Nach Druck aus Riad: UN streicht Saudi-Arabien aus "schwarzer Liste der Kindermörder" im Jemen

Bergung von toten Zivilisten, nach einem Saudi-geführten Luftangriff auf ein Wohn-Gebäude in der jemenitischen Stadt Taiz.
Bergung von toten Zivilisten, nach einem Saudi-geführten Luftangriff auf ein Wohn-Gebäude in der jemenitischen Stadt Taiz.
Die UN hat sich dem politischen Druck aus Riad gebeugt und das Land vorübergehend von einer schwarzen Liste für Kinderrechtsverletzer entfernt. Zuvor war vergangene Woche ein UN-Bericht veröffentlicht worden, der die Saudi-geführte Koalition für die Tötung von Hunderten Kindern im Jemen-Konflikt verantwortlich machte.

Der Jahresbericht des UN-Generalsekretärs über die Lage von Kindern im Rahmen von bewaffneten Konflikten behauptet letzte Woche, dass den durch Saudi-Arabien geführten Luftangriffen und Boden-Kampagnen im Jemen 510 Kinder zum Opfer gefallen seien.

Das entspricht einem Anteil von 60 Prozent der gesamten Todesopfer seit die Luft-Kampagne gegen die Houthi-Rebellen im März 2015 begann.

Ein verwundeter Afghane, der den Angriff der US-Luftwaffe auf das MsF-Krankenhaus in Kunduz überlebte, erhält eine Behandlung im Notfall-Krankenhaus in Kabul, Oktober 2015.

Aus dem UN-Dokument geht auch hervor, dass durch die von Saudi-Arabien geführten Angriffe 667 Kinder verletzt wurden. Darüber hinaus gibt der Bericht an, dass die Hälfte der Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser durchgeführt worden wären.

„Schwere Vergehen gegen Kinder haben als Folge des eskalierenden Konflikts dramatisch zugenommen“, so der Bericht. „Aufgrund der sehr hohen Zahl von Vergehen im Jemen, die beiden Parteien zugeschrieben werden, den Houthi/Ansar Allah und der durch Saudi-Arabien geführten Koalition, sind diese für das Töten und Verstümmeln sowie wegen Angriffen auf Schulen und Krankenhäuser gelistet.“

Während die Houthi, jemenitische Regierungskräfte und regierungsnahe Milizen seit mindestens fünf Jahren auf der schwarzen Liste der UN stehen, verlangte Riad am Montag, dass Saudi Arabien von der Liste gestrichen wird. Sie behaupten, dass die Zahlen in dem Jahresbericht des Generalsekretärs „stark übertrieben“ wären, da die Koalition „modernste Präzisionszielsysteme“ einsetze.

„Wir fordern, dass dieser Bericht umgehend korrigiert wird, damit er nicht die Vorwürfe widerspiegelt, die gegen die Koalition und insbesondere Saudi-Arabien erhoben wurden“, sagte der UN-Gesandte Saudi-Arabiens, Abdallah Al-Mouallimi, am Montag. „Wenn es irgendwelche Verluste durch die Seite der Koalition gibt, wären sie weit, weit geringer.“

Nach dem Plädoyer von Saudi-Arabien, gab das Büro Ban Ki Moons an, dass die UN Riad so lange von der Liste entfernt, bis eine gemeinsame Überprüfung durch das internationale Gremium erfolgt ist.

„Bezüglich des Berichts nimmt er den Vorschlag Saudi-Arabiens an, dass die Vereinten Nationen und die Saudi-geführte Koalition gemeinsam die Fälle und Zahlen, die im Text genannt sind, überprüfen“, gab das Büro des Generalsekretärs in einer Erklärung an. „Bis die Ergebnisse der gemeinsamen Untersuchung feststehen, streicht der Generalsekretär die Koalition aus dem Anhang des Berichts.“

Die Spannungen im Jemen eskalierten, nachdem der schiitische Präsident Saleh im Jahr 2012 abgesetzt wurde und seine Anhänger, die Houthi, die angeblich vom Iran unterstützt werden, die Hauptstadt Sana’a 2014 einnahmen. Die Kämpfer der Houthi breiteten sich daraufhin in Richtung Süden aus, nahmen große Teile des Landes ein und schickten den derzeitigen sunnitischen Präsidenten Abd-Rabbu Mansour Hadi ins Exil.

Ende März des vergangenen Jahres reagierte die durch Saudi-Arabien geführte Koalition mit Luftangriffen, um den Vormarsch der Houthi zu stoppen und Hadi wieder zur Macht zu verhelfen. Im Spätsommer 2015 starteten die Truppen unter Saudischer Führung eine Bodenoperation. Trotz eines vorübergehenden Waffenstillstands, der im Mai vereinbart wurde, dauert der Konflikt weiter an. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden zwischen März 2015 und März 2016 mehr als 6.500 Menschen, darunter 3218 Zivilisten, im Jemen getötet.