Edward Snowden warnt vor Totalüberwachung durch autonome, solarbetriebene Drohnen

Mit Smartphones und autonomen Drohnen in die Totalüberwachung - Whistleblower Edward Snowden sieht die Zukunft düster
Mit Smartphones und autonomen Drohnen in die Totalüberwachung - Whistleblower Edward Snowden sieht die Zukunft düster
In einem am Dienstag erschienen Artikel warnt der Whistleblower Edward Snowden vor der zunehmenden Überwachung durch autonome Drohnen. Nicht nur Einzelpersonen, ganze Gesellschaften seien durch die Entwicklung unbemannter, solarbetriebener Überwachungsfluggeräte gefährdet.

"Whistleblowing ist nicht nur Leaking - es ist Widerstand", lautet der Untertitel von Edward Snowden aktuellem Beitrag auf der Enthüllungsplattform The Intercept. Darin schreibt der Whistleblower, die USA verfolgen derzeit das Ziel, Drohnen zu entwickeln, die dauerhaft in der Luft bleiben können, um eine anhaltende Überwachungsstruktur zu bilden.

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„Das Ziel ist, solarbetriebene Drohnen zu stationieren, die über Wochen in der Luft bleiben können, ohne landen zu müssen. Wenn dies möglich ist und die typischen Überwachungsgeräte an der Drohne installiert werden, können damit stetig alle technischen Geräte, wie Laptops, Smartphones oder iPods samt ihrer Netzwerkadressen überwacht werden. Man weiß damit nicht nur, in welcher Stadt sich ein bestimmtes Gerät befindet, sondern sogar in welcher Wohnung es liegt, wo es sich zu einer bestimmten Zeit hinbewegt und welchen Weg es nimmt.“

Wenn eine solche Überwachung auch nur in einigen Städten implementiert wird, können Geheimdienste diese Möglichkeit nutzen, um „die Bewegungen nicht nur von Einzelpersonen, sondern von ganzen Bevölkerungen aufzuzeichnen“, so der Whistleblower, der im Jahr 2013 mit seinen Leaks zur NSA-Spionage den größten Überwachungsskandal der Geschichte aufdeckte und seitdem im russischen Exil lebt.

„Indem sie die heutige Notwendigkeit ausnutzen, immer online zu sein, können Regierungen unsere menschliche Würde auf die von markierten Tieren reduzieren. Der Hauptunterschied ist, dass wir für die Überwachung bezahlt haben und sie sich in unseren Taschen befindet.“

Snowden räumt dabei ein, dass seine Worte für manche Ohren sicher ein wenig „paranoid“ klingen mögen, betonte aber, dass dieser Ausbau der Überwachung aus technischer Sicht derart einfach zu implementieren sei, dass er sich nicht vorstellen könne, dass dies in Zukunft nicht auch versucht wird.

„Zunächst wird es sich mit der Zustimmung der Konsumenten auf Kriegsgebiete beschränken, doch Überwachungstechnologie hat die Tendenz, uns bis nach Hause zu verfolgen“, mahnt Snowden.

Der frühere NSA-Mitarbeiter widmete seinen Artikel dem neuen Buch „The Assassination Complex“ von Jeremy Scahill und der Redaktion von The Intercept.

Quelle: U.S. Air Force photo by Lt Col Leslie Pratt

Das Buch basiert auf den sogenannten „Drone Papers“, die im Oktober 2015 geleakt wurden und die innere Struktur der US-Drohnenoperationen in Somalia, Jemen und Afghanistan enthüllten– einschließlich der Methode, verdächtige Zielpersonen für die Erschießung mit Drohnen zu markieren.

Das politische System der USA versucht eine ständige Rechtfertigung, um die Militärmaschinerie des Landes einzusetzen, so Snowden weiter.

„Heutzutage dient der Terrorismus als Rechtfertigung, aber nicht weil unsere politischen Führer tatsächlich besorgt über Terrorismus selbst sind, oder weil sie denken würden es handele sich dabei um eine existenzielle Gefahr für die Gesellschaft. Sie haben erkannt, dass - sogar wenn es jedes Jahr einen Angriff wie bei 9/11 gäbe - immer noch mehr Menschen bei Autounfällen oder an Herzkrankheiten sterben würden. Und wir sehen nicht, dass ähnliche Ressourcen aufgewendet werden, um diesen viel größeren Gefahren zu begegnen.“

Snowden zufolge ist die größte Angst der US-Führung, in aktuellen Auseinandersetzungen als schwach wahrgenommen zu werden. Die Enthüllungen von Whistleblowern seien dabei ein wichtiger Akt des politischen Widerstands geworden.