athleten wiederaufgenommen. Das war zum Beispiel der Fall des US-amerikanischen Sprinters Justin Gatlin, der 2006 wegen Doping eine achtjährige Wettkampfsperre erhielt, die nach seinem Beitrag zu Ermittlungen der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur halbiert wurde. Nike unterzeichnete im vergangenen Jahr wieder einen Partnerschaftsvertrag mit ihm – kurz vor seinem nationalen Champion-Titel im 100-Meter-Lauf und seinen Siegen im 100- und 200-Meter-Lauf bei den Weltmeisterschaftswettbewerben. 

Der Schlägerhersteller Head, der Scharapowa vom Anfang des Doping-Skandals an beisteht, bestätigte ebenfalls seine Treue und betonte, dass es offensichtlich sei, dass die WADA Meldonium eher wegen der Menge der Athleten, die das Medikament konsumieren, als wegen wissenschaftlicher Erkenntnisse verboten habe.

Meldonium: Seit dem 1. Januar auf der Dopingliste der WADA.

Auch der Flaschenwasserproduzent Evian beschloss angesichts dessen, dass Scharapowa die Regeln ohne Absicht verletzt hatte, „die langjährige Beziehung zu der Meisterin aufrechtzuerhalten“.

Automobilhersteller Porsche will die endgültige Gerichtsentscheidung zur Sperrefrist abwarten und danach über die Fortsetzung der Partnerschaft entscheiden.

Das Schweizer Uhrenunternehmen Tag Heuer, das die Zusammenarbeit mit der Sportlerin im März auf Eis gelegt hatte, habe nun seinem Vorstandsvorsitzenden, Jean-Claude Biver, zufolge etwas Zeit, und weil sie für zwei Jahre gesperrt wurde, sei die Firma „nicht mehr in Eile, einen neuen Vertrag heute oder im nächsten Monat zu unterzeichnen“, und wird die Entscheidung später treffen.

Die Kosmetikmarke Avon beendet die Partnerschaft mit der Tennisspielerin , was aber nicht auf die Sperre zurückzuführen sei, sondern weil es ein „zeitlich begrenztes Engagement“ gewesen sei.

Wer fährt statt Scharapowa nach Rio?   

Der Vorsitzende des russischen Tennis-Verbandes, Schamil Tarpischtschew, gab bekannt, dass zu Olympia 2016 in Rio de Janeiro Jekaterina Makarowa statt Maria Scharapowa reisen wird:

„In unserer Olympia-Nennung ist bei uns alles einfach. Ausschlaggebend ist das Ranking, also ersetzt Makarowa durch die Disqualifikation Scharapowa “, zitierte ihn die Agentur TASS.

Die 28-jährige Makarowa belegt im Ranking der Women's Tennis Association (WTA) unter den russischen Tennisspielerin die fünfte Zeile und die Zeile 39 weltweit. Ihre Kolleginnen in der Nationalmannschaft sind im Dameneinzel Swetlana Kusnezowa (Rang 14), Anastassija Pawljutschenkowa (Rang 23) und Darja Kassatkina (Rang 31). Maria Scharapowa nahm vor der Disqualifizierung auf dieser Tennisweltrangliste Platz 26 ein, jetzt ist sie aber erst unter Rang 35.

Swetlana Kusnezowa und Anastassija Pawljutschenkowa beim Kremlin Cup 2015
Swetlana Kusnezowa und Anastassija Pawljutschenkowa beim Kremlin Cup 2015

Der Wechsel muss bis 18. Juli erfolgen – dem Tag, an dem spätestens auch der Internationale Sportgerichtshof (CAS) der Berufung von Scharapowas Urteil geben soll.

Meldonium-Verbot

Die fünfmalige Grand-Slam-Turniersiegerin Maria Scharapowa wurde in diesem Jahr bei den Australian Open positiv getestet. Das teilte die 28-Jährige im März bei einer Pressekonferenz in Los Angeles mit:

„Ich habe in den vergangenen zehn Jahren das Medikament Mildronate eingenommen, das mir mein Familienarzt gab“, sagte Scharapowa am Montag auf einer Pressekonferenz in Los Angeles. Sie habe erst vor kurzem erfahren, dass das Medikament die verbotene Substanz Meldonium enthält. „Dieses stand in diesen zehn Jahren nicht auf der Verbotsliste, so dass ich es legal einnahm. Doch ab dem 1. Januar haben sich die Regeln verändert.“ Sie habe einen großen Fehler gemacht, gestand Scharapowa ein:

„Ich muss die Verantwortung dafür tragen, es ist mein Körper. Ich kann niemandem außer mir selbst die Schuld dafür geben.“

Scharapowa war die erste russische Sportlerin, bei der das mittlerweile verbotene Meldonium entdeckt wurde. Danach stellte sich heraus, dass russische Sportler die bis Ende 2015 erlaubte Substanz massenweise konsumieren. Angesichts dessen musste die Internationale Anti-Doping-Agentur (WADA) ihre Regeln novellieren, sodass die Dopingtests, die bis 1. März genommen wurden und in denen der Meldoniumgehalt bei unter einem Mikrogramm lag, als negativ gelten. Dann könne davon ausgegangen werden, dass die Substanz zuletzt vor dem 1. Januar 2016 eingenommen wurde. Deshalb dürfen fast alle russischen Sportler, bei denen Meldonium entdeckt wurde, inzwischen wieder trainieren.