IHS-Studie zu Waffenexporten: Deutschland 3. Platz, Baltikum und Polen dynamischste Rüstungsmärkte

Internationale Waffenmesse in London, 2015.
Internationale Waffenmesse in London, 2015.
Der globale Handel mit Rüstungsgütern ist im vergangenen Jahr in einem Rekordtempo gewachsen. Demnach ist das Handelsvolumen im internationalen Verteidigungsgeschäft 2015 um 6,6 Milliarden US-Dollar auf 65 Milliarden angestiegen. Der am schnellsten wachsende Rüstungsmarkt ist dabei das Baltikum in unmittelbarer Nachbarschaft zu Russland. Das geht aus einer aktuellen Studie des militärwissenschaftlichen Think Tanks IHS Jane´s aus Großbritannien hervor.

Das Wachstum auf dem Rüstungsmarkt wird durch zahlreiche Konfliktherde in Osteuropa, dem Nahen Osten und dem Südchinesischen Meer befeuert. Insbesondere der französische Rüstungssektor erlebt eine beachtliche „Wiederbelebung“, wurde im IHS Jane´s-Bericht, der am Sonntag veröffentlicht wurde, bekanntgegeben. IHS prognostiziert, dass der internationale Handel mit Verteidigungsgütern 2016 auf 69 Milliarden US-Dollar ansteigen werde.

Die Liste der Top-Rüstungsimporteure wird von einer Reihe von Staaten aus dem Nahen Osten angeführt, die allein 2015 Verteidigungsgüter und Dienstleistungen im Wert von 21,6 Milliarden US-Dollar aufgekauft hatten.

Allein schon die Golfstaaten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate importierten demnach militärische Güter im Wert von insgesamt 11,4 Milliarden US-Dollar. Dieser Wert entspricht etwa 17,5 Prozent der gesamten weltweiten Rüstungsimporte – und ist höher als die Summe der Importe aller Staaten in Westeuropa. Diese importierten zusammengerechnet Kriegsmaterial in Höhe von 8,6 Milliarden US-Dollar.

Die USA sind ein weiteres Mal der weltweit größte Waffenexporteur der Welt. Während die USA 2009 noch Kriegsgerät für 12,9 Milliarden US-Dollar ausführten, stieg der Wert 2015 auf 22,9 Milliarden.

Frankreich: Die unerwartete „Überraschung“

Der Autor der Studie IHS-Analyst Ben Moores kommentierte auf Anfrage des US-Fernsehsenders CNBC, eine der größten Überraschungen sei die „Wiederbelebung“ des französischen Verteidigungssektors gewesen. Die Franzosen verkauften im vergangenen Jahr Kriegsgüter im Wert von 18 Milliarden US-Dollar. 2014 hatte der Wert noch bei acht Milliarden kursiert:

„Frankreich ist sehr beeindruckend. Es ist kaum bekannt, dass ein wichtiger Exportzweig seinen Umsatz binnen 24 Monaten verdoppeln konnte.“

Der Aufwärtstrend wird vor allem durch eine wachsende Nachfrage nach Luftfahrttechnologien im Nahen Osten getrieben, erklärte Moores. Frankreich sei schneller als die USA in der Lage, an Kunden zu liefen. In Washington müssten Exporte zunächst von der Regierung und anschließend vom Parlament bestätigt werden. Bei diesem Tempo könnte Frankreich Russland als weltweit zweitgrößten Verteidigungsexporteur bis 2018 ablösen, prognostiziert der Bericht.

Nach den USA und Russland ist Deutschland der drittgrößte Kriegsgerätsexporteur der Welt. Laut IHS kletterte das Land im vergangenen Jahr vom fünften auf den dritten Platz hoch.

2015 verkauften deutsche Firmen Waffen und Dienstleistungen für 4,78 Milliarden US-Dollar. Die größten Kunden der Bundesrepublik waren die arabischen Staaten Saudi-Arabien, Algerien, Ägypten und Katar.

Der philippinische Verteidigungsminister Voltaire Gazmin im Gespräch mit Ashton Carter bei der Pressekonferenz im Präsidentenpalast in Manila, 14. April 2016.

Das Südchinesische Meer in Aufruhr

Verstärkt versuchen sich unterdessen auch die Staaten der Asien-Pazifik-Region mit erhöhten Verteidigungsausgaben gegen die Chinesische Volksrepublik hochzurüsten. Dabei stehen die umstrittenen Gewässer des Südchinesischen Meeres im Fokus geopolitischer Streitigkeiten.

Verteidigungsausfuhren in die Region wuchsen seit 2009 um 71 Prozent an. Südkorea ist dadurch mittlerweile zum fünftgrößten Rüstungsimporteur aufgestiegen, vor den Vereinigten Arabischen Emiraten und Großbritannien.

Auch der Großteil der neuerlichen Militäreinfuhren Australiens – der weltweit drittgrößten – resultiere aus den regionalen Spannungen im Südchinesischen Meer, informierte Moores. Australien importierte im vergangenen Jahr Kriegsgerät in Höhe von 2,3 Milliarden US-Dollar.

Baltikum: Der am schnellsten wachsende Rüstungsmarkt

Einige der am schnellsten wachsenden Zielmärkte für Kriegsschmieden auf der ganzen Welt sind die baltischen Staaten, die sich auf Geheiß der NATO und der USA vor den Grenzen Russlands hochrüsten.

Am Anfang der aktuellen Aufrüstung am Persischen Golf: Soldat der U.S. Army auf einem Humvee-Jeep mit aufmontierten Maschinengeweher, Irak, Rumaila, März 2003.

Moores erklärte, dass Handelsmöglichkeiten über die Anzahl offener Aufträge im Verteidigungsbereich bewertet wurden. Seiner Meinung nach seien die Rüstungsimporte Estlands und Lettlands hauptsächlich „mit Blick auf Russland“ zu erklären. Estland habe Kriegsgerät im Wert von 634 Millionen US-Dollar westlichen Rüstungsschmieden in Auftrag gegeben. Lettland schloss Auftrage in Höhe von 458 Millionen US-Dollar ab.

Auch NATO-Nachbar Polen reorganisiert seine Armee und greift finanziell tiefer in die Taschen. Warschau erwartet in den kommenden Jahren neues militärisches Gut für die eigenen Streitkräfte, das sich die Regierung 16,3 Milliarden US-Dollar kosten lassen will. Ein Teil der Lieferungen stellen Upgrade-Güter dar. Das polnische Hauptinteresse liegt jedoch bei offensiven Waffensystemen mit kurzer Lieferzeit.

„Wenn man sich anschaut, was sie [Polen] einkaufen, dann wird sehr schnell klar, dass das keine Machtprojektionsgeräte sind, um den USA beispielsweise im Irak zu helfen. Es ist schweres Kriegsgerät wie Panzer, das für einen konventionellen Krieg an der Ostgrenze gedacht ist“, schlussfolgerte Moores.

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