„Pentagon-Planer aufgepasst - Russland ist bestens gerüstet für einen Krieg"

„Pentagon-Planer aufgepasst - Russland ist bestens gerüstet für einen Krieg"
Für RT hat der geopolitische Analyst Pepe Escobar die NATO- und US-Expansionspolitik sowie deren militärischen Fähigkeiten im Vergleich zu Russland analysiert. Er kommt zu dem Schluss, dass die westliche Militärallianz an ihren eigenen Zielen gescheitert und in zentralen Bereichen militärisch unterlegen ist. Insbesondere im Bereich von Überschallraketen sei Russland den USA um vier Generationen voraus und erstmals in der Lage seinen Luftraum immun gegen US-Vergeltungsschläge zu machen.

Von Pepe Escobar

Also haben sich Außenminister der 28 NATO-Mitgliedsstaaten in Brüssel zu einem zweitägigen Gipfel getroffen, während die bedeutende Militärmacht Montenegro als neues Mitglied eingeführt wurde.

Man kann davon ausgehen, dass der globale Robocop NATO Afghanistan (einen Krieg, den die NATO auf schändliche Art verloren hat), Libyen (eine Nation, die von der NATO in einen Failed State verwandelt hat, der in einer Milizen-Hölle zerstört wurde) und Syrien (eine Nation, in welche die NATO gerne über die Türkei einfallen würde, und die bereits jetzt eine Milizen-Hölle ist) diskutiert hat.

Die Afghanen können nun beruhigt sein, dass die Mission „Resolute Support“ der NATO – samt „finanzieller Unterstützung afghanischer Kräfte“ – nun den Erfolg der Operation Enduring Freedom dauerhaft sicherstellen wird.

Die Libyer müssen nach den Worten des NATO-Zampanos Jens Stoltenberg Sicherheit dahingehend erhalten, dass „wir zu jeder Unterstützung der neuen Regierung der nationalen Einheit in Libyen bereit“ wären.

Pflichtschuldigst bestätigt Stoltenberg wie folgt:

„Wir haben uns bereits dazu entschieden, unsere künftige Präsenz im östlichen Teil unserer Allianz zu verstärken. Unsere Militärplaner haben Vorschläge zur Stationierung einiger Bataillone in unterschiedlichen der Region gemacht. Es gibt noch keine Entscheidung über Anzahl und Orte.“

Diese lächerlichen „einigen Bataillone“ werden keinem russischen Strategen den Schlaf rauben. Die tatsächlich relevante Maßnahme ist die Verlegung des Aegis Ashore Systems nach Rumänien in der Vorwoche – und eines weiteren nach Polen im Jahr 2018. Beides hat Moskau bereits seit den frühen 2000ern vehement abgelehnt. Das Argument, Aegis würde lediglich Schutz vor der „Gefahr“ ballistischer Raketen aus dem Iran bedeuten, überzeugt dabei nicht einmal ein Kindergartenkind.

Jeder russische Militärplaner weiß, dass Aegis nicht defensiv ausgerichtet. Es ist ein ernsthafter Game-Changer – indem nukleare Kapazitäten der USA nach Osteuropa ausgelagert werden. Kein Wunder, dass Vladimir Putin deutlich macht, Russland werde „adäquat“ auf jedwede Bedrohung seiner Sicherheit reagieren. Und so ist es gut vorhersehbar, dass die Hölle eines Kalten Krieges 2.0 bald entfacht werden kann.

Ein früherer stellvertretender NATO-Kommandeur drohte auch schon mit Krieg, während die kühleren Köpfe darüber nachdenken, ob Moskau nicht früher oder später die Nase voll von den Mätzchen haben könnte und selbst zum Krieg rüsten wird.

Es erscheint durchaus wahrscheinlich, dass der Beltway – Neocons ebenso wie Neoliberalcons – tatsächlich keinen heißen Krieg mit Russland wollen. Was sie, abseits von mehr Geld für das Pentagon, wollen, ist, den Rüstungswettlauf so weit zu treiben, dass Russland auf der Basis einer rationalen Kostenanalyse daraus aussteigen und klein beigeben wird. Aber die Ölpreise werden im Laufe des Jahres 2016 unweigerlich weiter steigen – und in dem Fall fällt Washington dieses Szenario auf den Kopf. Also könnte die Fed die Zinsen erhöhen (und dieses Geld weiterhin an die Wall Street gehen lassen), um dieses Szenario umzudrehen.

Vergleiche der derzeitigen NATO-Aufrüstung mit jener vor dem Zweiten Weltkrieg oder der Zeit des Warschauer Pakts sind amateurhaft. Die THAAD und Patriot Raketen sind nutzlos – und dies werden nicht zuletzt die Israelis bestätigen, weshalb diese auch mit Iron Dome ihr eigenes System entwickeln.

Plant laut Richard Shirreff eine Invasion des Baltikums - Russlands Präsident Wladimir Putin

Auch sind diese neue NATO-„Bataillone“ inkonsequent. Was die Neocons im Pentagon, allen voran Ash Carter, wollen, ist, Russland weiter in die Misere in Syrien und der Ukraine hineinzuziehen (als ob Russland überhaupt eine Motivation verspüren würde, sich im ukrainischen Chaos zu engagieren); man will Russland in Stellvertreterkriege zwingen und Russland ökonomisch ausbluten, während man das Land von seinen Öl- und Gaseinkommen abschneidet. Russland will – und braucht – keinen Krieg. Trotzdem spinnt man den Narrativ von der „russischen Aggression“ unermüdlich weiter.

Einer Studie der RAND Corporation, die ein Szenario eines tatsächlichen Krieges untersucht hat, kam zu dem unzweideutigen Schluss, dass in allen durchgespielten Fällen Russland, sollte es jemals zu einem heißen Krieg auf europäischem Boden kommen, die NATO in kaum 60 Stunden überrannt hätte. Zwar ist dieser Think Tank ein CIA-Außenposten und deshalb eine Propagandamaschine. Aber es ist keine Propaganda, dass die Baltischen Staaten und die Ukraine in weniger als drei Tagen von der russischen Armee eingenommen wären. Die Annahme, zusätzliche Luftstreitkräfte der NATO und bewaffnete Kampfeinheiten würden einen substanziellen Unterschied machen, ist Unfug.

Aegis macht insofern einen Unterschied, als sie Abschussräume für die US-Raketenabwehr schafft. US-Raketen mit einer Minimum-Flugzeit von etwa 30 Minuten nach Moskau – das ist eine eindeutige Bedrohung der russischen Nation. Die russische Armee ist diesbezüglich auch „unmissverständlich“: Sollte es sich herausstellen, dass die NATO im Auftrag des Pentagon tatsächlich etwas Unanständiges proben würde, würde die russische Armee einen breit angelegten Präventivschlag mit Iskander-M-Systemen ins Auge fassen können und die US-Raketen durch konventionelle Präzisionswaffen ausschalten.

Nachdem Moskau in Syrien bereits einen erstaunlichen Erfolg feiern konnte – obwohl die Sache noch nicht vorbei ist – ist das Pentagon (über die NATO-Schiene) darauf angewiesen, die Karte der Abschreckungstaktik zu ziehen. Sie wissen, Russland ist auf einen Krieg vorbereitet – und das sicher wesentlich besser als die NATO. Sie wissen, dass weder Putin noch die russische Armee sich von dieser Kindergarten-Angstkampagne einschüchtern lassen werden. Allerdings könnte sich der bislang noch sehr konziliante Ton in Richtung Washington bald ändern.

Die russische Armee wird in Kürze die ersten Prototypen ihres S-500 Prometey Luft- und Raketenabwehrsystems testen; auch als 55R6M Triumfator M bekannt und in der Lage, Ballistische Interkontinentalraketen und Flugzeuge von einer Geschwindigkeit jenseits von Mach 5 zu zerstören. Und das System wird in der Lage sein, simultan bis zu zehn ballistische Raketensprengköpfe in einer Entfernung von 1300 Kilometer zu zerstören. Die S-500 kann daher Raketen dieser Art zerstören, bevor ihre Sprengköpfe in die Atmosphäre zurücktreten.

Sollte die NATO tatsächlich in der von RAND angedeuteten Weise die Nerven verlieren, würde das S-500-System die komplette Luftwaffe der NATO über den Baltischen Staaten eliminieren, während die erweiterte Kornet-Rakete alle NATO-Panzerfahrzeuge zerstören würde. Und das ist noch nicht einmal der Bereich eskalierter Kriegsführung mit konventionellen Waffen.

Und sollte es tatsächlich zum nuklearen Ernstfall kommen, würden die S-400 und insbesondere S-500 Abwehrraketen alle hereinkommenden US-amerikanischen ICBMs, Cruise Missiles und Tarnkappenbomber blockieren. Die Drohnenabwehr würde die Drohnenangriffe blockieren. Die S-500 ist in der Lage, Tarnkappenflugzeuge wie die F-22, die F-35 oder die B-2 wertlos zu machen.

Das Entscheidende ist aber: Mit Blick auf die Entwicklung von Überschallraketen ist die Russische Föderation den USA etwa vier Generationen voraus, wenn wir die S-300, S-400 und S-500 Systeme als Maßstab nehmen. Als Arbeitshypothese können wir uns in etwa schon die S-600 ausmalen, die sich bereits in der Entwurfsphase befindet. Die US-Armee würde mindestens zehn Jahre brauchen, um auch nur ein neues Waffensystem zu entwickeln, das in militärischen Termini eine Generation repräsentiert. Das sollte auch jeder Pentagon-Planer wissen, der seine Pensionsfonds wert ist.

Die russischen – und auch die chinesischen – Raketen sind bereits jetzt in der Lage, das Satellitensteuerungssystem für nuklear bestückte US-amerikanische ICBMs und Cruise Missiles auszuschalten. Sie könnten sogar die Frühwarnsysteme lahmlegen, die von den Satellitenkonstellationen geboten werden. In weniger als 20 Minuten könnte eine russische Überschall-ICBM – abgefeuert etwa von einem russischen Atom-U-Boot – die US-Ostküste erreichen. Deshalb ist ein Frühwarnsystem unabdingbar. Die wertlosen THAAD und Patriot Systeme würden den Job nicht gebacken bekommen. Russische Überschalltechnologie hat bereits jetzt das gesamte Raketenabwehrsystem sowohl in den USA als auch in Europa völlig überflüssig gemacht.

Spatenstichzeremonie für eine NATO-Raketenabwehranlage in Redzikowo nahe Słupsk, Polen

Warum also macht Moskau sich Sorgen über das Aegis-System nahe seiner Grenzen? Ein Grund könnte sein, dass Moskau stets in Sorge ist, dass der US-amerikanische militärisch-industrielle Komplex tatsächlich effektive Raketenabwehrsysteme entwickeln könnte, obwohl die derzeitigen etwa vier Generationen hinterherhinken.

Gleichzeitig aber haben Pentagon-Planer einen guten Grund, besorgt zu sein auf Grund dessen, was sie wissen, aber auch dessen, was sie nicht wissen. Die russische Armee offenbart – und diesbezüglich ist sie sehr asiatisch – nie alles, was sie in der Hand hat. Das Entscheidende ist jedoch, und das muss immer und immer wieder betont werden, dass die S-500 einerseits undurchdringlich ist, andererseits Russland erstmals in der Geschichte zu einem nuklearen Erstschlag befähigt – und dabei gegen allfällige Gegenschläge geschützt ist.

Der Rest ist eitles Geplänkel. Natürlich bleibt der offizielle Pentagon/NATO-Narrativ derselbe. Am Ende des Tages ist der militärisch-industrielle Komplex eine geldverschlingende Hydra und deshalb braucht man ein mächtiges Feindbild – das eigenartige „Kalifat“ des Daesh zählt dabei nicht mit.

Der Bedrohungsnarrativ besagt, dass Russland widerspruchslos seine Einkreisung durch die NATO akzeptieren soll. Jede Reaktion darauf würde als „russische Aggression“ gebrandmarkt. Wenn Russland sich verteidigen sollte, würde dies im Westen als „inakzeptable Provokation“ verkauft und eventuell sogar als Prätext für einen Präventivschlag der NATO gegen Russland.

Und jetzt sehen wir den Pentagon/NATO-Planern zu, wie sie zurück in ihren verschwenderisch wirtschaftenden Kindergarten gehen.

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