Neuer Soft Power-Index der einflussreichsten Länder: Deutschland auf Platz 3, Russland auf Platz 27

Neuer Soft Power-Index der einflussreichsten Länder: Deutschland auf Platz 3, Russland auf Platz 27
Die britische PR-Agentur Portland hat einen Index der einflussreichsten Länder im Bereich "Soft Power" herausgebracht. Zum ersten Mal befindet sich auch Russland darunter auf Platz 27. Die Liste wird von den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Deutschland angeführt. Die Liste wird angesichts ihres starken "Westzentrismus" hinterfragt. So liegen etwa Länder wie Belgien oder Finnland in der Liste weit vor China, was deren angeblichen weltweiten Soft Power-Einfluss angeht.

Unter Soft Power versteht man die Fähigkeit eines Staates, andere Länder anstatt mit Waffen und Geld mit kulturellen und zivilgesellschaftlichen Werten zu beeinflussen. Portland untersucht jährlich die Soft Power verschiedener Länder. Erstmals ist dieses Jahr Russland dabei. Auch Ungarn (Platz 26) und Argentinien (Platz 30) befinden sich erstmalig in der Liste. Vor einem Jahr befand sich Russland noch in den Top 50 der Rangliste, nun hat es Rang 27 belegt.

Deutschland nimmt Platz drei in der Liste ein und ist damit um einen Platz im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Als Grund geben die Autoren Merkels „Willkommenskultur“ an. Diese habe das Land innerhalb Europas isoliert und den Zuwachs eines rechten Sektors beflügelt. Es sind vor allem die starke deutsche Wirtschaft und niedrige Lebenshaltungskosten, welche das Land aber nach wie vor für Ausländer zu einem attraktiven Land machen.

Laut Portland hat sich Russlands Image in der Welt seit den 2000er Jahren verbessert. Trotz „Rückschlägen“ aufgrund des Ukraine-Konfliktes und der Krim hat es Russland geschafft, durch Sender wie RT eigene Werte und Sichtweisen weltweit zu vermitteln. Außerdem konnte sich das Land als diplomatische Kraft neben den Vereinigten Staaten bei der Lösung globaler Probleme etablieren. Weiterhin werden die russische Wirtschaft und die hohe Migrationswelle aus Zentralasien als positive Aspekte genannt. Negativ bewertet die Agentur die sogenannten „Anti-Homosexuellengesetze“ in Russland aus dem Jahre 2013 und jüngste Veränderungen in der Innenpolitik.

Die Studie bewertet eine Vielzahl von Kriterien für die Attraktivität und den Einfluss der Staaten. Der endgültige Index setz sich zusammen aus zwei Teilen – objektive (70 Prozent) und subjektive (30 Prozent) Indikatoren.

Zu den objektiven Indikatoren zählen die Autoren Governance, Ausbau der Informationstechnologie, Kultur, Businessklima, Bildung, das Netzwerk diplomatischer Vertretungen und die Beteiligung an der Lösung globaler Probleme. Subjektive Indikatoren sind Befragungen, die in 25 Ländern innerhalb jeder Region durchgeführt wurden. Die Befragten mussten ihre Einstellung zur nationalen Küche, zur Popularität im Land produzierter technischer Produkte und Luxusgüter angeben. Aber auch nach Wohlstand, der Einstellung zur Kultur und zu den Kompetenzen des eigenen Staates wurde gefragt.

Von den Top 30 Länder befinden sich gerade mal elf Länder außerhalb Europas. Darunter die Vereinigten Staaten (Platz 1), Kanada (Platz 4), Australien (Platz 6), Japan (Platz 7), Neuseeland (Platz 16), Singapur (Platz 19), Südkorea (Platz 22), Brasilien (Platz 24), Russland (Platz 27), China (Platz 28) und Argentinien (Platz 30). Eine gewisse Westzentrierung ist unübersehbar.