Was russische und türkische Politiker von Erdoğans Entschuldigung halten

Was russische und türkische Politiker von Erdoğans Entschuldigung halten
Der türkische Präsident, Recep Tayyip Erdoğan, hat dem russischen Staatschef, Wladimir Putin, einen Brief geschickt, in dem er sich für den Tod des russischen Su-24-Piloten entschuldigt. Was halten russische und türkische Politiker von dem Schritt Ankaras? Hierzu ein Meinungsüberblick von RT Deutsch.

Ein wichtiger Schritt, dem weitere folgen müssen

Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, meint, dass der türkische Staatschef in seinem Schreiben an Wladimir Putin einen sehr wichtigen Schritt für die Verbesserung der Beziehungen getan hat. Dennoch seien weitere Schritte notwendig, denn das Problem lasse sich in wenigen Tagen nicht beheben:

„Sie wissen, dass die russische Seite und Präsident Putin immer eine sehr konsequente Position bezogen haben. Präsident Putin hat mehrmals von dem Wunsch, gute Beziehungen zur Türkei und zum türkischen Volk aufrechtzuerhalten, und der Alternativlosigkeit dieser guten Beziehungen gesprochen sowie die zu erfüllenden Voraussetzungen für die Normalisierung dieser Beziehungen genannt.“

Der Pressesprecher Wladimir Putins teilte darüber hinaus mit, dass Putin und Erdoğan am Mittwoch miteinander telefonieren werden.

Besser spät als nie

Die Vorsitzende des Föderationsrates, Walentina Matwijenko, findet, dass die verspätete Entschuldigung des türkischen Präsidenten dennoch als Grundlage für die Wiederherstellung des Verhältnisses zu Ankara fungieren könnte:

„Es ist natürlich schade, dass sich die Entschuldigung etwas verspätet hat. Wie man aber in solchen Fällen zu sagen pflegt: Besser spät als nie. Innerhalb dieser Zeit ist es in unseren gegenseitigen Beziehungen zu gewissen negativen Prozessen gekommen. Das frühere Vertrauen ist verlorengegangen. Dennoch kann diese Botschaft zur Grundlage für das Auftauen und die stufenweise Wiederherstellung der russisch-türkischen Kontakte werden.“

Liegestühle im menschenleeren türkischen Badeort Kemer. Stand: 18. Juni 2016
Liegestühle im menschenleeren türkischen Badeort Kemer. Stand: 18. Juni 2016

Nicht rechtzeitig, aber richtig

Der Chef des Präsidialrats für Menschenrechte, Michail Fedotow, ist der Meinung, dass der Konflikt zwischen Russland und der Türkei sehr stark fortgeschritten sei, da die Entschuldigung nicht gleich nach dem Tod des Piloten vorgebracht worden sei, und dass beide Seiten unglaubliche Anstrengungen an den Tag legen müssten, um den Streit zu überwinden:

„Es ist natürlich gut, dass das türkische Staatsoberhaupt Russland eine offizielle Entschuldigung vorgebracht hat. In Russland sagt man allerdings: ʻDer Löffel ist gut, wenn zu Mittag gegessen wirdʼ. Ich bin mir sicher, dass dieser Konflikt nicht so stark fortgeschritten wäre, wenn diese Entschuldigung gleich nach dem Tod des russischen Piloten vorgebracht worden wäre. Jetzt einmal sind unglaubliche Anstrengungen beiderseits erforderlich, damit die von diesem Konflikt zugefügten Wunden ausheilen. Der Schritt der türkischen Seite hat nichtsdestoweniger eine große positive Bedeutung.“

Wiederaufbau der Beziehungen wird lange dauern

Der Leiter des Außenausschusses des Föderationsrates, Konstantin Kossatschjow, erklärte gegenüber RT, dass Erdoğans Versöhnungsschritt durch seine Misserfolge in der Außenpolitik bedingt sei.  

„Die Quantität scheint in die Qualität umgeschlagen zu sein. Damit meine ich die Zahl der Misserfolge, die Erdoğan und sein Kabinett in ihren außenpolitischen Ambitionen und Bestrebungen einstecken müssen. Es liegt auf der Hand, dass die Außenpolitik der Türkei in fast allen Richtungen gescheitert ist, und dass Erdoğan kleine politische Siege braucht, die er für seine eigenen ausgeben könnte“, so Konstantin Kossatschjow im Gespräch mit RT. „Man kann kaum davon sprechen, dass wir unter der heutigen Führung der Türkei wieder Freunde werden, wie wir es vor einem oder zwei Jahren gewesen sind. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das verlorene Vertrauen wiederhergestellt werden kann.“

Den Schaden wiedergutmachen

Der Chef der Republik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, hofft, dass die Türkei die am Abschuss des russischen Kampfjets schuldigen Personen zur Verantwortung ziehen wird.   

„Das zeugt davon, dass die Herangehensweise der russischen Führung zu diesem Problem seit den ersten Stunden nach dem Vorfall richtig war. Russland hat in dieser Frage eine harte Position bezogen sowie eine öffentliche Entschuldigung, den Schadensersatz, eine objektive Untersuchung und einen Prozess gegen die Mitschuldigen an dem Tod des russischen Piloten Oleg Peschkow gefordert. Wir hoffen darauf, dass die türkische Seite nun ihr artikuliertes Vorhaben, den Schaden wiedergutzumachen und die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen, erfüllt. Die Erkenntnis der Schuld ist ein erster Schritt, damit die zwischenstaatlichen Kontakte wieder in die richtige Bahn zurückkommen“, schrieb Ramsan Kadyrow in Instagram.

Президент Турции Реджеп Тайип Эрдоган письменно извинился перед Президентом России Владимиром Путиным за сбитый осенью 2015 года в небе над Сирией российский военный самолёт СУ-24 и гибель пилота Олега Пешкова. Это свидетельствует о правильности подхода руководства России к данной проблеме, начиная с первых же часов после инцидента. Россия занимала в этом вопросе жёсткую позицию, требуя публичных извинений, возмещения нанесённого ущерба и проведения объективного расследования и суда над причастными к гибели лётчика Олега Пешкова. Всем известно, что отношения между Россией и Турцией за прошедшее после катастрофы СУ-24 время серьёзно ухудшились. Это касается политических, экономических, культурных, гуманитарных связей. Последствия такого развития событий привели к фактическому краху туриндустрии Турции. Остались без работы десятки тысячи турецких строителей, возводивших объекты в России. Я твёрдо убеждён в том, что действия российского руководства носили исключительно правильный характер, ситуация требовала жестких оценок, решений и требований. Есть случаи, когда жизнь гражданина России, честь страны нельзя оценивать никакими миллиардами. Честь дороже и превыше всего! Президент России Владимир Путин ещё раз доказал, что наше Отечество - Великая держава, с которой лучше столетиями дружить, чем один раз испортить отношения. Мы выражаем надежду на то, что турецкая сторона реализует озвученные намерения о готовности решить проблему возмещения ущерба, привлечения к ответственности виновных. Я убеждён, что Россия никогда не ставила цель беспричинно разорвать отношения с Турцией. Вина за инцидент полностью ложилась на турецкой стороне. Признание вины - первый шаг на пути возвращения межгосударственных связей в нормальное русло. Мы выражаем надежду, что улучшение отношений будет способствовать и сближению позиций по вопросам совместной борьбы с терроризмом.

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Entspannung in den NATO-Beziehungen

Der ehemalige türkische Botschafter in den Vereinigten Staaten, Osman Loğoğlu, meint, dass Erdoğan eine richtige Entscheidung getroffen hat, von der die Türkei profitieren wird: 

„Ich glaube, die Türkei hat eine weise Entscheidung getroffen, indem sie die aktuellen Beziehungen zu den Nachbarstaaten, darunter Russland, revidiert. Ich führe die neue Initiative von Präsident Erdoğan in erster Linie auf die Erkenntnis der nationalen Interessen der Türkei zurück. Natürlich können solche Beschlüsse weder leicht noch spontan sein. Man muss auch auf die Meinung der Verbündeten hören“, so Osman Loğoğlu. „Die USA und die NATO im Allgemeinen dürften über den Zustand der russisch-türkischen Beziehungen besorgt gewesen sein. Also wird wohl diese Entschuldigung, die Erdoğan im Vorfeld des NATO-Gipfels im Juli in Warschau vorgebracht hat, die Atmosphäre in der Allianz entspannen.“

Bedeutungsvoller Schritt für Entwicklungen in Syrien und Irak

Daoud Khairallah, Professor für Recht an der Georgetown University, erklärte im Gespräch mit RT, dass Erdoğans Brief zum Frieden in der Region beitragen wird:

„Die von Erdoğan vorgebrachte Entschuldigung für das abgeschossene Flugzeug und den Tod des russischen Piloten ist ein positiver Schritt. Mehr noch: Man kann darauf hoffen, dass sie zum Frieden in der Region beitragen wird, insbesondere wenn man die Rolle der Türkei beim Aufheizen der Konflikte in Syrien und im Irak berücksichtigt. Denn Ankara hat das Einschleusen einer Unzahl an Terroristen aus der ganzen Welt in diese Länder gefördert. Die Normalisierung der Beziehungen zwischen Russland und der Türkei könnten Erdoğan freilich davon überzeugen, die Kampfhandlungen einstellen zu lassen, die den Einwohnern der Region viel Leid zufügen.“

Hoffnung auf positive Reaktionen aus Russland

Der frühere Außenminister der Türkei, Yaşar Yakış, ist der Meinung, dass Erdoğans Entschuldigung der erste Schritt zur Wiederherstellung der russisch-türkischen Beziehungen werden musste. 

„Sieben Monate bedeuten nichts. Ich möchte, dass dies von Anfang an getan worden wäre, und dass wir so viele Schwierigkeiten nicht hätten durchmachen müssen. Aber besser spät als nie. Ich glaube, Russland wird darauf positiv reagieren und wir werden die Krise, in der wir uns seit vielen Monaten befinden, allmählich überwinden. Das ist im Interesse der beiden Länder“, so Yaşar Yakış im Gespräch mit RT.

Letztes Geleit für Oleg Peschkow
Letztes Geleit für Oleg Peschkow

Am 24. November 2015 hatte eine türkische F-16 über Syrien einen russischen Su-24-Bomber abgeschossen. Die Piloten konnten sich zwar katapultieren, aber einer von ihnen, Oleg Peschkow, wurde vom Boden aus erschossen.

Die Türkei behauptet, dass der russische Kampfjet ihren Luftraum verletzt habe. Das Verteidigungsministerium Russlands bestreitet das.

Trends: # Abschuss der Su24 über Syrien