One Belt, One Road: Präsident Wladimir Putin besucht China

Wladimir Putin und Xi Jinping auf einem Treffen der Shanghai Cooperation Organization (SCO) in Ufa, Russland, am 10. Juli 2015.
Wladimir Putin und Xi Jinping auf einem Treffen der Shanghai Cooperation Organization (SCO) in Ufa, Russland, am 10. Juli 2015.
Am Wochenende wird der russische Präsident bereits zum 13. Mal mit Xi Jinping zusammentreffen. In den letzten Jahren haben sich die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern deutlich intensiviert. Im Mittelpunkt stehen Infrastrukturen und Energiebeziehungen. Mit den chinesischen Investitionen können die Unternehmen Russlands zu größten Teilen die Folgen der Finanzsanktionen durch den Westen abfangen. China intensiviert seine Projekte im Rahmen der „One Belt, One Road“-Initiative.

Am Samstag wird Russlands Präsident Wladimir Putin erneut die Volksrepublik China besuchen. Die beiden Politiker wollen weitere Maßnahmen diskutieren, um die russisch-chinesische Zusammenarbeit zu stärken. Nach Ansicht der russischen Regierung arbeitet man in einer „vertrauensvollen Partnerschaft unter Gleichen“ zusammen, wie der Kreml am Dienstag betonte.

Im Mittelpunkt der Gespräche werden der Handel und die wirtschaftliche Entwicklung stehen. Die russische Wirtschaft sucht seit zwei Jahren aktiv nach alternativen Quellen für Investitionen. Auf staatlicher Ebene bestehen enge Kooperationen in den Bereichen Forschung und Technologie sowie bei kulturellen Beziehungen.

Seit dem dritten Gipfeltreffen der BRICS-Staaten im Jahr 2011 entwickeln sich zwischen beiden Ländern zunehmend engere Beziehungen. Besonders zwischen Putin und seinem Partner auf der chinesischen Seite scheint die Chemie zu stimmen.

Seitdem Xi Jinping im Jahr 2013 sein Amt antrat, hat er Russland bereits fünf Besuche abgestattet. Im selben Zeitraum reiste Wladimir Putin drei Mal nach China. Alles in allem trafen die beiden in den letzten drei Jahren zwölf Mal zusammen. Damit handelt es sich bei Putin um den ausländischen Staatschef, den Xi Jinping am häufigsten getroffen hat.

Gerade in der vergangenen Woche unterzeichneten russische Unternehmen eine Reihe von Geschäften mit China auf dem Petersburger Wirtschaftsforum. Viele davon zielen darauf ab, die Transportkorridore sowohl innerhalb von Russland, als auch zwischen China und Russland zu stärken. Alleine 600 Millionen Dollar werden beide Länder investieren, um China mit dem russischen Pazifikhafen Zarubino zu verbinden.

Dort wird eine Hochgeschwindigkeitsbahn nach dem Vorbild des „California Hyperloop“ entstehen. Außerdem beteiligen sich chinesische Unternehmen daran, die konventionelle Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Moskau und Kazan auszubauen. Die Formalien für beide Verträge sollen vermutlich auf dem Östlichen Wirtschaftsforum im September abgeschlossen werden.

China intensiviert damit seine Projekte im Rahmen der „One Belt, One Road“-Initiative, die eine Landverbindung über Russland nach Europa ermöglichen soll. Beide Länder engagieren sich intensiv in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit. Dazu gehören neben China und Russland genau diejenigen Staaten, die an der „Neuen Seidenstraße“ liegen: Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan. Noch in dieser Woche sollen zudem Indien und Pakistan in den Kreis aufgenommen werden.

Das weltgrößte chinesische Container-Schiff

Für beide Länder stehen neben den Infrastrukturen natürlich die Energiebeziehungen im Mittelpunkt. Erst im April haben beide Länder für das russische Flüssiggasprojekt auf der Jamal-Halbinsel einen Kreditvertrag mit chinesischen Banken im Wert von mehr als 12 Milliarden Dollar unterzeichnet.

Die Darlehen mit einer Laufzeit von 15 Jahren setzen sich zusammen aus einer Finanzierung von 10,6 Milliarden Dollar von der Export-Import Bank of China und weiteren 1,5 Milliarden von der China Development Bank. Damit ist der externe Finanzierungsbedarf des Projekts voll gedeckt.

Für das technologische Zukunftsprojekt bedeutet dieser Abschluss einen Durchbruch. Ursprünglich hatte das Yamal-LNG-Projekt wortwörtlich auf Eis gelegen, weil infolge der westlichen Sanktionen der Zugang zu westlichen Kapitalmärkten versperrt war. Die Kredite ermöglichen es, bis zum nächsten Jahr mit der Herstellung von verflüssigtem Erdgas zu beginnen. Russland hält die größten Erdgasreserven der Welt und Chinas Nachfrage nach Erdgas wächst rasant. Schon jetzt ist Russland der größte Lieferant für Erdöl für China.