Überblick: Wie berichten russische Medien über den Brexit?

Überblick: Wie berichten russische Medien über den Brexit?
Das Referendum in Großbritannien hat nicht nur innerhalb der EU hohe Wellen geschlagen. Auch in Russland wurde das Ergebnis genau beobachtet. Wie russische Medien darüber berichten – hier ein Überblick.

Kommersant

Der Kommersant berichtet, dass der Brexit die wirtschaftliche Stabilität in der Welt gefährdet. Das hätte auch Auswirkungen auf Russlands Wirtschaft. Sollten Rating-Agenturen Englands Wirtschaft herabstufen, würde das zu sinkenden Öleinnahmen und einer Schwächung des Rubels in Russland führen. Jedoch, so zitiert die Zeitung Finanzministerium Anton Siluanov, werden die Effekte nicht so weitreichend einschlagen wie die schon überstandenen Krisen.

„Eine unangenehme Entwicklung. Allerdings ist diese Volatilität viel geringer als das, was wir schon erlebt haben. Aus diesem Grund wird die Auswirkung auf die inländische Wirtschaft begrenzt sein.“

Jedoch wären Hoffnungen bezüglich einer Stabilisierung der weltwirtschaftlichen Märkte verfrüht gewesen. 

Vedomosti

Vedomosti bietet einen ausführlichen Bericht über das Referendum und sein Ergebnis. Zitiert werden Bundeskanzlerin Angela Merkel, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und EU-Präsident Martin Schulz. Jedoch auch Geert Wilders, Vorsitzender der rechtspopulistischen Partij voor de Vrijheid und Marine Le Pen, Vorsitzende der Front National. Es werden auch Pro und Contra des Referendums gegenübergestellt. Schwerpunkt bilden hier aber besonders die Auswirkungen auf die Wirtschaft.

Berichtet wurde vor allem, dass das Pfund und der Euro sehr stark gefallen sind. Auch die negativen Auswirkungen auf die Banken werden thematisiert. Genauso wie die steigende Nachfrage nach Gold und der sinkende Ölpreis. Zitiert werden Firmen mit Sitz in London. 

Nesawisimaja Gazeta

Auch in der Nesawisimaja Gazeta geht es neben der Abstimmung um die wirtschaftlichen und politischen Folgen. Sowohl für Großbritannien als auch für Europa. So wird auf die Möglichkeit eines weiteren Referendums in Schottland verwiesen und der „nie dagewesenen Begeisterung“ unter den EU-Skeptikern innerhalb Europas. Die wirtschaftlichen Auswirkungen auf Russland werden als eher geringfügig angesehen. Mit Verweis auf den ehemaligen Finanzminister Alexei Kudrin geht man von einer eher kurzfristigen Instabilität der Märkte aus, die sich aber kaum auf Russland auswirken dürfte.

„Wir haben eigene Probleme, die wir stärker spüren.“

Doch wird Europa und Großbritannien wirtschaftlich geschwächt aus der Situation herausgehen.

Der Chef der Sberbank, German Gref, wird mit der Annahme zitiert, dass der russische Aktienmarkt um 10 Prozent fallen wird. Dies wird aber nur ein kurzfristiger Einbruch sein, so seine Meinung.     

Auswirkungen auf die Sanktionen zwischen der EU und Russland werden nicht gesehen. Die Zeitung berichtet auch von dem Tweet des ehemaligen US-Botschafters in Russland Michael McFaul, der Russland als einen Sieger des Referendums darstellte. 

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Schwerpunkt der Berichterstattung sich auf die Wiedergabe der einzelnen Zitate beschränkt und die wirtschaftlichen Folgen. Hier spielen auch die Auswirkungen auf die russische Wirtschaft eine große Rolle. Bisher gibt es jedoch noch keine direkte oder genaue Analyse über mögliche Auswirkungen für Russland. Mit Sorge berichten die Medien über die sinkenden Währungen und den Preisverfall beim Öl.