Völlig im Aus: Wann und wofür Nationalmannschaften gesperrt wurden

Völlig im Aus: Wann und wofür Nationalmannschaften gesperrt wurden
Laut Medienberichten konnte das Internationale Olympische Komitee (IOK) auf seinem Gipfeltreffen in Lausanne die Entscheidung treffen, die russische Nationalmannschaft von den Olympischen Spielen 2016 zu sperren. Die Organisation hat dennoch beschlossen, dass das russische Team nach Rio de Janeiro fährt. In der Sportgeschichte hat es nur einige wenige Fälle gegeben, in denen ganze Nationalauswahlen disqualifiziert wurden. RT lässt Revue passieren.

Die älteste Disqualifizierung

Die Fälle, wenn man eine ganze Nationalmannschaft zum Olympia nicht zugelassen hat, kann man an den Fingern einer Hand abzählen. Einer der ersten Fälle ereignete sich während der 90. Olympischen Spiele im Jahr 420 vor unserer Zeitrechnung im Antiken Griechenland.

Damals wurden die Spartaner von der Veranstaltung suspendiert, weil ihre Polis während der Wettkämpfe Militärmanöver abhielt. Zuvor hatte man allerdings die antiken Sportler mit einer Geldbuße belegt. Sparta wurde endgültig disqualifiziert, nachdem es verweigert hatte, die Strafe zu zahlen. Abgesehen von dem Verbot nahm der spartanische Wagenlenker Lichas am Wagenrennen als Theben-Einwohner teil und siegte. Auf seinen Lorbeeren konnte er sich nur kurz ausruhen: Als man dahinterkam, das er doch aus Sparta stammte, wurde sein Sieg annulliert.                  

Die längste Disqualifizierung

Am längsten wurden zwei afrikanische Länder gesperrt – und zwar Südafrika und Simbabwe. Das IOK suspendierte das erstere Land von der Sommerolympiade 1964 in Tokio, nachdem die UNO eine Anti-Apartheid-Resolution verabschiedet hatte. Das afrikanische Land durfte erst im Jahr 1992, nach einer 28-jährigen Pause, in Barcelona wieder antreten.

Simbabwe, das damalige Rhodesien, musste für seinen Wunsch, eine von Großbritannien unabhängige Politik zu verfolgen, mit dem Ausschluss von den Olympischen Spielen bestraft. Das Land wurde von den Wettkämpfen in München ausgeschlossen, als in Simbabwe ein Bürgerkrieg zwischen den von der Britischen Krone unterstützten Regierungstruppen und den Freiheitskämpfern ausbrach.

Nachdem London 1980 die Unabhängigkeit des afrikanischen Staates anerkannt hatte, wurden auch die Sanktionen aufgehoben.                

Die größte Disqualifizierung

Das Nationale Olympische Komitee (NOK) Indiens wurde vom IOK im Dezember 2012 vorübergehend ausgeschlossen, nachdem sich der Staat in den Wahlprozess eingemischt hatte. Bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi starteten die qualifizierten Sportler aus Indien zunächst als unabhängige Teilnehmer.

Am 11. Februar, vier Tage nach dem Olympiabeginn, wurde die Disqualifizierung mit sofortiger Wirkung aufgehoben, sodass die Inder unter ihrer Staatsflagge antreten durften.

Die skandalösesten Disqualifizierungen der letzten Jahre passierten allerdings außerhalb der Olympischen Bewegung.

Die bürokratischste Disqualifizierung

Der russische Basketballverband (RFB) wurde von der Internationalen Basketball-Föderation (FIBA) innerhalb von zwei Jahren zweimal ausgeschlossen. Im Sommer 2015 weigerte sich die FIBA mit dem RFB wegen der intransparenter Situation um die Leitung des russischen Verbandes zusammenzuarbeiten.

Später wurde die RFB-Präsidentin, Julia Anikejewa, wegen Veruntreuung von Staatsgeldern angeklagt und abgesetzt. Die Sanktionen wurden aufgehoben. Zum neuen RFB-Präsident wurde der bekannte Basketballspieler Andrej Kirilenko. Wie dem auch sei, der Skandal kostete den russischen Sportlern eine Weltmeisterschaft.

Nach einem Jahr wiederholte sich die Situation: Am 16. April 2016 schloss die FIBA Russland von der Europa-Meisterschaft aus. Doch diesmal stand das Land nicht alleine da. In ihrem Wunsch, die Teilnehmerländer zum Austritt aus der ULEB Euroleague anzuregen, suspendierte die FIBA insgesamt 13 Auswahlen, darunter die von Italien, Spanien, Israel, Polen und der Türkei. Nach einem Monat wurde die Suspendierung rückgängig gemacht.      

Russische Basketballspieler bei den Europaspielen 2015 in Baku
Russische Basketballspieler bei den Europaspielen 2015 in Baku

Die schwerwiegendste Disqualifizierung

Im Oktober 2007 disqualifizierte die Internationale Powerlifting-Föderation (IPF) die ganze russische Powerlifting-Auswahl von einem Wettkampf, nachdem die Dopingproben einiger russischer Gewichtheber positiv ausgefallen waren.

Obwohl die Sperrfrist ein Jahr gelten sollte, wurde die Disqualifizierung nach ein paar Monaten rückgängig gemacht. Das Glück dauerte nicht lange: Bald danach wurde Juri Fedorenko beim Gebrauch eines verbotenen Diuretikums erwischt. Der Sportler wurde für zwei Jahre gesperrt. Die Auswahl durfte sich ein halbes Jahr lang zu keinem Wettbewerb stellen. 2009 wurden drei Athleten wieder beim Dopinggebrauch ertappt. Diesmal wurden aber nur die Straftäter disqualifiziert.