NATO-General als Autor: "2017 War with Russia" kündigt Krieg zwischen Westen und Russland an

Plant laut Richard Shirreff eine Invasion des Baltikums - Russlands Präsident Wladimir Putin
Plant laut Richard Shirreff eine Invasion des Baltikums - Russlands Präsident Wladimir Putin
Richard Shirreff, NATO-General und von 2011 bis 2014 Träger des eindrucksvollen Titels „Deputy Supreme Allied Commander Europe“ ist unter die Buchautoren gegangen. Der Titel des Werkes verspricht hohe Auflagen und gigantische Umsätze. Denn eine Nummer kleiner als „2017 War With Russia“ geht es für Shirreff nicht. Shereff kündigt nicht weniger als einen Atomkrieg zwischen dem Westen und Russland an. Praktisch: So lässt sich bequem die laufende Ausbreitung der NATO im Osten rechtfertigen.

Der neue Kalte Krieg tobt bisweilen vor allem an der Medienfront

Für die Science-Fiktion-Abteilung in der Buchhandlung oder als Vorlage für einen der zahlreichen Weltuntergangsfilme Hollywoods wäre Richard Shirreffs neues Buch sicherlich interessant. Nicht weniger als den totalen Krieg zwischen Ost und West – inklusive des Einsatzes von Atomwaffen – kündigt der NATO-General und vormalige „Deputy Supreme Allied Commander Europe“ für das kommende Jahr an. Das genaue Datum, nämlich Mai 2017, ist Shirreff dabei genau bekannt, wie der konkrete Ablauf der zu erwartenden Ereignisse. Wenig überraschend indes: Natürlich ist Russland schuld.

Dennoch hält der Plot des Militärs einige besonders kreative Wendungen bereit, die von allen ernstzunehmenden Analysten als völlig abwegig betrachtet werden. Zum Krieg soll es wie folgt kommen:

Über Lettland werde Russland das Baltikum überfallen und einen atomaren Erstschlag androhen, sollte die NATO die Invasion zurückschlagen wollen. An dieser Stelle wartet Sherriff auch schon mit einem ersten augenzwinkernden Ratschlag auf. Wäre die NATO nicht so „schwach“, könnte die fiktive Einschüchterung nicht gelingen. Ein „aggressiver und opportunistischer“ Wladimir Putin würde die Zurückhaltung und Passivität der europäischen Führungselite aber gnadenlos ausnutzen.

Zeit also, sich in den nächsten zwölf Monaten mit den nötigsten Überlebensutensilien und Vorräten für den nuklearen Fallout einzudecken und im Keller private Bunkeranlagen zu errichten? Nicht ganz, denn der schreibende NATO-General kennt natürlich einen Ausweg, um den drohenden Doomsday noch zu verhindern: Die NATO müsse an ihren Ostgrenzen zu Russland massiv aufrüsten, so Shirreff. Besonders die baltischen Staaten und Osteuropa sollten mit schwerem Gerät und Soldaten beliefert werden.

Proteste in Montenegro gegen den Beitritt zur NATO

Natürlich widerspräche dies früheren Zusicherungen des Westens an Russland, in den ehemaligen Staaten des Warschauer Paktes keine permanenten Truppen zu stationieren. Aber was zählen schon solche Vereinbarungen wenn die totale Vernichtung droht?

In der Tat deckt sich der „Ausweg“ aus Shirreffs Horrorszenario exakt mit der derzeitigen Vorgehensweise der NATO in Sachen Ost-Erweiterung, für die man jedoch nicht so wirklich eine Begründung präsentieren kann. Shirreffs Strategie ist in dieser Hinsicht so tump wie durchschaubar: Angst- und Panikmache, Russland die ewige Bedrohung und die eigene Verpflichtung Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Schon kann ein eigener aggressiver Akt – der Aufmarsch von NATO-Truppen an Russlands Grenzen als „Selbstverteidigung“ verkauft werden.

Dass Russland sich durch den Bruch früherer Vereinbarungen seitens des Westens und die Ausbreitung der NATO in Osteuropa überhaupt erst bedroht sieht, wird dabei natürlich unter den Teppich gekehrt. Dass eine „Invasion des Baltikums“ durch Russland lediglich das Produkt von Shirreffs blühender Phatasie ist, ebenso. Die Truppenbewegungen der NATO sind jedoch real. Ein kleiner, aber feiner Unterschied.