Juncker in Russland: Ich bin hier, um Brücken zu bauen, auch wenn einige diese Idee nicht mögen

Juncker in Russland: Ich bin hier, um Brücken zu bauen, auch wenn einige diese Idee nicht mögen
Trotz starkem Gegenwind aus Brüssel und den USA hat sich der Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, für einen Besuch beim internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg und ein persönliches Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, entschieden. „Wir sollten mit Russland reden, auch wenn einige die Idee radikal finden. Für mich ist es gesunder Menschenverstand", erklärte Juncker in seiner Rede:

RT Deutsch dokumentiert die prägnantesten Zitate aus Jean-Claude Junckers Rede beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg im Wortlaut.

Einige mögen die Idee nicht, dass ich hier bin. Ich finde sie gut!

„Warum bin ich heute hier? Da gibt es jene, die die Idee mögen und jene, die sie nicht mögen. Aber ich finde die Idee gut, hier zu sein. In den kommenden Wochen wird die Europäische Union und ihre Mitgliedsstaaten eine Menge von wichtigen Treffen haben. Wir haben viele Stunden über unsere Beziehungen mit Russland gesprochen. Ich bin der Meinung, dass wir genauso mit Russland sprechen sollten. Mit seiner Führung und den Menschen. Für manche mag das eine radikale Idee sein, für mich ist das gesunder Menschenverstand. […] Ich habe von Beginn meiner politischen Arbeit an dafür gearbeitet, Brücken zu bauen und für Dialoge. Ich glaube, dass der Frieden und der Wohlstand der Menschheit in der Offenheit und dem Austausch liegen.“

Wir sind voneinander abhängig.

„In der heutigen Welt von 2016 sind unsere Wirtschaften und Gesellschaften eng miteinander verflochten. Die Europäische Union und Russland sind da keine Ausnahme. Millionen von Menschen kommunizieren und handeln jeden Tag miteinander. Russische Bürger erhalten mehr Schengen-Visa als alle anderen: alleine 2015 über 3 Millionen. Und ebenfalls im Jahr 2015 tauschten wir Waren und Dienstleistungen im Wert von 210 Milliarden Euro. Und es geht hier um weit mehr als eine Frage des Handels. Heute, und das trotz unserer Differenzen, arbeitet die Europäische Union mit Russland zusammen, um eine Reihe von globalen Fragen und regionalen Konflikten zu bewältigen, von der Bekämpfung des Terrorismus über zum Atomprogramm im Iran und dem Konflikt in Syrien. Also, das ist unser Ausgangspunkt : Wir sind voneinander abhängig.“

Unsere Beziehungen sind nicht irreparabel und ich bin hier, um eine Brücke zu bauen.

„Auch wenn unsere Beziehungen heute erschüttert und von Misstrauen geprägt sind, sind sie noch lange nicht gebrochen oder irreparabel. Wir müssen sie reparieren, und ich glaube, dass wir das können. Ich habe immer an die Kraft des Dialogs geglaubt. Wenn unsere Beziehungen angespannt sind, müssen wir weitersprechen. Auch wenn die wirtschaftlichen Sanktionen in Kraft sind, müssen wir die Tür offen halten. Und wenn ich hier heute mit Ihnen bin, dann deshalb, weil ich eine Brücke bauen will. Ich kenne Präsident Putin seit vielen Jahren. Wir sprechen oft, und wir reden offen - sehr offen. Wenn wir heute ein offenes Gespräch brauchen, wird es nicht das erste sein, und wahrscheinlich nicht das letzte. Wir werden so lange reden, wie es nötig sein wird.“

Für uns steht ein großer Preis auf dem Spiel

„Ich glaube, wir müssen eine Wahl treffen. Es stimmt, dass die Geschichte oft unsere Völker geteilt hat. Selbst jetzt, wo das zwanzigste Jahrhundert in die Vergangenheit zurückgeht, liegen noch immer die Schatten über uns. Und heute, trotz unserer schweren Last, sind wir frei, unseren Weg für die Zukunft zu wählen. Unsere heutige Welt ist zerbrechlich und unsicher wie nie zuvor. Wir sind wirklich ins Zeitalter der Zersplitterung geraten. Und in dieser Welt, hat Russland eine Chance - und auch eine Pflicht, würde ich sagen - seine Macht zu nutzen, für das Wohl, mit der Europäischen Union als Partner zusammenzuarbeiten. Für die Europäische Union und Russland könnte eines Tages ein großer Preis dabei raus springen: eine große Region, bestimmt durch die Herrschaft des Rechts, des freien Handels und der Zusammenarbeit an gemeinsamen Projekten. Natürlich wird das nicht über Nacht geschehen, aber es ist auch keine Utopie. Es ist etwas, das - mit gutem Willen und Ehrgeiz auf beiden Seiten - im besten Interesse unserer Bürger wäre.“

Wir werden unsere Beziehungen vertiefen

„Heute bilden die russischen Studenten und Jugendarbeiter die größte Teilnehmeranzahl im Erasmus-Plus-Programm. Im vergangenen Jahr haben mehr als 3.000 junge Menschen am Austausch zwischen der Europäischen Union und Russland teilgenommen. Das ist gut, aber wir wollen mehr tun. Die europäische Zivilgesellschaft wird weiterhin mit unseren russischen Partnern zusammenarbeiten. Wir werden unsere Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur vertiefen. Und ich hoffe, dass Russland das Gleiche tun will, weil eine lebendige Zivilgesellschaft und freie Medien die Grundlage einer stabilen Demokratie sind. Indem wir unsere Leute auf allen Ebenen näher zusammenbringen, bauen wir Vertrauen und ein gemeinsames Verständnis auf, dass eine friedliche und prosperierende Gesellschaft nur auf den Grundfreiheiten der Demokratie, der Menschenrechte und der Rechtsstaatlichkeit aufgebaut werden kann.“

Wir sollten damit beginnen, uns auf eine bessere Zukunft zu konzentrieren:

„Meine Damen und Herren, wir haben keine Illusionen über die Probleme, die heute auf unserer Beziehung lasten. Sie existieren. Sie sind real. Es wäre sinnlos, möglicherweise gefährlich, sie zu ignorieren. Stattdessen sollten wir sie dringend angehen, damit wir uns auf eine bessere Zukunft für unsere Länder und Völker konzentrieren können, von der unsere Nachbarschaft profitieren werden.“


Video: Juncker trifft Putin am Rande des internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg:

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