22. Juni 1941 - Gedenken in Russland, Ukraine, Belarus und dem Baltikum

22. Juni 1941 - Gedenken in Russland, Ukraine, Belarus und dem Baltikum
Am 22. Juni 1941 begann das „Unternehmen Barbarossa“, der Überfall Nazideutschlands auf die Sowjetunion. Es folgte ein Vernichtungskrieg, dem 27 Millionen Sowjetbürger zum Opfer fielen. Die meisten davon Zivilisten. Auch wenn die Rote Armee gewann – der Preis war hoch. Gestern wurde in vielen Teilen der Welt der Opfer gedacht.

Russland

Der russische Präsident Wladimir Putin und die Abgeordneten in der Duma haben in Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkrieges eine Schweigeminute eingelegt. Vor dem Ewigen Feuer beim Grab des Unbekannten Soldaten legte Putin einen Kranz nieder.

"Das sowjetische Volk hatte den schwersten Schlag auf sich genommen und dem Feind mit geeintem, massivem Widerstand geantwortet. Es stand im wahrsten Sinne bis zum Tod, um das Vaterland zu verteidigen, und hatte den Aggressor endgültig in seiner Höhle zerschlagen, den großen Sieg errungen."

In ganz Russland finden traditionell verschiedene Veranstaltungen statt. Viele davon beginnen um vier Uhr in der Nacht, dem Moment des Überfalls. So lassen Hinterbliebene "Kerzen der Erinnerung" auf der Moskwa schwimmen. Am Vorabend fahren die sogenannten "Erinnerungszüge" von St. Petersburg und Moskau nach Minsk und Brest. Im Verlauf der Fahrt soll so eine direkte Kommunikation zwischen den Generationen gefördert werden. Die Veteranen sollen ihre Geschichten an die junge Generation weitergeben. 

Präsident Putin legt Blumen nieder am Denkmal der für die Helden der Stadt im Alexanergarten
Präsident Putin legt Blumen nieder am Denkmal der für die Helden der Stadt im Alexanergarten

Belarus

In Belarus wurde an der Mauer der Festung Brest den gefallenen Soldaten und Zivilisten gedacht. In der Sowjetunion steht die Festung für den Einfall der deutschen Armee und der Verteidigung durch die Rote Armee. 

An dem Terespoter Tor der Festung wurden um vier Uhr morgens Kerzen angezündet und Blumen niedergelegt. An der Zeremonie "Kerzen der Erinnerung" nahmen Veteranen, Soldaten und Delegierte aus Russland, der Ukraine und anderen Ländern teil. Die Schlacht von Brest wurde rekonstruiert und nachgespielt.

Brest spielt in der deutschen Erinnerungskultur kaum eine Rolle. Doch für Belarus und die anderen überfallenen Länder steht die Festung für den Widerstand und die Opferbereitschaft im Kampf gegen die deutsche Armee.

In der Nacht zum 22. Juni befanden sich in der Festung etwa 9.000 Soldaten und ihre Familien. Die deutsche Armee wollte die Festung über Nacht einnehmen, aber daraus wurde ein tagelanger Kampf, bei dem es auf beiden Seiten zu unzähligen Toten kam. Die Festung wurde letztendlich eingenommen – doch bezahlte die deutsche Armee dies mit hohen Verlusten.

Denkmal "Festung Brest"
Denkmal "Festung Brest"

Ukraine

Die ukrainische Regierung hat an der Kranzniederlegung am Grab des Unbekannten Soldaten teilgenommen. Petro Poroschenko erinnerte an die Tragödie:

"An diesem traurigen Tag vor 75 Jahren kam der Krieg zu uns, welcher nicht eine Familie verschonte, der unzählige Opfer forderte und Ruinen und Verwüstung hinterließ."

Er erinnerte daran, dass in der Roten Armee neun Millionen Ukrainer kämpften und "fast die Hälfte von ihnen ihr Leben im Kampf für die Heimat und die Freiheit der Völker Europas gaben".  

Im Jahre 2015 hat die Werchowna Rada beschlossen, den Begriff "Großer Vaterländischer Krieg" durch die Bezeichnung "Zweiter Weltkrieg" zu ersetzen. Denn nach Ansicht der Kiewer-Regierung stellt der Begriff "'Großer Vaterländischer Krieg' ein Relikt aus sowjetischer Zeit" dar. 

Wladimir Ermakow, Veteran des Zweiten Weltkrieges. Ausgezeichnet mit der Tapferkeitsmedaille für "Persönliche Tapferkeit bei der Verteidigung des Vaterlandes".
Wladimir Ermakow, Veteran des Zweiten Weltkrieges. Ausgezeichnet mit der Tapferkeitsmedaille für "Persönliche Tapferkeit bei der Verteidigung des Vaterlandes".

Litauen

In mehreren Städten des Landes wurde auch hier die Aktion "Kerzen der Erinnerung" durchgeführt. Sie begann am Ewigen Feuer des Unbekannten Soldaten in Vilnius. Um genau vier Uhr wurden die Kerzen angezündet. 

Der russische Botschafter in Litauen Alexander Udaltsov, politische Vertreter und verschiedene soziale Bewegungen legten Blumen am Grab des Unbekannten Soldaten nieder.